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Hans-Joachim Dörbandt: Häusliche Krankenpflege [...] (GKV)

Hans-Joachim Dörbandt: Häusliche Krankenpflege als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Band 96 der Schriftenreihe Fortbildung und Praxis. Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH (Sankt Augustin) 2000. 367 Seiten. ISBN 978-3-537-39601-3. 40,90 EUR.

Der Praxisleitfaden ist im pdf-Format auch auf CD-ROM erhältlich.

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Ein aktuelles Thema

Eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen sorgt gegenwärtig für kontroverse Diskussionen: die häusliche Krankenpflege. Das ist nicht zuletzt auf das Inkrafttreten der Richtlinien des Bundesausschusses Ärzte und Krankenkassen zur Verordnung der Leistung durch Ärzte zurückzuführen. Denn sie sorgt vielerorts für Unsicherheiten und beschäftigt inzwischen die Sozialgerichtsbarkeit. In dieser Situation kommt ein Praxisleitfaden im Grunde zur rechten Zeit. Dies gilt insbesondere dann, wenn er in der Lage ist, Inhalte der häuslichen Krankenpflege, die zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse erbracht werden kann, umfassend darzustellen und so Streitpotential zu minimieren. Und dies - soviel vorweg - gelingt dem Autor durchaus.

Der Autor

Der Verfasser ist unverkennbar Mitarbeiter einer Krankenkasse. Dass er sich in der Praxis gut auskennt, erschließt sich bereits auf den ersten Seiten des Buches. Hier hat sich ein Praktiker aufgemacht, anderen Praktikern das Recht, dessen Möglichkeiten und Grenzen sachlich, kompetent und verständlich zu erläutern. Sollten z. B. Mitarbeiter der Pflegedienste aufgrund des beruflichen Hintergrundes eine einseitige, also "tendenzielle" Abhandlung erwarten, so werden sie wohl enttäuscht sein.

Die Gliederung

Der Leitfaden ist in 17 Abschnitte unterteilt. Den Kern des Praxisleitfadens bilden die ersten 16 Abschnitte, die aufeinander aufbauen. Eingangs wird das Recht der Krankenversicherung vorgestellt und erläutert. Anschließend werden differenziert Fragen der Zuständigkeit für Hilfeleistungen im Haushalt innerhalb des gesamten Sozialrechts thematisiert und das Thema Erstattungsansprüche der Sozialleistungsträger untereinander aufgegriffen. Der Leistungsabgrenzung in besonderen Situationen widmen sich dann die Abschnitte sieben bis zwölf. In den weiteren Abschnitten ergänzen Hinweise zur Abrechnungsprüfung, Ansätze für Controlling-Strukturen und für ein sogenanntes Ausgaben- bzw. Fallmanagement den Leitfaden. Eine Fülle von Materialen wurde im Anhang (Abschnitt 17) abgedruckt. Neben gesetzlichen Vorschriften, Richtlinien, vertraglichen Regelungen und vereinbarten Formularen wird das Urteil des Bundessozialgericht vom 28.01.99 im Wortlaut wiedergegeben. Selbst eine Entwurfsfassung der Gemeinsamen Rahmenempfehlungen nach § 132a SGB V ist enthalten. Darüber hinaus sind im Anhang vom Verfasser entwickelte, praxisorientierte Formulare, Fragebögen und Musterschreiben zu finden.

Zum Inhalt

Inhaltlich setzt sich der Verfasser mit den rechtlichen Grundlagen dezidiert auseinander. Die gesetzlichen Voraussetzungen werden sukzessive aufgegriffen und in ihren jeweiligen Zusammenhang gestellt. Rechtsbegriffe erklärt der Verfasser systematisch und detailliert. Dabei wird nicht nur die höchstrichterliche Rechtsprechung des Bundessozialgerichts beachtet und angesprochen. Viele Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege, von den Prophylaxen über die Dekubitusversorgung bis zur medizinischen Fußpflege, werden zur Auseinandersetzung mit den rechtlichen und praxisorientierten Anforderungen herangezogen - selbstverständlich unter Berücksichtigung der seit Mitte des letzten Jahres von den verordnenden Vertragsärzten und den Krankenkassen zu beachtenden Richtlinien. Die unterschiedlichen Rahmenbedingungen für Regel- bzw. Mehrleistungen werden dargestellt und die Ansprüche Krankenpflegebedürftiger gegenüber anderen Leistungsträgern aufgegriffen. Einen Schwerpunkt bildet die Abgrenzung zu den grundpflegerischen Leistungen der Pflegeversicherung. Der Leitfaden reicht bis zur schematischen Darstellung der Arbeitsabläufe im Zusammenhang mit der Prüfung und Bewilligung der Leistung durch eine Krankenkasse.

