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Waldemar von Suchodoletz (Hrsg.): Früherkennung von Entwicklungsstörungen

Cover Waldemar von Suchodoletz (Hrsg.): Früherkennung von Entwicklungsstörungen. Frühdiagnostik bei motorischen, kognitiven, sensorischen, emotionalen und sozialen Entwicklungsauffälligkeiten. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2005. 286 Seiten. ISBN 978-3-8017-1877-0. 34,95 EUR, CH: 59,90 sFr.

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Zum Thema

Obwohl in manchen Regionen fast jedes zweite Kind irgendeine Form von Frühförderung erhält, fällt bei Einschulungsuntersuchungen auf, dass viele Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten durch die Vorsorgeuntersuchungen nicht erfasst wurden und nicht immer eine spezifische Förderung eingeleitet wurde. Andererseits werden Kinder in Frühförderprogramme integriert, deren Entwicklung innerhalb der normalen Streubreite verläuft. Notwendig ist also eine höhere Treffsicherheit von Früherkennungsmaßnahmen. Ziel des Buches ist es deshalb, eine Verbesserung der Früherkennung von Entwicklungsstörungen zu erreichen. Es geht dabei nicht darum, eine endgültige Diagnose zu stellen, sondern entwicklungsgefährdete Kinder zu identifizieren und gezielte therapeutische Interventionen einzuleiten.

Aufbau und Inhalte

In seinem einführenden Kapitel referiert Waldemar v. Suchodoletz über Chancen und Risiken von Früherkennung. Er beklagt die mangelnde Effektivität der ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. Rechtzeitiges Erkennen von Entwicklungsstörungen ermöglicht es, eine Frühförderung in der Phase mit den größten Kompensationspotenzen zu beginnen, und hilft dadurch sekundäre Fehlentwicklungen zu vermeiden. Früherkennungsprogramme enthalten jedoch auch Risiken: Eltern können unnötig verunsichert werden, wenn die Kinder fälschlicherweise der Gruppe der Risikokinder zugeordnet werden, es kann zu Stigmatisierungen führen und ungünstige Familieninteraktionen verstärken. Deshalb ist von diagnostischen Verfahren eine hohe Sensitivität (Kinder mit Entwicklungsrisiken werden erkannt) sowie eine hohe Spezifität (unauffällig entwickelte Kinder werden nicht fälschlicherweise den Risikokindern zugeordnet) zu fordern.

In elf Beiträgen werden von namhaften Fachleuten die diagnostischen Möglichkeiten zur Früherkennung folgender Störungsbilder beschrieben und diskutiert:

  1. Bindungsstörungen als frühe Marker für emotionale Störungen (Karl Heinz Brisch, Dr. von Hauner„sches Kinderspital, Ludwig-Maximilians-Universität München)
  2. Motorische Entwicklungsstörungen (Waldemar v. Suchodoletz, Institut für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-Universität München)
  3. Autistische Störungen (Michèle Noterdaeme, Heckscher-Klinik, München)
  4. Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörungen (Frank Häßler und Olaf Reis, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie, Universität Rostock)
  5. Aggressiv-dissoziales Verhalten (Franz Petermann und Ute Koglin, Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen)
  6. Intelligenzstörungen (Klaus Sarimski, Sozialpädiatrisches Zentrum und Fachklinik für Sozialpädiatrie und Entwicklungsrehabilitation, Kinderzentrum München)
  7. Sprachentwicklungsstörungen (Steffi Sachse, Institut für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-Universität München)
  8. Lese-Rechtschreibstörungen (Waldemar v. Suchodoletz, Institut für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-Universität München)
  9. Rechenstörungen(Wolfgang Schneider und Kristin Krajewski, Institut für Psychologie, Universität Würzburg)
  10. Hörstörungen (Petra Zwirner, Institut für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universität Witten/Herdecke)
  11. Sehstörungen (Oliver Ehrt, Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München)

In den einzelnen Beiträgen werden jeweils die Charakteristiken und Kennzeichen der Störung dargestellt, Entwicklungsmeilensteine und "essentielle Grenzsteine" der Normalentwicklung sowie Frühsymptome und Risikofaktoren für eine Fehlentwicklung benannt und Methoden der Diagnostik (Tests, Beobachtungsverfahren, Fragebögen, etc.) beschrieben und bewertet. Abschließend werden dann jeweils Leitlinien zur Früherkennung formuliert.

Zielgruppen

Das Buch wendet sich an alle Personen, die diagnostisch, therapeutisch oder pädagogisch mit (potentiell) entwicklungsauffälligen Kindern arbeiten, vor allem mit Kindern im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter.

Fazit

Das Buch gibt einen guten Überblick über diagnostische Möglichkeiten zur Früherkennung von Entwicklungsstörungen, vor allem bei Kindern im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter. Der Leser erfährt auf dem neuesten Stand, welche Instrumente die eigene Profession, aber auch jeweils andere benachbarte Berufsgruppen zur Früherkennung zur Verfügung haben, und welche Risikofaktoren und Frühsymptome jeweils zu beachten sind. Die einzelnen Beiträge sind informativ und bereiten das Thema meist in ausreichendem, aber auch nicht zu ausführlichem Umfang auf. Lediglich der Beitrag über Sprachentwicklungsstörungen fällt etwas aus der Reihe: mit ermüdend vielen Tabellen und Abbildungen werden zu detailliert eigene Forschungsergebnisse berichtet.



Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Betreuungszentrum Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 23.05.2006 zu: Waldemar von Suchodoletz (Hrsg.): Früherkennung von Entwicklungsstörungen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2005. 286 Seiten. ISBN 978-3-8017-1877-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3658.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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