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Thomas Bartscher, Anne Huber: Praktische Personalwirtschaft

Cover Thomas Bartscher, Anne Huber: Praktische Personalwirtschaft. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler (Wiesbaden) 2007. 2. vollständig überarbeitete Auflage. 226 Seiten. ISBN 978-3-8349-0233-7. 26,90 EUR.

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Relevanz

Die Umgestaltung der Hochschulen macht auch vor den Lehrbüchern nicht halt. Erstmals hat der Rezensent ein "bachelorgeeignetes" Lehrbuch für Personalwirtschaft in der Hand - so steht es auf dem Cover. Die Frage der Relevanz ist damit eindeutig beantwortet; es handelt sich um eines der ersten Lehrbücher für das Personalwesen, das der neuen gestuften Studienstruktur Rechnung trägt.

Doch was bedeutet das konkret? Auf den ersten Blick ist es der deutlich geringere Umfang gegenüber traditionellen Lehrbüchern: nur gut 200 Seiten, viele Abbildungen, großer Schrifttyp etc. Weitere Besonderheiten beschreibt das Vorwort: "Der einführende und praxis(hand­lungs-) orientierende Charakter qualifiziert das vorliegende Buch damit insbesondere für die personalwirtschaftliche Ausbildung in betriebswirtschaftlichen Studiengängen." Außerdem soll das Buch für Quereinsteiger und das Modul "Human-Ressource-Management" in "General-Management MBA-Program­men" geeignet sein. Ein hoher Anspruch, da hiermit nicht nur die erste berufsqualifizierende Ausbildung angepeilt wird, sondern gleichermaßen auch die darauf aufbauende MBA-Weiterbildung.

Inhalt

Die Eignung für Bachelor sollte sich vor allem aus der methodischen Gestaltung ergeben. Angesichts der Zielsetzung, mit dem Bachelor einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss zu erreichen, ist der "praxisorientierte Charakter" sicherlich der richtige Ansatz. Es handelt sich also nicht um eine wissenschaftliche Publikation, was bereits einen grundlegenden Unterschied gegenüber der Mehrzahl bisheriger Hochschulpublikationen darstellt.

Trotzdem wird auf eine theoretische Einordnung nicht verzichtet, denn "im Mittelpunkt dieses Buches steht der Performance Improvement Ansatz". Auf Deutsch: die Steigerung der Leistungsfähigkeit. Hinter diesem modischen Begriff, kurz "PI", steckt allerdings nichts wirklich Neues. Vielmehr erkannte schon Burrhus Frederic Skinner in seinem Behaviorismus-Konzept in den 1940er Jahren, dass mehr Training nicht unbedingt zu besseren Arbeitsergebnissen führt. Richtig ist vielmehr, dass Qualifizierung und Berufserfahrungen nur dann zu mehr Arbeitsleistung führen, wenn sie an den Unternehmenszielen ausgerichtet sind. Letztlich ist auch "PI" nur einer von vielen in einer langen Kette von Versuchen, die Leistung von Mitarbeitern und die Wirkung von Personalentwicklungsmaßnahmen messbar zu machen. Zudem ist es eher der Personal- und Unternehmensführung als dem Personalwesen zuzuordnen. Ein Lehrbuch sollte jedoch verschiedene Ansätze kritisch darstellen und nicht nur eine, noch nicht einmal eine dominierende Theorie wiedergeben.

Konzentrieren wir uns daher auf die Inhalte des Lehrbuchs. Dem Kapitel 5 "Management Summary" (2 Seiten) sind vier inhaltliche Kapitel vorangestellt. Diese sind in ihrem Umfang sehr unterschiedlich: Kapitel 1 umfasst 20 Seiten, bei Kapitel 2 sind es 27 Seiten, bei Kapitel 3 dann schon 97 Seiten und Kapitel 4 ist 63 Seiten dick. Nun können solche quantitativen Unterschiede inhaltlich durchaus begründet sein.

Kapitel 1 nennt sich "Personalarbeit der Zukunft", beginnt aber zunächst eher historisch und volkswirtschaftlich: Kondratieff-Zyklen begründen die Zukunft der Wirtschaft, dann folgt ein Ausflug in das sozialpsychologisch orientierte Personalmanagement der 1980er Jahre (Wissen, Kompetenz, Motivation, Kundenzufriedenheit etc.) und endet bei der leistungsorientierten Betrachtung der Personalwirtschaft (siehe "PI"). Irgendwo zwischen Bezügen zur Organisationslehre, Berufsbildung ("Kernkompetenzen", "Lernklima" etc.) und den sogenannten Managementlehren endet dann dieses Kapitel, ohne dass klar wird, worin denn nun die "Personalarbeit der Zukunft" liegt.

Das Kapitel 2 ist das "personalwirtschaftliche Leistungssystem". Hier geht es zunächst um Personalführung mit den bekannten Elementen wie Zielvereinbarung und Feedback. Ein erwarteter, unmittelbarer Bezug zum Performance Improvement ist nicht zu erkennen; insgesamt finden sich eher Bezüge zu der sozialpsychologischen Personalwirtschaft mit Exkursen zum Arbeitsrecht.

