socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Horst Deinert, Guy Walther: Handbuch Betreuungsbehörde

Cover Horst Deinert, Guy Walther: Handbuch Betreuungsbehörde. Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft (Köln) 2006. 3., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. 308 Seiten. ISBN 978-3-89817-445-9. 42,00 EUR.

Mit CD-ROM.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Einführung

Im Handbuch Betreuungsbehörde stellen die Autoren die Organisation der Betreuungsbehörden (in einigen Bundesländern als Betreuungsstellen bezeichnet) nach Bundes- und Landesrecht, deren Zuständigkeiten sowie deren Aufgaben im Vor- und Umfeld rechtlicher Betreuungen dar. Ein ausführliches Kapitel des Buches ist abschließend der Frage der konkreten, organisatorischen Umsetzung der rechtlichen Vorgaben im Arbeitsalltag der Betreuungsbehörden gewidmet. Im Anhang folgt sodann auf 45 Seiten eine Sammlung der wichtigsten einschlägigen Rechtsvorschriften. Die dem Buch beiliegende CD-ROM enthält zusätzlich die Ausführungsbestimmungen der einzelnen Bundesländer zum Betreuungsrecht und zahlreiche Mustertexte und Formulare zur Unterstützung der praktischen Arbeit.

Hintergrund für die Neuauflage des Buches

Das Handbuch erscheint in der 3. Auflage. Es wurde gegenüber den  Vorauflagen von 1992 und 1994 völlig überarbeitet und dabei erheblich erweitert sowie grundlegend rechtlich aktualisiert. Dies war nötig, da sich der Aufgabenbereich der Betreuungsbehörden aufgrund mehrerer Novellen im Betreuungsrecht, der Weiterentwicklung  der Rechtsprechung sowie der Arbeitsformen und -gestaltungen in der Betreuungspraxis seitdem erheblich verändert hat.

Zielgruppen

Zielgruppe des Buches sind, wenn man den Titel wörtlich nimmt, Mitarbeiter/innen von Betreuungsbehörden. Als umfassendes Kompendium für die Gestaltung der Betreuungsarbeit und deren Kontexte bietet das Handbuch jedoch darüber hinaus einem größeren Adressatenkreis nutzbringende Information und Arbeitshilfen. Zum erweiterten Adressatenkreis gehören etwa die Fachdienste im Bereich Soziales und Gesundheit  in den Kommunen, Mitglieder von Betreuungsvereinen und Berufsbetreuer/innen, die sich genauere Kenntnisse über die verwaltungsorganisatorischen Rahmenbedingungen ihrer Arbeit verschaffen möchten. Nichtfachleute werden das Buch für die Beantwortung sie speziell interessierender Fragen mit Hilfe der  detaillierten Gliederung und des ausführlichen Sachregisters zu nutzen wissen, etwa das Kapitel zur Vorsorgevollmacht (S. 58ff).

