Dirk Emmrich, Elke Hotze u.a.: Beratung in der ambulanten Pflege
Dirk Emmrich, Elke Hotze, Martin Moers: Beratung in der ambulanten Pflege. Problemfelder und Lösungsansätze mit Fortbildungskonzept. Kallmeyer Verlag (Seelze/Velber) 2006. 145 Seiten. ISBN 978-3-7800-4002-2. 19,90 EUR, CH: 34,90 sFr.
Einführung in das Thema
In diesem sehr anschaulichen und praxisnah gestalteten Buch, geht es um das Thema "Beratung von chronisch Kranken durch ambulante Pflegedienste". Dies findet jedoch in unterschiedlichem Ausmaß statt. Aufgrund einer langjährigen Studie von Dirk Emmrich, Elke Hotze und Martin Moers wurde ein Schulungskonzept entwickelt, das unter restriktiven Bedingungen einen praktikablen Einstieg in eine professionelle Beratung in der ambulanten Pflege ermöglicht. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, inwieweit ambulant tätige Pflegefachkräfte Fachberatung und psychosoziale Beratung, in der Praxis, miteinander verknüpfen können. Das Werk gibt einen Einblick in den Ist-Zustand und vermittelt außerdem die praktische Anwendung.
Das Schulungskonzept besteht aus vier praktischen Hauptkompetenzbereichen: Kommunikationsgrundlagen, Angehörigenschulung, Patientenschulung und klientenzentrierte Beratung. Die Autoren versprechen sich dadurch eine umfassende Beratung, um Angehörigen und Patienten mit fundierten Wissensmöglichkeiten zur Seite zu stehen, und wollen ein breiteres Spektrum an spezifischen Informationen anbieten.
Entstehungshintergrund
Das Buch basiert auf einem von 2001 bis 2004 durchgeführten Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Kern der Studie war die Entwicklung und Durchführung einer Fortbildungsmaßnahme zur Beratung in der ambulanten Pflege sowie eine einjährige Erprobungsphase. Dieser Erfahrungsprozess wurde ausgewertet und zusammengestellt. Die Autoren lehren an einer Hochschule Pflegewissenschaft bzw. setzen theoretische Pflegemodelle in die Praxis um.
Aufbau
Das Buch ist in zwei Hauptkapitel eingeteilt:
- Der theoretische erste Teil beschreibt die Grundlagen der Beratung und den momentanen Ist-Zustand in der ambulanten Pflege (65.S.).
- Der zweite, praktische Teil, stellt das "Schulungsprogramm" Pflegeberatung in der ambulanten Pflege anschaulich dar (80.S.).
Der Anhang schildert den methodischen Verlauf des Projektes. Zur besseren Vertiefung wurde eine CD-Rom beigefügt, welche die Schwerpunkte der Fortbildung zusammenfasst und zum Selbststudium einlädt.
1 Theoretischer Teil
Bei der Behandlung der Grundlagen werden in einem ersten informativen Überblick, die Grundgedanken des Projektes angesprochen. Der thematische Bogen spannt sich über verschiedenen Konzeptionen auf, (Case Management, Care Management, Managed Care, Disease Management). Fortgeführt wird er mit der Fokussierung auf den problematischen, restriktiven ambulanten Pflegealltag, bei dem eine kontinuierliche Verbesserung der Beratungskompetenz von Fachkräften notwendig ist.
Die Beratung als Aufgabe wird aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet und beleuchtet. Dabei werden sowohl der geschichtliche-, als auch der literarische Aspekt untersucht. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die verschiedensten Formen pflegerischer Beratung (Anlässe, Prozesse, Kontext, und Kompetenzen).
Im darauf folgenden Kapitel zeigen die Autoren wesentliche Probleme der Beratungspraxis auf. Entsprechende Rahmenbedingungen, wie z.B. zeitliche Grenzen, inhaltliche Planbarkeit, Konfliktsituationen und Langezeitbeziehungen sind u. a. Hürden im pflegerischen Alltag. Eine Doppelrolle bzw. Balance der Pflegeperson wird in vielerlei Hinsicht (als Akteurin und Beraterin, als Therapeutin und Beraterin, Familienberatung und Pflegeberatung) erwartet, dieser Spagat (Beratung und "Pflegepolizei", Beratung versus Betriebstreue, Probleme der Beratungspraxis, Hauptaspekte des Beratungshandelns) ist nur schwer zu tätigen. Das Erkennen von Beratungsbedarf und -situation setzt eine fundierte Erfahrung voraus.
