Johann Bischoff, Bettina Brandi (Hrsg.): Kulturpädagogik. Berufsbild, Qualifikationsansprüche und Positionen
Johann Bischoff, Bettina Brandi (Hrsg.): Kulturpädagogik. Berufsbild, Qualifikationsansprüche und Positionen. Shaker Verlag (Aachen) 2005. 2005 Seiten. ISBN 978-3-8322-3973-2. 39,80 EUR.
Reihe Merseburger Medienpädagogische Schriften, Band 2. Mit Beiträgen von <i>Johann Bischoff, Bettina Brandi, Matthias Ehrsam, Alfred Georg Frei, Hardy Geyer, Rolf Gloel, Frank Hofmann/Andrea Janssen, Axel Köhler, Kai Köhler-Terz, Karl-Heinz Mintken, Maria Nühlen, Claudia Raab, Tim Schlegelmilch, Christian Siegel, Frank Venske, Peter Vermeulen, Harmut Wenzel, Wolfgang Zacharias.</i>.
Das Thema
Nach dem ersten Band der Merseburger Medienpädagogischen Schriften über die Künstlerisch-technische Grundlagenvermittlung für die Ausbildung im Bereich der angewandten Kultur-, Medien- und Sozialpädagogik[1] behandelt der zweite Band die Entwicklung der Kulturpädagogik und die aktuelle Situation innerhalb dieses Fachgebietes sowohl im Bereich der Ausbildung als auch in Bezug auf das Berufsbild. Die umfassende Darstellung über die Frage "Was ist Kulturpädagogik?" ist angesichts dieses recht neuen und zum Teil unübersichtlichen Fachgebietes ein wichtiges und m.E. längst überfälliges Anliegen. Wie es in der Einleitung heißt, stellt sich angesichts einer beschleunigten Entwicklung durch Globalisierung und technischen Fortschritt, durch die Verschmelzung der Kulturen und die Veränderungen in den Persönlichkeitsstrukturen immer mehr die Frage nach Wegen der persönlichen Orientierung und Positionierung des Einzelnen in Bezug auf sein Leben im Zusammenhang mit diesen Phänomenen. Tradierte Hilfsmittel, die noch vor 20 Jahren als Maßstab galten, stehen angesichts der veränderten sozialen und ökonomischen Wirklichkeit und der Geschwindigkeit ihrer Veränderungen einer Entscheidungsfindung eher im Wege, als hilfreich zu sein. Vor diesem Hintergrund fällt denen, die Kultur vermitteln wollen, die Aufgabe zu, die künstlerischen und kulturellen Gestaltungs- und Äußerungsformen in einem Kontext zu vermitteln, der es den Teilnehmern ermöglicht, sich individuell durch die Kultur mit der Gesellschaft zu identifizieren. Zur Bewältigung dieser Aufgabe bedarf es einer neuen Berufsgruppe, die mit dem Überbegriff Kulturvermittler bezeichnet wird. Während sich die Kulturwissenschaften dem Topos Kultur auf theoretischer Ebene nähern, versteht die Kulturpädagogik Kultur als Praxisfeld. Die Herausgeber[2] untersuchen zusammen mit ihren Fachkollegen wie auch im interdisziplinären Bezug die Anforderungen des Arbeitsmarktes an das Berufsbild des Kulturpädagogen und die fachliche Ausbildungssituation aus der Sicht der jeweiligen Fachgebiete.
Aufbau und Inhalt
Das umfangreiche Buch ist in acht Kapitel gegliedert, die von unterschiedlichen Autoren aus den Fachgebieten Erziehungswissenschaften, Psychologie, Europastudien, Geschichte, Politikwissenschaften, Kulturmanagement, Kulturwissenschaften Philosophie, Musik-, Theater- und Medienpädagogik, Schulpädagogik und Kulturpädagogik verfasst sind.
- Im ersten Kapitel werden kulturwissenschaftliche und kulturpädagogische Ansätze in ihrer geschichtlichen Entwicklung vorgestellt, die sich in erster Linie durch ihre unterschiedlichen Sphären unterscheiden:
- Das zweite Kapitel untersucht die kulturpädagogischen Handlungs- und Arbeitsfelder, die sich auf den individuellen Menschen, auf spezifische Zielgruppen oder auf Institutionen beziehen. Es wird festgestellt, dass der Leistungskatalog des Berufsbildes sehr weit gefächert und der angehende Kulturpädagoge aufgefordert ist, das Profil seiner Berufsausübung selbst zu bestimmen.
