Horst Bartnitzky: Eltern-Kursbuch: Grundschule. Kinder fördern,[..]
Horst Bartnitzky: Eltern-Kursbuch: Grundschule. Kinder fördern, fordern und erziehen. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2006. 319 Seiten. ISBN 978-3-589-22230-8. 19,95 EUR, CH: 35,10 sFr.
Mit einem Vorwort von Fee Czisch.
Überblick
Dieses reich bebilderte, aufwändig layoutete und mit einem festen Einband versehene Kursbuch umfasst Beiträge von 15 Autorinnen und Autoren mit ganz unterschiedlichen Qualifikationen: von einer Lehrerin, zwei Schulleitern, einer Ernährungs- und Haushaltswissenschaftlerin, zwei Professorinnen und zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, einem Schulpsychologen, einer Familientherapeutin, einem Chefarzt, einem pensionierten Ministerialrat, einer Diplom-Pädagogin und einer Journalistin. Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Autoren verweist schon auf die vielfältigen Inhalte, die Eltern in diesem Sammelband vorfinden, - und auf die Qualität der einzelnen Kapitel, die immer von kompetenten Personen verfasst wurden.
Von der Familie in die Schule
- In dem kurzen Vorwort betont Fee Czisch die Bedeutung der frühen Kindheit, von Primärerfahrungen und unterstützenden Beziehungen für die Entwicklung von Schüler/innen. Sie verweist auf die Überforderung vieler Eltern und Kinder und plädiert in diesem Zusammenhang für eine enge Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule.
- Paula Honkanen-Schoberth skizziert zunächst die Situation von Eltern und Kindern in der Gesellschaft. Dann geht sie auf die Familienerziehung ein, benennt Erziehungsziele und spricht sich für einen "demokratisch-anleitenden" Erziehungsstil aus. Die Bedürfnisse und Erwartungen der Kinder sollten berücksichtigt werden. Abschließend behandelt die Autorin die Zusammenarbeit zwischen Familie, Kindergarten und Schule und thematisiert die Medienerziehung (z.B. Fernsehkonsum, Handynutzung, Gefahren des Internets).
- Uta Reimann-Höhnwidmet sich der Frage "Wann ist (m)ein Kind schulfähig?". Sie geht auf Stichtagsregelungen der einzelnen Bundesländer, die flexible Schuleingangsstufe, die vorzeitige Einschulung, Kriterien der Schulfähigkeit, Schulreifetests und Beratungsmöglichkeiten ein. Ferner beschreibt sie, wie Eltern ihr Kind auf die Einschulung vorbereiten können.
Die Grundschule
- In dem ersten Kapitel von Horst Bartnitzky wird die Grundschule vorgestellt: ihr Bildungs- und Erziehungsauftrag, ihre Auslesefunktion (Notengebung), der differenzierte und der gemeinsame Unterricht und aktuelle Entwicklungen wie die Integration behinderter Kinder oder die besondere Förderung von Migrantenkindern. In einem zweiten Beitrag listet der Autor dann die wichtigsten Lernziele und -inhalte der Grundschule auf. Horst Bartnitzky schreibt, wie Grundschulkinder das Schreiben und Lesen lernen, betont, dass sie sich auch ein bestimmtes Arbeits- und Sozialverhalten aneignen müssen, und skizziert Wege, wie Eltern und Lehrer/innen den Kindern beim Lernen helfen können. Erneut behandelt er die Leistungsbewertung, insbesondere die Tendenz hin zu Bildungsstandards und Tests.
- Anschließend beschreibt Uta Reimann-Höhn, wie Kinder auf die Einschulung vorbereitet werden können - z.B. durch das Training feinmotorischer Fertigkeiten, die Übertragung von Verantwortung und das Erziehen zur Pünktlichkeit. Es werden Gewicht und Ausstattung des Schulranzens, das Kennenlernen des Schulwegs und Regeln für das (Schul-) Busfahren skizziert. Dann stellt die Autorin dar, wie dieser "große Tag" im Leben der Kinder gestaltet werden kann - beispielsweise mit einer Schultüte, einem Gottesdienst oder einem Familienfest.
- Ingo Spitczok von Brisinski behandelt in seinem Kapitel die psychische, kognitive, soziale, sexuelle und Persönlichkeitsentwicklung von Grundschulkindern, aber auch die Ausbildung der Geschlechtsidentität, die Verfrühung der Pubertät und kindliche Probleme wie Aggressivität, Einnässen, mangelnde Frustrationstoleranz, Ungehorsam usw. Immer wieder gibt er hilfreiche Erziehungstipps.
Das Lernen fördern
- Joachim Hackler beschreibt in seinem Kapitel, wie ein erfolgreiches Lernen von Grundschulkindern gefördert werden kann - z.B. indem Lernstrategien vermittelt, Selbstorganisation, die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein und Selbstwirksamkeitserwartungen unterstützt, Lexika und andere Materialien zur Verfügung gestellt, Klassenarbeiten nach einem "Sechs-Tage-Trainingsplan" vorbereitet und Hausaufgaben wirkungsvoll begleitet werden.
