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Harald Stefan, Josef Eberl u.a.: Praxishandbuch Pflegeprozess - lernen - verstehen - anwenden

Cover Harald Stefan, Josef Eberl, Kurt Schalek, Hubert Streif, Harald Pointner: Praxishandbuch Pflegeprozess - lernen - verstehen - anwenden. Springer-Verlag (Berlin, Heidelberg, New York, Hongkong, London, Mailand, Paris, Tokio, Wien) 2006. 333 Seiten. ISBN 978-3-211-23582-9. 39,90 EUR.

Mit CD-ROM. Systemvoraussetzungen der CD-ROM-Beil.: PC mit 200 MHz Pentium Prozessor oder schneller; 64 MB Arbeitsspeicher oder mehr; 10-fach CD-ROM-Laufwerk oder schneller; Bildschirmauflösung mindestens 800 x 600 Pixel (WWW-Mindeststandard) WIN 98 SE, Me, 2000 oder XP; Microsoft Word 97 oder höher (Microsoft Word 2000 empfohlen); Microsoft Powerpoint 97 oder höher (Microsoft Powerpoint 2000 empfohlen).
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Einführung und Hintergrund

Diese Publikation führt grundlegend in den Gegenstand des Pflegeprozesses als das zentrale Instrument fachlichen pflegerischen Handelns ein. Somit handelt es sich um ein Grundlagenwerk, das konstruktiv in Pflegefachausbildungen berücksichtigt werden könnte. Im Unterschied zu ähnlichen Publikationen (vgl. u. a. Brobst et al., 1999; Kruijswijk Jansen/ Mostert, 1997) ist der Fokus auf den Anfänger in der Pflege bzw. auf den lernenden Pflegepraktiker sowie auf den Pflegepädagogen in der grundständigen Ausbildung gerichtet. Des Weiteren finden sich weitere wichtige Hinweise zu Themenbereichen wie EDV im Pflegeprozess, die durchaus auch für Pflegemanager von Bedeutung sind, auch wenn sie durch weitere Fachliteratur Ergänzung finden sollten. Einige der Autoren haben bereits in der Vergangenheit wichtige Publikationen zur Pflegediagnostik verfasst, die im deutschen Sprachraum als Standardwerke anzusehen sind. Es handelt es sich um eine Publikation aus Österreich. Sie wird durch eine CD-ROM mit weiteren Materialien ergänzt.

Aufbau und Gestaltung der Publikation

Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert, die einem systematischen Aufbau folgen und insgesamt 333 Textseiten enthalten. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit vorangestellten Lernzielen, einer Inhaltsübersicht und Kernaussagen. Diese Struktur ermöglicht eine schnelle Orientierung über den Inhalt und den Aufbau des jeweiligen Kapitels. Es erfolgen Angaben über die verwendete und weiterführende Literatur zur Vertiefungsmöglichkeit am Ende des Abschnitts, jedoch eher selten im Text. Der Text ist didaktisch ansprechend durch Grafiken, Zwischenüberschriften und fett gedruckte Zusammenfassungen aufbereitet. Zudem wird der/ die LeserIn im Rahmen von Aufgabenstellungen und Denkanstöße zur eigenen Reflexion angeregt.

