Christiane Ebert: Zeit und Raum in Liebesbeziehungen
Christiane Ebert: Zeit und Raum in Liebesbeziehungen. Wunsch und Wirklichkeit im Alltagsgeschehen von Paaren mit Kindern. Tenea Verlag (Berlin) 2005. 200 Seiten. ISBN 978-3-86504-143-2. 23,00 EUR.
Einführung in das Thema
Es gibt zahlreiche familiensoziologische Literatur. So finden sich Werke, die Störungen der Familie, interkulturelle Vergleiche, Patchworkfamilien u.ä. thematisieren. Christiane Ebert betrachtet im Gegensatz dazu das grundsätzlich in der Literatur vernachlässigte "Liebespaar" in der Familie.
Autorin
Dr. phil. Christiane Ebert ist Jahrgang 1952, wohnt und praktiziert als Physiotherapeutin im "Treppenviertel" von Hamburg-Blankenese. 1995-2000 Studium der Diplom-Pädagogik an der Universität Bremen, 2001-2005 Promotionsstudium Universität Hamburg bei gleichzeitiger Tätigkeit als Referentin und Seminarleiterin, derzeit Lehrbeauftragte im interdisziplinären Bachelor-Studiengang für Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hildesheim.
Inhalt
Die Dissertation "Zeit und Raum in Liebesbeziehungen" von Christiane Ebert erfasst anhand 10 narrativer biographischer ExpertInneninterviews (5 Paare) die Diskrepanz zwischen romantischem Liebesideal und realem Lebensalltag von langjährigen Paaren mit Kindern. Entlang der Kategorien Zeit und Raum entfaltet die Autorin den Zusammenprall biographischer Zusammenhänge und darauf zurückzuführende persönliche Bedürfnisse mit: den Anforderungen und Bedürfnissen der Partner, der Kinder und der modernisierten Arbeitswelt.
Zunächst einmal werden Ergebnisse aus einer vorhergehenden empirischen Untersuchung zur Bedeutung gemeinsamer Zeit in Paarbeziehungen präsentiert, um so dem Leser Hintergrundwissen der Autorin bereitzustellen. Die folgende begriffliche Klärung von Zeit, Raum und Liebe wird anhand gängiger sozialwissenschaftlicher und psychologischer Theorien im Kontext aktueller Wissenschaft verständlich dargestellt. Diesem Abschnitt folgt eine Erläuterung des Untersuchungsaufbaus, Darstellung des Samples sowie Beschreibung der Erhebungsmethode.
So eingestimmt und mit der Materie vertraut gelangt der Leser im Hauptteil des Werkes in die Intimität und den Lebensalltag von Paarbeziehungen. Auffallend ist hierbei die behutsame Interviewtechnik, welche im Ergebnis nicht nur den Leser sondern oftmals auch den Interviewten innehalten lässt. Globalisierung und damit einhergehende Anforderungen nach Flexibilisierung werden in ihren Auswirkungen über den Arbeitsalltag von Erwerbstätigen in die Familien getragen. Der/die allzeit abrufbare ArbeitnehmerIn, der/die vermeintliche UnternehmerIn im Unternehmen gerät unversehens in den Strudel der von außen an die Familie herangetragenen Anforderungen. Wie die einzelnen Paare dieses Dilemma der Vereinbarkeit lösen oder auch woran sie (noch) scheitern wird durch die klare und einfühlsame Darstellung und Analyse der Autorin nicht nur sichtbar sondern auch spürbar. Durch die fesselnde und dennoch unspektakuläre Darstellung der "Normalität" in Liebensbeziehung gerät der Leser unversehens in Lebenswirklichkeiten, die - da alltäglich - Vertrautes sichtbar werden lassen. Die Autorin gibt dem Alltag ein Antlitz. So kann sie Wege aufzeigen, die der Liebe auch noch in langjährigen Beziehungen Raum geben.
Die anschließende Auswertung wird in ihren Ergebnissen abschließend in Bezug auf individuelle aber auch gesellschaftlich und politische Strategien zur Stützung des "Liebespaares in der Familie" diskutiert. Die Familie und insbesondere das ihr inhärente Liebespaar bedürfen neben der privaten Anstrengung hierzu jedoch auch sozialpolitischer Aktivitäten. Entsprechend fordert Christiane Ebert den Ausbau von Kinderbetreuungs- und Teilzeitarbeitsplätzen auch in verantwortlichen Positionen für Männer und Frauen. Als einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Vereinbarkeit wird die sich derzeit installierende "Zeitpolitik" als teil der Sozialpolitik angeführt.
Zielgruppen
Gut geeignet als einführende Literatur zur Thematik Zeit und Raum für angehende SozialwissenschaftlerInnen und PaartherapeutInnen. Hervorzuheben die gute Verständlichkeit, die auch dem/der Nicht-Wissenschaftler/in Freude am Lesen diese Werkes bereitet.
Fazit
Ein sehr gut lesbares Buch. Die Autorin gibt dem oftmals sprachlos machenden Alltagsstress Worte, die als Beginn einer positiven Veränderung fungieren können. Das Liebespaar als Grundpfeiler der Familie kann wiederentdeckt werden und mit ein bisschen Pflege den Lebensalltag gestärkt meistern, ohne unterzugehen.
Rezensentin
Dipl.-Soziologin Elke Ziegler
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Zitiervorschlag
Elke Ziegler. Rezension vom 10.01.2006 zu: Christiane Ebert: Zeit und Raum in Liebesbeziehungen. Tenea Verlag (Berlin) 2005. 200 Seiten. ISBN 978-3-86504-143-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3440.php, Datum des Zugriffs 04.02.2012.
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