Kapitel 3 "Handlungsfelder der Personalwirtschaft" ist das umfangreichste Kapitel und soll aufzeigen, "welche Anforderungen an eine professionelle Personalarbeit zu stellen sind. (S. 49)" Betrachtet man die einzelnen Themen, so sind dies Personalplanung, Personalauswahl, Personalentwicklung, Personaleinsatz und Personalfreisetzung. Dieses ist sicherlich richtig in Bezug auf den gewählten theoretischen PI-Ansatz, denn es geht um das Personal als Leistungsträger. Insofern stimmen hier Umfang und Anspruch überein. Auch die ausführliche Schilderung der Personalplanung ist durchaus nachzuvollziehen, da diese im Mittelpunkt der betrieblichen Leistungserbringung steht.

Kapitel 4 handelt von "Unternehmenskultur und Unternehmensstruktur" und wird eingeleitet durch einen Aufsatz "Wertbegriff" von einer weiteren Autorin, Dipl.-Bw. (FH) Ingrid Bügler. Generell ist natürlich der Aussage zuzustimmen, dass Werte das Handeln bestimmen sollen. Und selbstverständlich haben sich Werte immer geändert. Für die Personalwirtschaft ist insbesondere das Menschenbild entscheidend; man denke nur an die aus heutiger Sicht menschenunwürdige Behandlung von Kinderarbeitern im 19. Jahrhundert. Leider findet man in diesem Kapitel nicht die Zusammenhänge zwischen Werten und den daraus resultierenden Aufgaben des Human Resource Managements, sondern eher allgemeine Wertdarstellungen, wie man sie in der Literatur zu Unternehmensführung oder Wirtschaftsethik findet.

Was die "Management Summary" auf zwei Seiten im letzten Kapitel soll, erschließt sich dem Rezensenten für ein Bachelor-Lehrbuch nicht, zumal nichts Neues kommt.

Gestaltung und Aufbau

Der inhaltliche Eindruck ist ambivalent: sowohl in Bezug auf die theoretische Fundierung als auch in Bezug auf Auswahl und Darstellung der Inhalte. Für ein Lehrbuch ist jedoch auch die Anschaulichkeit wichtig. Die Aufmachung, das Layout ist weitgehend schlicht. Es erinnert an Folienpräsentationen oder Diplomarbeiten, ohne dass dieses ein Nachteil wäre.

Kritischer ist, dass wesentliche Bestandteile eines Lehrbuches entweder ganz vermisst werden oder zumindest nicht in der zu erwartenden Form auftauchen. Es finden sich zwar immer mal wieder Beispiele, denen allerdings der konkrete Bezug zur Personalwirtschaft fehlt. Andere Bestandteile wie didaktische Gliederungen, Fälle, Überprüfungsfragen, ein Glossar (Key Terms) oder die Zusammenfassungen der wichtigsten Aussagen werden ganz vermisst.

Praxisbezug und angesprochener Nutzerkreis

Der Nutzerkreis ist klar definiert: Studenten und Dozenten der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Personalwirtschaft in Bachelor-Studien-gängen, fachliche Quereinsteiger und Teilnehmer berufsbegleitender MBA-Programme. Nun macht diese Zielgruppenbeschreibung den Rezensenten zunächst etwas ratlos. Denn im zitierten "Bologna-Prozess" wird ja gerade das gestufte  Studiensystem mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Zielsetzungen als Antwort auf ein rein wissenschaftliches Diplomstudium gefordert. Eine Rezension ist jedoch nicht der Platz, an dem darüber entschieden werden muss, ob statusbegründende Lehrinhalte aus dem Bachelorstudium mit den Inhalten eines Masterstudiums identisch sein können. Es ist jedoch ein hoher Anspruch, den sich die Autoren gesetzt haben. Da die Publikation als reines Lehrbuch konzipiert ist, ist die Frage des unmittelbaren Praxisbezuges irrelevant.

Fazit

Die von angloamerikanischen Universitäten bekannten "Textbooks" könnten ein Vorbild für viele deutsche Lehrbücher sein.  Sie sind meist sehr verständlich und anschaulich geschrieben, erläutern viele Tatbestände durch Beispiele und Abbildungen und geben die Möglichkeit, durch Exkurse Themen zu vertiefen. Zudem sind sie entsprechend didaktisch aufgebaut. Leider sind sie deshalb oft auch entsprechend aufwendig produziert und dementsprechend teuer.

Hiervon hebt sich das vorliegende Lehrbuch mehrfach ab: es ist für ein Hochschulbuch relativ preisgünstig, nicht allzu umfangreich und Grafiken sowie Darstellungen erinnern an Foliendarstellungen. Gegenüber traditionellen Lehrbüchern in der Personalwirtschaft erscheint die Auswahl der Inhalte nicht immer nachvollziehbar. Zudem fehlt der "Paradigmenwechsel" von der eher weichen, sozialpsychologisch begründeten Personalarbeit der 1970er bis 1990er Jahre (Stichworte wie "Motivation", "Schlüsselqualifikationen") hin zu einer an den harten Kennzahlen des Personalcontrollings orientierten Beschäftigungspolitik heute. Was die "praxisorientierte Einführung" für ein Bachelorstudium besonders geeignet macht, wird nicht deutlich. Letztlich ist es eine verständliche, kurze Einführung in die klassische Personalwirtschaft (Kapitel 3), ergänzt um Beschreibungen aus Unternehmensführung und Wirtschaftsethik (Kapitel 2 und 4) sowie Makroökonomie (Kapitel 1).


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 15.05.2007 zu: Thomas Bartscher, Anne Huber: Praktische Personalwirtschaft. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler (Wiesbaden) 2007. 2. vollständig überarbeitete Auflage. 226 Seiten. ISBN 978-3-8349-0233-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3649.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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