Christian Hampel: Jugendberufshilfe. Rechtsgrundlagen, Entwicklungen, Bewertungen
Christian Hampel: Jugendberufshilfe. Rechtsgrundlagen, Entwicklungen, Bewertungen. Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2006. 99 Seiten. ISBN 978-3-8334-4985-7. 12,90 EUR.
Köln: Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit Nordrhein-Westfalen e. V.
Thema und Zielsetzungen
Die Jugendberufshilfe bzw. Benachteiligtenförderung richtet sich an so genannte benachteiligte Jugendliche, die nach dem Abschluss ihrer allgemeinbildenden Schulzeit aufgrund individueller und/oder sozialer Benachteiligungen kaum Chancen haben, einen Ausbildungsplatz zu finden und/oder eine Berufsausbildung erfolgreich zu beenden. Seit rund einem Jahrzehnt sind jedes Jahr bis zu 15 % bis 20 % der Jugendlichen, die die allgemeinbildenden Schulen verlassen, davon bedroht, keinen Ausbildungsplatz zu finden und so langfristig aus dem Arbeitsmarkt und damit auch von gesellschaftlicher Teilhabe ausgegrenzt zu werden. Um diesem Problem der steigender Jugendausbildungs- und -arbeitslosigkeit zu begegnen, ist in den letzten 20 Jahren eine so bunte Vielfalt unterschiedlichster schulischer und außerschulischer, betrieblicher und außerbetrieblicher Förderprojekte für benachteiligte Jugendliche im Übergang zwischen Schule und Erwerbsarbeit entstanden, dass von einem regelrechten "Förderdschungel" gesprochen werden kann, der selbst für Professionelle in dem Feld kaum noch zu durchschauen ist. Die gesetzlichen Grundlagen für die außerordentlich vielfältigen Beratungs-, Vermittlungs- und Förderangebote sind im Wesentlichen auf der einen Seite das Sozialgesetzbuch III: Arbeitsförderung (SGB III) in Verbindung mit dem Sozialgesetzbuch II: Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) und auf der anderen Seite das Sozialgesetzbuch VIII: Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII). Neben diesen verschiedenen gesetzlichen Verankerungen gibt es noch zahlreiche weitere Programme des Bundes, von den Bundesländern und den Kommunen, die teilweise auch aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds mitfinanziert werden.
Vor diesem Hintergrund bin ich auf das Buch von Christian Hampel aufmerksam geworden, dessen Titel bei mir die Hoffnung geweckt hatte, dass ich mir damit einen systematischen Überblick zu den vielen und unterschiedlichen Rechtsgrundlagen und Entwicklungen der Jugendberufshilfe verschaffen könnte. Meinem Anliegen wird Christian Hampel teilweise gerecht, teilweise bin ich auch enttäuscht worden: Einerseits leistet er auf insgesamt 89 Textseiten einen komprimierten und prägnanten Überblick zu den gesetzlichen Grundlagen im Bereich des SGB III Arbeitsförderung und deren Entwicklungen. Auch die Bezüge zu den so genannten Hartz-Gesetzen, insbesondere zum SGB II Grundsicherung für Arbeitssuchende, werden von ihm aufschlussreich dargestellt und kritisch kommentiert. Andererseits fehlen aber vergleichbare Darstellungen für die gesetzlichen Vorgaben im Bereich des SGB VIII Kinder- und Jugendhilfe. Nur in der Einleitung und im geschichtlichen Überblick, dem 1. Kapitel des Buches, werden alle gesetzlichen Zuständigkeiten erwähnt und kurz erläutert. Trotz des zumindest teilweise unzutreffende Erwartungen weckenden Titels - "ausgewählte" Rechtsgrundlagen wäre treffender gewesen - ist Christian Hampel zu Gute zu halten, dass er selbst ausdrücklich darauf hinweist, "nach einem Rückblick in die geschichtliche Entwicklung des Arbeitsförderungsrechts einen aktuellen Sachstand zu Struktur, Zielen, Zielgruppen und Förderprogrammen des SGB III - Arbeitsförderung" (S. 8) zu leisten. Und dies ist ihm aus meiner Sicht in kurzer, komprimierter und gut lesbarer Form gelungen!
Inhaltsübersicht
- Nach einer Einleitung gibt Christian Hampel - wie bereits oben erwähnt - zunächst im 1. Kapitel einen kurzen Überblick der historischen Entwicklung der Jugendberufshilfe in den letzten 50 Jahren. Dort, aber auch in allen folgenden Kapiteln, kommentiert er seine Ausführungen mit kurzen, für mich aufschlussreichen Hinweisen zur jeweiligen wirtschaftlichen Situation in Deutschland und deren Konsequenzen für den Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt.