Aufbau und Inhalt

  1. Kapitel 1 des Handbuches gibt zunächst einen kurzen Einblick in die Geschichte der Errichtung von Betreuungsbehörden. Die Autoren erinnern daran, dass der Bundesgesetzgeber die Behördenaufgaben im Bereich der Vormundschaft und Pflegschaft für Volljährige ursprünglich nach § 54a des Jugendwohlfahrtsgesetzes  den Jugendämtern zugewiesen hatte. Dass diese Aufgabenzuordnung in einigen Bundesländern auch heute noch praktiziert wird, nehmen die Autoren zum Anlass, um sich kritisch mit dieser Praxis auseinanderzusetzen und Alternativen aufzuzeigen.
  2. Einen breiten Raum im Handbuch geben die Autoren mit neun Unterpunkten dem Thema  "Aufgaben im Vor- und Umfeld von Betreuungen" in Kapitel 2. Die breite  Behandlung dieses Themas am Anfang des Buches verwundert zunächst. Als Nutzer eines Handbuches  Betreuungsbehörde würde man eher erwarten, dass zunächst die Aufgabenstellung und Organisation des "Kerngeschäftes" der Behörde behandelt wird. Erst im Anschluss daran würde man die Behandlung von Aufgaben im Vor- und Umfeld der eigentlichen Kernaufgaben erwarten. Das Vorgehen der Autoren wird jedoch nachvollziehbar, wenn man ihren Hinweis aufgreift, dass es einen "Paradigmen- und Perspektivwechsel"  für die Arbeit der Betreuungsbehörden gegeben habe, "weg von den klassischen Feldern der  Vormundschaftsgerichtshilfe und den Behördenbetreuungen, hin zu Aufgaben, die vielfach Steuerungs- und Managementaufgaben sind". (siehe Kapitel 2.1. am Ende). Vor diesem Hintergrund sind es gerade die ausführlich im zweiten Kapitel des Handbuches dargestellten Querschnittsaufgaben und Schlüsselfunktionen, die in der Praxis breiten Raum einnehmen, z.B.:
    • Förderung und Anerkennung von Betreuungsvereinen
    • Betreuungsvermeidende Beratung für die Einrichtung von Vorsorgevollmachten (einschließlich damit zusammenhängender Beglaubigungen/Beurkundungen)
    • Beratung und Unterstützung von ehrenamtlichen und professionellen Betreuer/innen und  Bevollmächtigten
    • Einführung und Fortbildung von Betreuer/innen.
  3. Kapitel 3 befasst sich ausführlich mit der Zusammenarbeit zwischen Justiz und Betreuungsbehörden. Es werden im einzelnen die vielfältigen Aufgaben, Rechte und Pflichten der Betreuungsbehörde nach dem Gesetz über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FGG) und dem Betreuungsbehördengesetz (BtBG) dargestellt, welche im Rahmen der Zusammenarbeit mit den Vormundschaftsgerichten anfallen. Dazu gehören insbesondere:
    • Mitteilungs- Anhörungs- und Beschwerderechte,
    • Ermittlungs- und Gestellungspflichten sowie
    • Aufgaben der Vorführung und Zuführung in Betreuungssachen.
    Im Kontext dieser Aufgaben erörtern die Autoren die zwingend zu berücksichtigenden datenschutzrechtlichen Fragen die sich insbesondere im Zusammenwirken zwischen Betreuungsbehörden/-stellen und Justiz aufdrängen.
  4. Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Übernahme von rechtlichen Betreuungen durch Mitarbeiter einer Betreuungsbehörde, den sogenannten Behördenbetreuern. Von besonderem Interesse für Behördenbetreuer und Gebietskörperschaften als Träger der Betreuungsbehörden ist die Frage der Haftung gegenüber Betreuten in Schadensfällen. Der Streit, ob ein Behördenbetreuer persönlich haftet oder ob die Grundsätze der Amtshaftung gelten wird mit einschlägigen Literaturhinweisen ausführlich erörtert.
  5. Von hohem praktischem Wert für die Gebietskörperschaften ist das 5. Kapitel, das sich mit der organisatorischen Umsetzung des Betreuungsgesetzes befasst. Hier finden sich unmittelbar umsetzbare Empfehlungen zur Ausstattung und Personalbemessung der Betreuungsbehörden bis hin zur ausführlichen Stellenbeschreibung für Betreuungsbehördenmitarbeiter.

Diskussion

Das Buch, zu Recht als Handbuch bezeichnet, ist nicht als systematische Einführung in das Betreuungsbehördenwesen anzusehen. Es ist kein Lehrbuch, sondern orientiert an den Bedürfnissen der Praxis. Es wird sich auch zukünftig als handwerklich gekonntes Standardwerk praktisch bewähren. Eingefügte Praxistipps, von denen sich mancher Nutzer eher noch mehr wünschen wird, sind ebenso hilfreich, wie die dem Buch beigefügten Arbeitshilfen, die zum Beispiel als Formulare direkt weiter verwendbar, auf CD-ROM angeboten werden.

Die Autoren sind ausgewiesene Fachleute, die sich bundesweit durch zahlreiche Veröffentlichungen und Referententätigkeit zu betreuungsrechtlichen Aufgaben- und Fragestellungen  einen Namen gemacht haben.

Fazit

Das in der 3. Auflage erschienene Handbuch bietet umfassende Informationen und vielseitige Arbeitshilfen für die Betreuungsbehörden-Praxis und deren Kontexte. Für die Mitarbeiter/innen der örtlichen und überörtlichen Betreuungsbehörden wird es sich als ausgezeichnete Hilfe bei der Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben weiterhin bewähren. Die Gebietskörperschaften können ihm wichtige Hinweise zur Aufgabenorganisation entnehmen. Nutzern, über die eigentliche Zielgruppe hinaus, kann das Buch als Nachschlagwerk empfohlen werden.


Rezensentin
Prof. Dr. Eva-Maria Rothenburg
Juristin und Diplompädagogin Professorin am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit FH Emden/Leer
E-Mail Mailformular


Alle 4 Rezensionen von Eva-Maria Rothenburg anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Eva-Maria Rothenburg. Rezension vom 22.04.2007 zu: Horst Deinert, Guy Walther: Handbuch Betreuungsbehörde. Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft (Köln) 2006. 3., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-89817-445-9. Mit CD-ROM. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4198.php, Datum des Zugriffs 29.05.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt

Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!