Carmen Klement: Von der Laienarbeit zur Profession? (ambulante Altenpflege)
Carmen Klement: Von der Laienarbeit zur Profession? Zum Handeln und Selbstverständnis beruflicher Akteure in der ambulanten Altenpflege. Verlag Barbara Budrich (Opladen; Farmington Hills, MI) 2006. 286 Seiten. ISBN 978-3-938094-91-4. 28,00 EUR.
Zur Autorin
Dr. rer. pol. Carmen Klement ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Universität der Bundeswehr München. Für das zu besprechende Buch wurde sie mit dem Dissertationspreis "Promotion" 2005/2006 des Verlages Barbara Budrich ausgezeichnet.
Zur Thematik des Buches
Bislang wurde das ambulante Handlungsfeld der Pflege nicht systematisch untersucht.
Carmen Klement hat diese Organisationsform gesellschaftlicher Arbeit, die momentan einem starken Wandel unterliegt, empirisch analysiert. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, inwieweit ambulant tätige Altenpflegefachkräfte durch ihr berufliches Handeln die gesellschaftliche Stellung ihres Berufs verbessern können. Da der Beruf der Altenpflegerin, wie andere soziale Dienstleistungsberufe auch, als typischer Frauenberuf ein geringes Prestige aufweist und schlecht bezahlt ist, wäre ein gesellschaftlicher Aufstieg des Berufsansehens sehr wünschenswert.
Aufbau und Inhalt
- Kapitel 1 skizziert einleitend die Grundproblematik und stellt das Ziel des Buches sowie den Aufbau der Arbeit dar.
- Das zweite
Kapitel bildet den theoretischen Rahmen
und setzt sich mit den Begriffen Arbeit, Beruf und Profession und ihrer
gesellschaftlichen Bedeutung auseinander. Da es sich bei der Altenpflege um
einen traditionellen Frauenberuf handelt, wird auch eine Betrachtung der
Kategorie Geschlecht vorgenommen.
Aus beiden Teilen werden dann in Punkt 2.3.3 die forschungsleitenden Fragen entwickelt, die als Grundlage der empirischen Auswertung dienen. - Im dritten Kapitel erfolgt die Darstellung und Begründung
des für die qualitative Studie gewählten methodischen Vorgehens.
Die empirische Untersuchung der Handlungen und Deutungsmuster examinierter ambulant tätiger Altenpflegekräfte basiert auf der Befragung von 20 examinierten ambulant tätigen Fachkräften. Die Interviews wurden inhaltsanalytisch ausgewertet und einer ergänzenden quantitativen Vertiefung unterzogen. - Das vierte Kapitel stellt die Ergebnisse der empirischen
Studie vor, wobei im ersten Teil auf den
Stellenwert ambulanter Altenpflegetätigkeiten (Pflegetätigkeiten,
Hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Gefühlsarbeit, Sterbebegleitung, Verwaltungs-
und Beratungstätigkeiten) und auf das berufliche Selbstverständnis der
Altenpflegekräfte eingegangen wird.
Daraus werden im zweiten Teil sechs Beruflichkeitstypen extrahiert, die Carmen Klement in "Alltagspraktische", "Verberuflichte", "Professionalisierte" sowie "verberuflicht Handelnde" und "sich alltagspraktisch verstehende Altenpflegekräfte" differenziert
In der Zusammenfassung dieses Kapitels geht die Autorin näher auf die Probleme der Profilbildung der Altenpflege ein. - Das fünfte und letzte Kapitel befasst sich mit der Frage, welche Entwicklungsperspektiven sich auf der Basis der empirischen Ergebnisse für die Altenpflege ergeben. Außerdem geht Klement in diesem Kapitel auch der Frage nach, welche Auswirkungen die Untersuchung auf die Berufsforschung im Allgemeinen hat und welche weiterführenden Forschungsperspektiven sich eröffnen.
Zielgruppe des Buches
Die Autorin selbst benennt keine Zielgruppe. Aus pflegewissenschaftlicher Sicht ist dieses Buch als wissenschaftliches Werk eher für Personen geeignet, die sich auf der Metaebene mit Pflege und Pflegewissenschaft beschäftigen.
Das heißt, Altenpflegekräfte können meiner Meinung nach keinen großen Nutzen aus der Lektüre dieses Buches ziehen, obwohl es aus der Evaluierung der Beruflichkeit von Altenpflegekräften in den ambulanten Diensten besteht. Vermutlich besitzt das Werk für diese Personengruppe zu wenig Aussagekraft und ist zu abstrakt geschrieben.
Für Mitarbeiter der Führungsebene hingegen könnte der Beitrag dieses Buches durchaus nützlich sein, insbesondere dann, wenn sie sich für den ambulanten Pflegebereich interessieren.
Kritische Würdigung
Das Werk "Von der Laienarbeit zur Profession" liest sich durch die Verwendung einer gut verständlichen, niveauvollen Sprache sehr flüssig und gut. Der Textfluss ist ruhig und übersichtlich gestaltet. In den ersten Kapiteln wäre eine kurze Zusammenfassung des Wesentlichen am Ende des jeweiligen Kapitels wünschenswert gewesen- dies erfolgt erst ab Kapitel vier, in dem die Ergebnisse der empirischen Studie beschrieben werden.
Auch ein Stichwortverzeichnis wäre eine angenehme Ergänzung gewesen.
Bereits in der Einleitung gibt die Autorin klare Hinweise auf den Aufbau und das Ziel ihres Buches, ebenso wie sie den grundlegenden Umstand für die von ihr vorgenommene empirische Untersuchung beschreibt.
Sehr positiv zu werten ist auch das umfangreiche, klar und übersichtlich gegliederte Inhaltsverzeichnis.
Fazit
Die alternde Gesellschaft steht vor der Frage, wie sie eine würdige Versorgung und Pflege der steigenden Zahl alternder und pflegebedürftiger Menschen sicherstellen kann. Aus diesem Umstand heraus kommt dem Thema, mit dem sich Carmen Klement in ihrer Dissertation befasst, eine hohe gesellschaftliche Relevanz zu.
Ziel des beschriebenen Buches ist es, die Einflussmöglichkeiten der ausgebildeten, ambulant tätigen Altenpflegekräfte auf den Wandel ihres Berufs empirisch nachzuzeichnen. Meiner Meinung nach stellt dieses Buch einen sehr wichtigen Beitrag zur Charakterisierung der Entwicklung des Altenpflegeberufs dar, und liefert zudem noch Hinweise für eine gezielte Profilbildung des Berufes.
Rezensentin
Dipl. Pflegemanagerin Veronika Schneider
Geschäftsführerin bei der LandesSeniorenVertretung Bayern (LSVB
Homepage www.lsvb.info
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Zitiervorschlag
Veronika Schneider. Rezension vom 04.12.2006 zu: Carmen Klement: Von der Laienarbeit zur Profession? (ambulante Altenpflege). Verlag Barbara Budrich (Opladen; Farmington Hills, MI) 2006. 286 Seiten. ISBN 978-3-938094-91-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4154.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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