- Danach geht Christiane van Betteray auf die Bedeutung einer gesunden Ernährung und von viel Bewegung ein. Sie verweist auf die Gefahren des schon bei Grundschulkindern auftretenden Übergewichts, streift kursorisch die Ernährungskunde und gibt Tipps, wie Kindern ein gesundes Essen schmackhaft gemacht und was ihnen als Pausenbrot und Snacks mit in die Schule gegeben werden kann. Dann skizziert die Autorin, wie die Schule "bewegungsfreundlicher" gestaltet werden kann, was beim Sitzen (Erledigen der Hausaufgaben) und beim Kauf des Schulranzens beachtet werden sollte und wie sportliche Aktivitäten in den Alltag des Kindes integriert werden können.
- Mit einer angemessenen Förderung einseitig oder vielseitig begabter Kinder befasst sich Christiane Fischer-Ontrup. Sie definiert den Begabungsbegriff, benennt verschiedene Erscheinungsformen (auch Gardners neun "Intelligenzen"), skizziert ein integratives wissenschaftliches Begabungsmodell, listet Merkmale hoch begabter Kinder auf und beschreibt, wie diese identifiziert sowie in Familie und Schule unterstützt werden können.
Probleme in der Schule
- Bertold Hain verweist darauf, dass es schon an Grundschulen zur Gewaltausübung gegen andere Schüler/innen (oder gegen Sachen) und zu Mobbing kommt. Er plädiert für ein offenes und faires Austragen von Konflikten und gibt Hinweise, was Eltern tun können, wenn ihr Kind zum Opfer von Gewalt oder Ausgrenzung geworden ist.
- Im nächsten Kapitel fordert Jutta Velte, dass sich Eltern in der Schule "einmischen", also die Chancen der Elternmitwirkung nutzen sollen. Sie beschreibt die verschiedenen Formen der Elternarbeit und die Rolle der Elternvertreter/innen auf Klassen-, Schul-, regionaler und Landesebene.
- Simone Wejda behandelt anschließend verschiedene Lernprobleme - von Lernblockaden über Teilleistungsstörungen, Legasthenie, Dyskalkulie, Schulangst und Stress bis hin zu ADHS. Es werden nicht nur die Charakteristika dieser Störungen skizziert, sondern auch Hinweise gegeben, wo Eltern relevante Hilfs- bzw. Therapieangebote finden. Außerdem werden Rechtsansprüche gegenüber der Schule und der Jugendhilfe erläutert.
- Die für Kinder mit einem "sonderpädagogischen Förderbedarf" geschaffenen Sonderschulen werden von Astrid Kaiser und Simone Seitz vorgestellt. Sie benennen die verschiedenen Förderschwerpunkte, widmen sich dann aber vor allem den Integrationsschulen, in denen Kinder mit einem besonderen Förderbedarf zusammen mit anderen Kindern unterrichtet werden. Die Autorinnen listen Kriterien auf, die bei der Auswahl einer integrativen Grundschule beachtet werden sollten, und geben viele Tipps, wie Eltern die Aufnahme ihres behinderten Kindes an der gewünschten Schule erreichen können.
Die Auswahl einer weiterführenden Schule
Im letzten Kapitel widmet sich Uta Reimann-Höhn der Frage "Wohin nach der Grundschule?". Sie beschreibt die Funktion der Orientierungsphase bzw. Erprobungsstufe, nennt die Kriterien, nach denen Schulempfehlungen ausgesprochen werden, und skizziert die (oft stark eingeschränkten) Rechte von Eltern in den einzelnen Bundesländern, bei Schulwegentscheidungen mitzubestimmen. Die Autorin stellt ganz kurz die Anforderungen der verschiedenen weiterführenden Schultypen vor, nennt Kriterien für die Auswahl einer Schule und verweist auf relevante Beratungsangebote.
Lexikon und Register
78 Buchseiten sind dem Lexikon gewidmet, in dem wichtige Begriffe erläutert werden, die in den vorausgegangenen Kapiteln immer wieder verwendet wurden. Beim Buchstaben A sind dies beispielsweise Actionspiele, ADS, Alleinerziehende, Anfangsunterricht, Aufnahmeprüfung, Aufsichtspflicht, Außenseiter und Autorität. Weitere Begriffe werden über ein fünfseitiges Stichwortverzeichnis erschlossen.
Fazit
Das Kursbuch ist übersichtlich gestaltet; wichtige Begriffe werden farblich herausgestellt und im Glossar erläutert; Checklisten, Tabellen, zentrale Aussagen und besondere Tipps sind farblich unterlegt. Zusätzlich lockern viele Fotos die Seiten auf. So lädt der Sammelband regelrecht zum Lesen ein...
Abschließend ist festzuhalten: Dieses Kursbuch kann Eltern von Kindergarten- und Grundschulkindern wärmstens empfohlen werden. Sie finden hier nahezu alle relevanten Informationen vor, um ihren Kindern den Start in die Schule und die ersten Schuljahre zu erleichtern, - und falls Fragen offen bleiben, helfen die vielen Lesetipps, Adressverzeichnisse und Hinweise auf einschlägige Websites weiter!
Rezensent
Dr. Martin R. Textor
Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF)
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Zitiervorschlag
Martin R. Textor. Rezension vom 24.11.2006 zu: Horst Bartnitzky: Eltern-Kursbuch: Grundschule. Kinder fördern,[..]. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2006. 319 Seiten. ISBN 978-3-589-22230-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4181.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.
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