- Am Beispiel ausgewählter Hochschulen werden im 3. bis 5. Kapitel die Lehrangebote der Hochschulen und die Anforderungsmerkmale des Arbeitsmarktes anhand von Stellenausschreibungen untersucht.
- Das 6. Kapitel stellt die Grundpositionen und theoretischen Herangehensweisen bei der Vermittlung von Lehrinhalten aus der Sicht der Hochschullehrer vor und umfasst die Bereiche Ästhetische Kommunikation, Medien-, Theater-, Musik und Spielpädagogik wie auch Kulturpolitik, Kulturphilosophie und Kultursozialarbeit.
- Zur Thematik "Kulturelle Bildung" werden im 7. Kapitel Praxisprojekte in der Hochschulausbildung vorgestellt, in denen die Studierenden auf der Grundlage des exemplarischen Lernens ihre theoretischen Kenntnisse und medienpraktischen Fertigkeiten im Praxisfeld anwenden und pädagogische Erfahrungen machen können.
- Im Resümee wird festgehalten, dass die Vielfalt der theoretischen Bezugsdisziplinen und der künstlerischen Techniken und Vermittlungsformen eine Profilbildung der Kulturpädagogik erschweren und die Systematisierung der Lehre in Abstimmung auf die beruflichen Anforderungen weiter entwickelt werden muss. Vor dem Hintergrund des notwendig breiten Lehrangebotes und der eingangs beschriebenen allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung sollte bei der Ausbildung aller kulturvermittelnden Berufsbilder die Erhaltung und Förderung der Entscheidungskompetenz der Auszubildenden und Studierenden sowohl in kultureller als auch individueller Hinsicht Beachtung finden. Die Herausgeber stellen weiter fest, dass zum Vorweisen einer gewissen Professionalität die Wissenschaft allein nicht genügt. Lebenserfahrung sowie Wissen in der Praxis seien notwendig, um diesem komplexen Berufsbild gerecht zu werden. Möglicherweise weist die Neustrukturierung der Studiengänge in den eher praxisorientierten Bachelorstudiengängen und dem eher theoriegeleiteten Master einen Lösungsweg auf für die von einigen Fachleuten bevorzugte Eigenständigkeit von Theorie und Praxis im Ausbildungsgang Kulturpädagogik.
Zielgruppe
Die Veröffentlichung richtet sich an Studierende im sozialen, kulturellen, medienwissenschaftlichen und -pädagogischen Bereich sowie an Multiplikatoren der Kultur- und Sozialpädagogik und an Einrichtungen, die in den genannten Bereichen Arbeitsplätze anbieten können.
Fazit
Die einzelnen Beiträge sind in ihrem Bezug aufeinander sachlogisch angeordnet und gut strukturiert. Sie vermitteln ein breites Spektrum dessen, was unter Kulturpädagogik in Theorie und Praxis subsumiert werden kann. Nicht nur für Kulturpädagogen im engeren Sinne, für deren Berufsbild die Beiträge des Bandes vielfältiges Material liefern, sondern auch für Studierende und Lehrende anderweitiger sozialpädagogischer Arbeitsfeldern ist dieser Band eine informative und empfehlenswerte "Fundgrube", in der sich Argumentationen einer notwendigen Integration kulturpädagogischer Aspekte in das disziplinäre und professionelle Profil Sozialer Arbeit finden lassen.
[1] Bischoff, J./Brandi, B. (Hrsg.), Künstlerisch-technische Grundlagenvermittlung für die Ausbildung im Bereich der angewandten Kultur-, Medien- und Sozialpädagogik, Aachen 2006²
[2] Beide sind Professoren an der Hochschule Merseburg (FH) im Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur in den Lehrgebieten Medienwissenschaft und Angewandte Ästhetik (J. Bischoff) sowie Theater- und Medienpädagogik (B. Brandi)
Rezensentin
Prof. Dr. phil Marianne Schmidt-Grunert
Professorin für Theorie und Methoden der Sozialen Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaft Hamburg, Fakultät Soziale Arbeit und Pflege;
mit den Schwerpunkten Soziale Arbeit mit Gruppen, dem Studienschwerpunkt Kultur-Bildung-Medien, Sozialarbeitswissenschaft; empirische qualitative Forschungsmethoden der Sozialarbeitswissenschaft.
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Zitiervorschlag
Marianne Schmidt-Grunert. Rezension vom 18.07.2006 zu: Johann Bischoff, Bettina Brandi (Hrsg.): Kulturpädagogik. Berufsbild, Qualifikationsansprüche und Positionen. Shaker Verlag (Aachen) 2005. 2005 Seiten. ISBN 978-3-8322-3973-2. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/3965.php, Datum des Zugriffs 09.02.2010.
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