Mit Beispielen aus der Praxis und praktischen Handlungsalternativen wird das Recht situationsbezogen erläutert. Dies zeichnet den Leitfaden auch aus. Er bleibt nicht auf einer allgemein-abstrakten Ebene stehen. So erschließen sich auch dem unkundigen Leser nach und nach Möglichkeiten und Grenzen des rechtlichen Rahmens. Der Leitfaden ist - den Anforderungen der Schriftenreihe entsprechend - aus dem Blickwinkel eines Kassenmitarbeiters heraus verfasst. Folglich greift der Autor auch Ansätze für Controlling-Strukturen und Fallmanagement auf und begrenzt sich nicht nur auf die Darstellung der Beratungspflichten einer Krankenkasse gegenüber ihren Versicherten. Abschließend ist ein Negativpunkt hervorzuheben. Offensichtlich durch einen redaktionellen Fehler wird im Anhang leider nicht darauf hingewiesen, dass es sich bei den abgedruckten Gemeinsamen Rahmenempfehlungen (§ 132a SGB V) lediglich um die Wiedergabe eines Diskussionspapiers handelt (Hinweis: Die Verhandlungen zu den Rahmenempfehlungen konnten aufgrund unterschiedlicher Rechtsauffassungen bis Mitte Januar 2001 nicht abgeschlossen werden). Erkennbar ist das Fehlen des Hinweises für die Leser durch in die Klammern gesetzten Diskussionspunkte. Der Informationswert des Papiers macht dies allerdings wieder wett.

Die Zielgruppe

Der Leitfaden wendet sich an alle, die im Alltag mit der häuslichen Krankenpflege zu tun haben. Dies sind zum einen die Mitarbeiter von Krankenkassen. Darüber hinaus empfiehlt er sich Mitarbeitern von Pflegediensten und Verbänden im Alltag als Argumentationshilfe und beispielsweise in der Auseinandersetzung um die Richtlinien als Diskussionsgrundlage.

Fazit

Es gibt eine Fülle von Literatur zu diesem Thema. Trotzdem habe ich die Ausführungen des Autors gern gelesen. Es handelt sich um einen Leitfaden, der

  • das gesamte Themenfeld häuslicher Krankenpflege umfassend und systematisch aufgreift,
  • leicht verständlich geschrieben wurde, obwohl auf die Verwendung der Fachbegriffe nicht verzichtet wird,
  • von der Darstellung des Rechts (einschließlich Rechtsprechung und Richtlinien) ausgehend die Möglichkeiten und Grenzen von Krankenkassen aufzeigt,
  • Anregungen und Stoff für Diskussion (z. B. zum aktuellen Themenkreis des Fallmanagements) liefert und
  • zudem eine umfassende Materialensammlung bietet.

Das von einem Praktiker für Praktiker geschriebene Buch hat einen hohen Gebrauchswert. Es kann darüber hinaus einen Beitrag zur Versachlichung der teilweise hitzigen Diskussionen leisten und sollte allein deshalb Beachtung finden. Mein Ergebnis: Allen Mitarbeitern von Krankenassen und Pflegediensten sowie deren Verbänden ist die Auseinandersetzung mit dem Praxisleitfaden sehr zu empfehlen.


Rezensent
Georg Vogel
Rentenberater für die Bereiche SGB XI/SGB V
Herausgeber www.CareHelix.de
Homepage www.carehelix.de
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Zitiervorschlag
Georg Vogel. Rezension vom 01.03.2001 zu: Hans-Joachim Dörbandt: Häusliche Krankenpflege [...] (GKV). Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH (Sankt Augustin) 2000. 367 Seiten. ISBN 978-3-537-39601-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/42.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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