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Joint Committee on Standards for Educational Evaluation, James R. Sanders (Hrsg.): Handbuch der Evaluationsstandards

Cover Joint Committee on Standards for Educational Evaluation, James R. Sanders (Hrsg.): Handbuch der Evaluationsstandards. Die Standards des "Joint Committee on Standards for Educational Evaluation". VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2006. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. 362 Seiten. ISBN 978-3-531-14672-0. 44,90 EUR.

Übersetzt und für die deutsche Ausgabe erweitert von Wolfgang Beywl und Thomas Widmer.
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Einführung in die Thematik

Die amerikanischen Standards sind das Referenzwerk der Evaluationstheorie und -praxis. Sie vermitteln auf strukturierte Art, wie sich die Evaluation von sozialen und Bildungsprojekten auf hohem Niveau realisieren lässt und woran man kostengünstige und methodisch korrekte Evaluationsprojekte erkennt.

Zielgruppen

Das Buch eignet sich als Arbeits- und Planungshilfe für Evaluatoren sowie als Lehrbuch in deren Aus- und Weiterbildung. Darüber hinaus richtet es sich ausdrücklich auch an die Auftraggeber von Evaluationsprojekten sowie an die interessierte Öffentlichkeit und Vertreter der Bildungspolitik. Es kann auch in anderen Bereichen als dem Bildungssektor eingesetzt werden.

Entstehungshintergrund

Der grundlegende Teil des Bandes ist die Übersetzung der amerikanischen "evaluation standards", die vom JCS (Joint Committee on Standards in Educational Evaluation; www.wmich.edu/evalctr/jc/) unter der Leitung von James R. Sanders, der der Vereinigung bis 1998 vorstand, herausgegeben werden. Der Übersetzer und Coautor Wolfgang Beywl ist wissenschaftlicher Leiter des Evaluationsinstituts Univation in Köln (www.univation.org) und des Weiterbildungsstudiengangs Evaluation an der Universität Bern (www.evaluationsstudium.ch); sein Kollege Thomas Widmer ist Bereichsleiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich (www.ipz.unizh.ch).

Aufbau

Der Band gliedert sich in zwei Teile. Teil A besteht aus der genannten Übersetzung, Teil B geht in mehreren Autorenbeiträgen der Frage nach, inwieweit sich die Standards auf andere Interventionsbereiche als auf den Bildungs- und Erziehungssektor sowie in anderen Ländern als in Amerika einsetzen lassen. Das Werk wird durch ein sorgfältig konzipiertes deutsch-englisches Glossar ergänzt.

Ziele und Inhalte

Die insgesamt 30 Standards haben zum Ziel, die Qualität und Fairness der Evaluation als Dienstleistung zu erhöhen, indem sie für eine zielgerichtete, professionelle Durchführung Anleitung geben. Für alle Phasen des Evaluationsprozesses (Entscheidung über die Durchführung einer Evaluation, Problemdefinition, Planung, Informationsgewinnung und -auswertung, Berichterstattung, Budgetierung, Vertragsabschluss, Evaluationsmanagent, Personalausstattung und Entwicklung einer Evaluationspolitik) werden detaillierte Mindestanforderungen beschrieben. Sie sind nach vier zentralen Bewertungsdimensionen geordnet:

  1. Nützlichkeit,
  2. Durchführbarkeit,
  3. Korrektheit und
  4. Genauigkeit.

Jeder Standard wird ausführlich durch praktische Beispiele aus Schule, Hochschule, betrieblicher Weiterbildung und sozialer Arbeit illustriert. Auch in den Anwendungsbeispielen werden alle Phasen des Evaluationsprozesses detailliert diskutiert, wobei ein besonderes Augenmerk auf der Vorbereitungsphase (Machbarkeit, Vertragsschließung, Budgetplanung etc.) liegt, also jener Phase, die grundlegend für den Erfolg einer Maßnahme ist und lange nicht genügend Aufmerksamkeit erhielt. Einen besonderen Praxisbezug stellt auch die jedem Standard angeschlossene Rubrik "Häufige Fehler" dar, die z.B. auf immer wieder auftretende Interaktionsprobleme zwischen den Beteiligten eingeht. Evaluatoren, die überprüfen wollen, ob sie alle Qualitätskriterien berücksichtigt haben, steht eine Checkliste zur Verfügung.

Der zweite Teil hat das Ziel, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Standards herauszustelllen. Dies geschieht namentlich mit den Kurzfassungen der Standards der Schweizerischen sowie der Deutschen Gesellschaft für Evaluation (www.seval.ch, www.degeval.de) in tabellarischer Form (neu in der dritten Auflage). Ebenfalls neu ist die Gegenüberstellung zweier in den USA und in Deutschland unabhängig voneinander entwickelten Anforderungsprofile für die Aus- und Weiterbildung in Evaluation ("Essential Competencies for Program Evaluators" - ECPE und "Empfehlungen zur Aus- und Aus- und Weiterbildung in Evaluation" - EAWE), für die die Übersetzer und Autoren auch Vorschläge zur Weiterentwicklung machen.

Diskussion

Die Evaluation von Interventionsmaßnahmen hat sich auch im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren zunehmend etabliert und professionalisiert. Auch die Einsicht in die Notwendigkeit von Qualitätsstandards setzt sich mehr und mehr durch. Die vorgestellten Evaluationsanforderungen stellen somit nicht nur vereinzelte Praxishilfen dar, sondern belegen eine grundlegende Arbeitsphilosophie, der sich auch hierzulande niemand mehr entziehen kann.

Sowohl die amerikanischen Standards selbst als auch die Vorgaben für die Aus- und Weiterbildung gelten als auf europäische, d.h. auf Länder mit demokratischen Verhältnissen übertragbar. Dass aus Praktikabilitätsgründen dennoch nicht alle formulierten Anforderungen jederzeit und überall umsetzbar sind, versteht sich von selbst. Hier ist das Augenmaß der Evaluatoren gefragt, die in der jeweiligen Situation Entscheidungen treffen müssen, welchen Stellenwert auftretende Probleme bei der Qualitätssicherung haben.

Fazit

Das Handbuch der Evaluationsstandards ist ein wissenschaftlich genaues, in erfreulich allgemeinverständlicher Sprache gehaltenes Grundlagenwerk, das großen Wert auf die Verbindung zwischen Theorie und Praxis legt und diesem Anspruch auch gerecht wird. Es spricht eine weit gestreute Zielgruppe an und eignet sich auf Grund seiner hohen Strukturiertheit und seiner Arbeitshilfen gleichermaßen als Lehrbuch, Nachschlagewerk und Praxishilfe.


Rezensentin
Dr. Martina Michaelis
FFAS – Freiburger Forschungsstelle Arbeits- und Sozialmedizin
Homepage www.ffas.de
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Zitiervorschlag
Martina Michaelis. Rezension vom 01.08.2006 zu: Joint Committee on Standards for Educational Evaluation, James R. Sanders (Hrsg.): Handbuch der Evaluationsstandards. Die Standards des "Joint Committee on Standards for Educational Evaluation". VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2006. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-531-14672-0. Übersetzt und für die deutsche Ausgabe erweitert von Wolfgang Beywl und Thomas Widmer. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3849.php, Datum des Zugriffs 25.08.2016.


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