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Silke Bothfeld, Sigrid Gronbach u.a. (Hrsg.): Gender Mainstreaming

Cover Silke Bothfeld, Sigrid Gronbach, Barbara Riedmüller (Hrsg.): Gender Mainstreaming - eine Innovation in der Gleichstellungspolitik. Zwischenberichte aus der politischen Praxis. Campus Verlag (Frankfurt) 2002. 280 Seiten. ISBN 978-3-593-37038-5. 29,90 EUR, CH: 53,00 sFr.

Politik der Geschlechterverhältnisse, Bd. 18.

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Einführung in Thema und Zielsetzung des Buches

In Politik, öffentlichen Verwaltungen, Institutionen wie Hochschulen, Wohlfahrtsverbänden und zunehmend auch in Unternehmen reden viele von Gender Mainstreaming als geschlechter- und gleichstellungspolitischer Strategie. Auf europäischer Ebene ist sie seit den Vereinbarungen im Amsterdamer Vertrag im Jahre 1997 verpflichtend, d. h. alle Mitgliedsstaaten sollen darauf hinwirken, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu beseitigen und die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen zu fördern. Doch was der Begriff konkret bedeutet und wie Gender Mainstreaming als politisches Prinzip und Strategie in die politische Praxis umgesetzt werden kann, bleibt noch vielfach schillernd und unbestimmt. Deshalb begrüße ich den von Silke Bothfeld, Sigrid Gronbach und Barbara Riedmüller herausgegebenen Sammelband, in dem in insgesamt elf informationsreichen und gut lesbaren Beiträgen "Zwischenberichte aus der politischen Praxis" zu Gender Mainstreaming vorgelegt werden. Der Band gliedert sich in vier Themenbereiche:

Inhaltsübersicht

  • Nach einer Einführung von Barbara Riedmüller zur historischen Entwicklung von Gender Mainstreaming und einem kurzen Überblick über die einzelnen Beiträge in dem Sammelband folgen drei Artikel zu "Definitionen und Begriffsgeschichte" (S. 19ff.): Barbara Stiegler hat in der Bundesrepublik maßgeblich dazu beigetragen, Gender Mainstreaming sowohl begrifflich als auch geschlechtertheoretisch und als politische Strategie zu präzisieren und zu systematisieren. Susanne Baer betrachtet aus einer rechtlichen Perspektive "Gender Mainstreaming als Operationalisierung des Rechts auf Gleichheit" und wirft dabei spannende rechtspolitische Fragen und Zielkonflikte auf. Carolin Callenius berichtet über Erfahrungen mit Gender Mainstreaming in der internationalen Politik.
  • Im zweiten Themenkomplex folgen Beiträge zur "Anwendung des Konzeptes in der öffentlichen Politik" (S. 83ff.): Birgit Schweikert ermöglicht aus ihrer ‘Insiderinnen-Perspektive’ facettenreiche Einblicke in "die Implementierung von Gender Mainstreaming auf der Bundesebene". Sie ist nicht nur in dem für die Einführung von Gender Mainstreaming federführenden Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bereich "Grundsatzfragen der Einführung des Gender Mainstreaming in die Bundesverwaltung" tätig, sondern auch in der Geschäftsführung der interministeriellen Arbeitsgruppe Gender Mainstreaming der Bundesregierung. Christine Färber skizziert als ehemalige Frauenbeauftragte und Sprecherin der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen die Chancen, aber vor allem auch Schwierigkeiten und bisherigen Grenzen von Gender Mainstreaming als gleichstellungspolitischer Strategie im Hochschulbereich. Margit Schratzenstaller gibt einen Überblick zu "Gender Budgets" aus deutscher Perspektive und weist nach, dass die Geschlechterblindheit, insbesondere bei der Aufstellung öffentlicher Haushalte, die sozialen und wirtschaftlichen Positionen von Frauen und Männern fortschreibt, statt sie in Richtung Gleichstellung zu verändern.
  • Im Themenkomplex "Anwendung des Konzeptes in der Arbeitswelt" (S. 159ff.) findet sich der einzige Beitrag eines Mannes: Stephan Höying diskutiert die "Möglichkeiten von Gender Mainstreaming aus dem Blickwinkel von Männern". Er berichtet über Befunde aus einer organisations- und arbeitskulturellen Studie in öffentlichen Verwaltungen zu der Frage, wie Männer Geschlechterdifferenzen (nicht) wahrnehmen, (nicht) verbalisieren und systematisch in Männerbünden immer wieder aufrecht erhalten oder neu kreieren. Vor dem Hintergrund dieser Untersuchungsergebnisse sind seine Anregungen zum Abbau von Geschlechterhierarchien durch Gender Mainstreaming zu verstehen und beachtenswert. Im Gegensatz zu diesem nachdenklich stimmenden Artikel beschreibt Friederike Maier die europäische Beschäftigungspolitik, in der Gender Mainstreaming bisher am konsequentesten angewendet wird. Ilona Schulz-Müller schildert als ‘Insiderin’ positiv stimmende Erfahrungen, wie Gender Mainstreaming als gleichstellungspolitische Strategie in der großen Gewerkschaft ver.di gegenwärtig aufgenommen und umgesetzt wird.
  • Im "Fazit" stellen Silke Bothfeld und Sigrid Gronbach Gender Mainstreaming "vom Kopf auf die Füße" (S. 231ff.). Sie fassen die einzelnen Beiträge, in denen differenziert die bisherigen Möglichkeiten und Grenzen von Gender Mainstreaming als gleichstellungspolitischer Strategie erörtert sind, zusammen und übertragen für Gender Mainstreaming Ansätze des "politischen Lernens" auf das Lernen von Organisationen, um so die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern.
  • Fazit

    Für mich ist es den drei Herausgeberinnen mit der Zusammenstellung ihres Sammelbandes gelungen, sowohl den gegenwärtigen Diskurs als auch die aktuellen Entwicklungsprozesse zu Gender Mainstreaming in allen wesentlichen Facetten positiver und auch kritisch stimmender Erfahrungen wiederzugeben. Die Beiträge ermöglichen authentische Einblicke in die jeweiligen Politikbereiche und füllen Gender Mainstreaming, obwohl der "Begriff durch seine Sperrigkeit und Fremdheit" (S. 7) erstaunt, mit Leben. Auch Leserinnen und Leser, für die bisher diese politische Strategie noch unbekannt oder wenig geläufig ist, werden durch diesen Sammelband eine gute Einführung und einen differenzierten Überblick bekommen. Vor allem wird in den einzelnen Beiträgen deutlich, wie die Geschlechterblindheit in der Politik aufgegeben werden kann und wie das zu veränderten Entscheidungen führen kann, so dass die Gleichstellung von Frauen und Männern gezielt gefördert wird, indem "die Beachtung der unterschiedlichen Geschlechterperspektiven wirklich zur Handlungsroutine von Politik und Verwaltung gehört" (S. 105). Mit Birgit Schweikert (ebd.) ist zu hoffen, dass der Prozess bis zur vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern nicht noch 932 Jahre dauern wird, so wie es die International Labour Organisation in Genf im Jahre 2000 berechnet hat.


    Rezensentin
    Prof. Dr. Ruth Enggruber
    Fachhochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
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    Zitiervorschlag
    Ruth Enggruber. Rezension vom 08.10.2002 zu: Silke Bothfeld, Sigrid Gronbach, Barbara Riedmüller (Hrsg.): Gender Mainstreaming. Campus Verlag (Frankfurt) 2002. 280 Seiten. ISBN 978-3-593-37038-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/365.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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