Das letzte Kapitel befasst sich mit den Schlussfolgerungen für das erprobte Beratungskonzept und bietet Empfehlungen bzw. Lösungsansätze. Eine Trennung von Fachberatungs- und psychosozialen Beratungsaspekten, Beratung als Option für die ambulante Pflege, sowie Beratungsrollen im Kontext der ambulanten Pflege runden den ersten Teil des Buches ab.
2 Schulungsprogramm
Das zweite Hauptkapitel stellt das praktische Schulungsprogramm in der Pflegeberatung vor. Der Leser erhält einen Einblick in die Bereiche der "Beratung", sowie deren Grenzen, Ziele und psychosoziale Komponenten. Ferner werden anschaulich kommunikations-psychologische Grundlagen (Hindernisse und Blockaden), Charakteristika sozialer Konstellationen (Einzelberatung, Gruppen-/Familienberatung) und der klientenzentrierte Ansatz (empathisches Verstehen, "aktives Zuhören", Kongruenz und Echtheit) vorgestellt.
Im Abschluss daran erfolgt die Betrachtung des Beratungsprozesses, der in einzelnen Bausteinen (Schritte in den Beratungsprozess, Ablauf von fachlichen Beratungsgesprächen, Leistungskontrolle in der Fachberatung, Wirkungen von Ratschlägen, sowie Feedback & Wertungen) präsentiert wird. Der Anhang stellt das methodische Vorgehen und den Verlauf des Projektes dar. Um den Lernstoff anschaulicher zu gestalten, werden mittels beigefügter CD-Rom, "Impulse" dargeboten, welche die Grundzüge des praktischen Teils vermitteln sollen.
Anhang
Der Anhang des Buches schildert die methodische Anlage und den Verlauf des Projektes. Die zentralen Interventionskomponenten sind:
- Schulung der Pflegekräfte
- Anschließende einjährig supervidierte Beratungstätigkeit
Das Ziel ist die Integration der Beratungsarbeit in den pflegerischen Alltag.
Zielgruppe
Die Autoren benennen als Zielgruppe "Charaktere für die Ausbildung in Pflegeberufen".
Aus pflegewissenschaftlicher Sicht ist dieses Buch sowohl für Personen geeignet, welche sich in der Ausbildung befinden, als auch für "Experten", die bereits über Erfahrungen im Pflegealltag verfügen. Darüber hinaus lässt es sich in unterschiedlichen fachlichen Ebenen einsetzen. Das Buch bietet sowohl für Einsteiger in die Thematik, als auch für "fortgeschrittene" Leser einige gute Anregungen und Ansätze für die praktische Umsetzung. Darüber hinaus lässt es sich in der Lehre und Ausbildung auf unterschiedlichen fachlichen Ebenen einsetzen. Die Vermittlung von fundierten Kenntnissen zeigt in jeglicher Hinsicht auf, dass die Autoren einen großen Fundus an Wissen bezüglich der Themengebietes besitzen.
Fazit
Das Buch "Beratung in der ambulanten Pflege" bietet sowohl für den Einstieg, als auch für Fachleute Anregungen und Erkenntnisse. Ebenso lässt es sich in der Ausbildung hervorragend einsetzen. Der Text ist übersichtlich und in einfacher verständlicher Sprache gestaltet. Im Hauptteil A, der den Ist-Zustand der Beratung in der Pflege darstellt, wird der Leser umfassend informiert.
Im praktischen Schulungskonzept, der den Teil B des Buches ausmacht, führen Gliederungskästen in das jeweilige Thema ein. Wünschenswert wäre dies für die gesamte Veröffentlichung gewesen. Ebenso fehlt ein Stichwortverzeichnis.
Ich kann das Buch nur empfehlen, es leistet einen konkreten Beitrag in der Vermittlung der gesamten Themen und kommt damit seiner Zielsetzung in jedem Falle nach.
Rezensent
Christian Heidl
RN, Diploma Care-Management, MSc
Cand. Dr. rer. medic.
Research Assistant
Oxford Institute of Population Ageing
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Zitiervorschlag
Christian Heidl. Rezension vom 20.12.2006 zu: Dirk Emmrich, Elke Hotze, Martin Moers: Beratung in der ambulanten Pflege. Kallmeyer Verlag (Seelze/Velber) 2006. 145 Seiten. ISBN 978-3-7800-4002-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4210.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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