Inhalt und Einschätzung

  • Das Buch beginnt in den ersten beiden Kapiteln mit einem recht breiten Einstieg in den ersten beiden Kapiteln, die u. a. die Rahmenbedingungen, Spezifika des Pflegeberufs vor dem Hintergrund dessen historischer Entwicklung und Notwendigkeit professionellen pflegerischen Handelns im Rahmen des Pflegeprozesses verdeutlichen. Leider wird die einbezogene Literatur im Text nicht immer kenntlich gemacht, was sicherlich dem Anspruch der Publikation als praktische Einführung geschuldet ist. Zudem werden an einigen Stellen Bezüge zu Internetquellen zur Vertiefung hergestellt. Eine wichtige Grundlage bietet auch das zweite Kapitel, das den Gegenstandsbereich fachliche Pflege sowie die Systematik des Pflegeprozesses sachlich richtig und in eingängiger Weise vermittelt. Die weiteren Kapitel orientieren sich an den Schritten des Pflegeprozesses. An dieser Stelle bleibt zu bemerken, dass ein kurzer Hinweis auf die unterschiedlichen Varianten des Pflegeprozesses auch vor dem Hintergrund unterschiedlicher pflegetheoretischer Positionen hätte eingebunden werden können.
  • Das Thema Pflegeassessment wird fachlich korrekt und mit zahlreichen Praxisbeispielen vermittelt, die sehr wertvoll zur Ergänzung der theoretischen Ausführungen sind. Auch die Angaben zur Gestaltung des Pflegeassessmentgesprächs sind sehr hilfreich und können unmittelbar in der klinischen Pflege Verwendung finden. So werden zahlreiche Hinweise zur Gestaltung mit Fragebeispielen angeführt. Der von den Autoren entwickelte und an Orem/Nanda angelehnte pflegediagnosenorientierte Anamnesebogen ist bereits seit einigen Jahren bekannt und kann meiner Einschätzung nach als konstruktives Instrument zur Gestaltung des Assessments in der klinischen Pflege einbezogen werden. Hier ist vor allem die systematische Trennung zwischen Daten und deren Interpretation hervorzuheben. Sehr gut ist die darauf bezugnehmende Erläuterung Orems Selbstpflegeerfordernisbereiche, die in der Ausbildung durch ein Pflegelehrbuch ergänzt werden sollten.
  • Auch das Thema Pflegediagnostik wird recht gut aufbereitet und durch Praxiserfahrungen der Autoren ergänzt, was gerade für Anfänger wertvoll ist. Auch werden Anregungen zur Pflegepädagogik in einer leicht verständlichen Sprache gegeben.
  • In die Pflegeplanung wird ebenfalls gut eingeführt, obgleich an einigen Stellen eher ältere Literatur und dies recht selektiv einbezogen wird. Dies betrifft vor allem das Thema Pflegestandards. Das Kapitel Durchführung hätte um Erkenntnisse zum Situativen Handeln in der Pflege und zum Vorgang des Situationsverstehens ergänzt werden können (u. a. Bräutigam, 2003; Böhle, 1999, Elsbernd, 2000), obgleich es zur Einführung gut geeignet und verständlich verfasst ist. Recht gelungen sind die vielen Beispiele zum klinischen Dokumentieren, an denen Lernende und Lehrende sich orientieren können.
  • Das Thema Evaluation ist einerseits interessant dargestellt, weist andererseits kleinere Unschärfen und einige Lücken auf. Schließlich werden Grundlagen in Bezug auf EDV in der Pflege dargelegt, die für eine erste Orientierung geeignet sind. Auch hier sind wiederum die Erfahrungen in der Umsetzung gelungen. Zur Abrundung werden Produktbeispiele gegeben. Somit handelt es sich insgesamt um eine gute Einführung in den Themenbereich, der mit einigen Abbildungen bzw. Screenshots gut aufbereitet ist. Im Anhang der Publikation finden sich in Form einer klinisch relevanten Auswahl wichtiger Instrumente Klassifikationen und Skalen.
  • Die dem Buch beigefügte CD-ROM enthält u. a. eine hilfreiche Präsentation zur Unterrichtung des Pflegeprozesses mit 133 Folien. Außerdem sind zahlreiche Praxisbeispiele zur Umsetzung des Pflegeprozesses, Skalen/ Indizes und Formulare zur Abbildung des Pflegeprozesses/ Pflegedokumentation enthalten.

Fazit

Diese Publikation ist als gelungene Einführung in den Themenbereich Pflegeprozess zu werten. Dabei geht es den Autoren weniger um eine wissenschaftliche Betrachtung des Gegenstandes, als mehr um eine an den Pflegepraktiker gerichtete Einführung ins Thema. Sie besticht durch eine gut verständliche Sprache, wobei es die Autoren dennoch verstehen, zentrale fachliche Sachverhalte in der gebotenen Tiefe zu vermitteln. In Ergänzung mit der in ihr enthaltenen CD-ROM findet sich umfangreiches Material, welches in die Pflegepraxis eingebracht werden kann. Kleinere Unschärfen und Lücken können den insgesamt recht guten Eindruck des Buches nicht schmälern. Ich kann diese Publikation gut für die Ausbildung in der Pflege und für Pflegepraktiker empfehlen.


Rezensent
Prof. Dr. Michael Schilder
Professor für klinische Pflegewissenschaft an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt
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Zitiervorschlag
Michael Schilder. Rezension vom 12.09.2006 zu: Harald Stefan, Josef Eberl, Kurt Schalek, Hubert Streif, Harald Pointner: Praxishandbuch Pflegeprozess - lernen - verstehen - anwenden. Springer-Verlag (Berlin, Heidelberg, New York, Hongkong, London, Mailand, Paris, Tokio, Wien) 2006. ISBN 978-3-211-23582-9. Mit CD-ROM. Systemvoraussetzungen der CD-ROM-Beil.: PC mit 200 MHz Pentium Prozessor oder schneller; 64 MB Arbeitsspeicher oder mehr; 10-fach CD-ROM-Laufwerk oder schneller; Bildschirmauflösung mindestens 800 x 600 Pixel (WWW-Mindeststandard) WIN 98 SE, Me, 2000 oder XP; Microsoft Word 97 oder höher (Microsoft Word 2000 empfohlen); Microsoft Powerpoint 97 oder höher (Microsoft Powerpoint 2000 empfohlen). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3736.php, Datum des Zugriffs 27.08.2016.


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