- Besonders interessant waren für mich diese Einordnungen in die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei seinen Schilderungen zur Entwicklung des SGB III, also des Arbeitsförderungsrechts im 2. Kapitel.
- Bevor er ausführlicher auf die verschiedenen Maßnahmen nach dem SGB III im 4. Kapitel eingeht, beschreibt Christian Hampel zuvor im 3. Kapitel die Zielgruppen der Jugendberufshilfe, so wie sie in den rechtlichen Grundlagen des SGB III und später nach der Reform der Arbeitsverwaltung - von der "Bundesanstalt für Arbeit" zur "Bundesagentur für Arbeit " vorgegeben sind. Dort werden die zu vermittelnden Menschen in Abhängigkeit der bei ihnen erkannten Arbeitsmarktnähe nach Kundengruppen in "Marktkunden", "Beratungskunden - aktivieren", "Beratungskunden - fördern" und "Betreuungskunden" unterschieden.
- Im 5. Kapitel skizziert er kurz die Hartz-Gesetzgebung, um auf dieser Basis im 6. Kapitel differenzierter auf das SGB II, also das so genannte "Hartz IV-Gesetz" einzugehen, womit erhebliche Konsequenzen für die Förderung arbeitssuchender Jugendlicher und damit auch für die Finanzierung und pädagogische Gestaltung der Maßnahmen in der Jugendberufshilfe verbunden sind.
- In einem besonderen Kapitel, dem 7. Kapitel, wendet sich der Autor den Schwierigkeiten zu, die aus der "Kooperation bei der Erbringung von Sozialleistungen" in Folge der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im SGB II entstanden sind und ebenfalls erhebliche Konsequenzen für die Maßnahmen der Jugendberufshilfe haben. Mit der Vergabe von Förderangeboten nach der Verdingungsordnung für Leistungen (VoL), die bei der öffentlichen Vergabe von Autobahn- oder Gebäudebau angewendet wird, setzt sich Christian Hampel im 8. Kapitel sehr kritisch und aus Sicht eines Trägers auseinander.
- Das Buch schließt mit dem 9. Kapitel, in dem er die bereits häufig von Trägern der Jugendberufshilfe formulierten "Einsichten, Denkanstöße, Forderungen" zur Weiterentwicklung der Jugendberufshilfe im Sinne des Wohls der Jugendlichen nochmals kurz zusammenfasst.
Zielgruppen
Aus meiner Sicht ist dieses Buch vor allem für pädagogische Fachkräfte interessant, die in den verschiedenen Angeboten und Maßnahmen der Jugendberufshilfe tätig sind und sich einen konzentrierten Überblick über die für ihr Arbeitsfeld relevanten Rechtsgrundlagen und deren historische Entwicklung im Bereich des SGB III Arbeitsförderung - in Verbindung mit dem neuen SGB II - verschaffen möchten - und dies meines Erachtens auch sollten.
Fazit
Herausgegeben von einem Träger der Jugendberufshilfe, der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit NRW, hat Christian Hampel die für das Feld der Jugendberufshilfe relevanten Rechtsgrundlagen und deren Entwicklung im Bereich des SGB III, der Arbeitsförderung, in Verbindung mit dem neuen Hartz-Gesetz SGB II, kurz und prägnant zusammengestellt. In seinen kritischen Kommentaren verweist er immer wieder auf die besondere gesellschaftliche Verantwortung für die berufliche und damit soziale Integration der Jugendlichen. Doch auch seine Überzeugung, dass vor allem die Wohlfahrtsverbände und sonstigen Träger der Jugendberufshilfe die notwendige Kompetenz zur Gestaltung der Jugendberufshilfe haben, schillert aus seinem Argumentationsgang für mich immer wieder durch. Dies mag auch daran liegen, dass Christian Hampel keine theoriegeleiteten Analysen leistet und nur an wenigen Stellen weiterführende Literatur angibt. Sein Buch verstehe ich als praktische Handreichung, die in die Rechtsgrundlagen aus dem Bereich des SGB III einführt und diese kritisch bilanziert. Damit ist dies eine Lektüre, die aus meiner Sicht für PraktikerInnen im Feld der Jugendberufshilfe sehr hilfreich sein kann und schon längst überfällig war, denn gerade die gesetzlichen Änderungen im SGB III in Verbindung mit SGB II waren in den letzten Jahren erheblich.
Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Enggruber
Fachhochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Ruth Enggruber. Rezension vom 04.10.2007 zu: Christian Hampel: Jugendberufshilfe. Rechtsgrundlagen, Entwicklungen, Bewertungen. Books on Demand GmbH (Norderstedt) 2006. 99 Seiten. ISBN 978-3-8334-4985-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4388.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.
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