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Susanne Strobach: Scheidungskindern helfen

Cover Susanne Strobach: Scheidungskindern helfen. Übungen und Materialien. Juventa Verlag (Weinheim) 2011. 2., aktualisierte Auflage. 160 Seiten. ISBN 978-3-7799-2037-3. 19,90 EUR.

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Thema

Das Buch ist die 2. aktualisierte Auflage eines 2002 erschienen Ratgebers, der sich sowohl an PädagogInnen und professionelle HelferInnen als auch an Eltern richtet. Die Übungen und Materialen sind vornehmlich für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren geeignet. Für die vorliegende Ausgabe wurde der Verlag gewechselt.

Ziele des Buches sind die Entlastung der Erwachsenen und Kinder in einer schwierigen Phase, sowie die Erweiterung des Handlungsrepertoires zur Unterstützung von Kindern.

Autorin

Die Autorin ist Mediatorin und hat Erfahrung in der Begleitung von Kindern nach Trennung oder Scheidung der Eltern.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich im Wesentlichen in einen kurzen Einführungsteil zur Erlebenswelt der Kinder bei der Trennung ihrer Eltern und den längeren Übungsteil zur themenzentrierten Begleitung der Kinder.

Wie erleben Kinder die Trennung ihrer Eltern? Die Autorin konstatiert gleich zu Beginn immer noch fehlende unterstützende Rituale zum Umgang mit Trennungen und zur besseren Transformation des Geschehens in positive Lebensphasen. Diese stehen bei Todesfällen zur Verfügung. Zugleich beschreibt sie Scheidung als langen Prozess mit individuellen Scheidungszeitpunkten. Der Existenzbedrohung, die die Kinder erleben können je nach Alter des Kindes unterschiedliche Verhaltensweisen und Reaktionen als Antwort folgen. Bekannt ist, dass neben den Gemeinsamkeiten im Erleben des Scheidungsgeschehens jede Geschichte einzigartig ist.
Als typisch beschrieben werden eine hohe Angepasstheit der Kinder aus dem Risiko heraus, auch noch vom zweiten Elternteil verlassen zu werden. Die dadurch zu Hause nicht entladenen Aggressionen werden umgelenkt und entladen sich anderswo, Wutanfälle auch aus nichtigen Anlässen in Kindergarten oder Schule können die Folge sein. Die Kinder haben ein hohes Verantwortungsgefühl, aus dem auch große Schuldgefühle resultieren, etwas nicht richtig gemacht zu haben, was schließlich zur Trennung der Eltern führte. Es besteht weiters der langanhaltende Wunsch, die Eltern mögen wieder zusammen kommen. Den geringen Einflussmöglichkeiten ihres Handelns stehen sie mit Hilflosigkeit und Ohnmacht gegenüber.

Beeindruckend ist der nachhaltige Hinweis auf die Wichtigkeit der Rolle des Vaters! Nicht zuletzt in diesem Zusammenhang werden geschlechtsspezifische Unterschiede in den Reaktionen und in der Problemverarbeitung der Kinder erwähnt. Die Trauerphasen nach Kübler-Ross, die eine Transformation erst ermöglichen, werden vorgestellt.

Übungsteil. Die Vorteile von Ritualen als ganzheitliche Handlungen werden hervorgehoben. Die Übungen selbst sind in wichtige, das Geschehen berührende Themenbereiche eingeteilt. Jeder Übungsanleitung ist das geeignete Alter, das allenfalls benötigte Material und die Intention der Übung vorangestellt. Es ist ausgewiesen, ob die Übung für ein Einzelsetting oder für die Gruppe geeignet ist. Die Symbolik ist in einer Legende zusammengefasst.

Individualität und Selbstwert. Ausgangspunkt weiterer Beschäftigung mit dem Geschehen ist ein durch die Übungen gefestigtes Ich-Bewusstsein.

Scheidung, Trennung, Veränderung. Wegen der Veränderungen ist das Beibehalten von Alltagsroutine und Tagesabläufen und die Betonung dessen, was hält wichtig, um den Kindern Sicherheit zu vermitteln. Empfehlenswert ist die Geschichte vom Kleinen Kater, wo Loyalitätskonflikte in einem ‚sowohl – als auch‘ statt in einem ‚entweder – oder‘ , also in der Akzeptanz von zwei Haushalten und Nestern enden.

Ängste und Sorgen. Neben den aktuellen Sorgen können die Kinder von Zukunftsängsten geplagt sein. Ziel ist, mit der Angst umgehen zu lernen, und Regie darüber zu führen. Schutzorte und Schutzwesen können die Kinder hilfreich begleiten.

Wut und Aggression. Die Berechtigung von Aggressionen und der Umgang damit stehen im Mittelpunkt.

Familie – Stieffamilie – Patchworkfamilie. In diesem Kapitel plädiert die Autorin für das Gewähren von viel Zeit, um neue Familienformen zu bilden. Die Veränderungen vor, während und nach dem Gründen einer neuen Familie brauchen viel Zeit.

Im Anhang wird noch kurz die Möglichkeit von Mediation gestreift, was die Autorin als ihre Herzensangelegenheit begreift, um weiteres Leid abzuwenden und bestenfalls eine Win-Win Lösung zu erzielen.

Diskussion

Susanne Strobach hat selbst Scheidungserfahrung, Beispiele aus dem Erleben mit ihrem Sohn fließen ein. Die Rolle und Funktion, ob man als beteiligte oder unbeteiligte Erwachsene Kindern beisteht, ist eine grundverschiedene.

Manchen Interpretationen der Autorin kann die Rezensentin nicht folgen (S.11): So glaube ich etwa, dass sich ein Kind gerade einer fremden, und damit unbeteiligten Person eher anvertrauen könnte, und dass dies nicht Ausdruck davon sein muss, wie groß der Druck für das Kind im Moment ist. Es könnte auch sein, dass das Thema Scheidung nicht mehr so tabuisiert ist wie früher, und damit auch leichter darüber gesprochen werden kann. Insgesamt zeugt es von lebendigem Austausch, wenn Befindlichkeiten zwischen Kindern und Eltern und Kindern und PädagogInnen oder auch zwischen den Erwachsenen selbst ausgetauscht werden können.

Die Bedeutsamkeit der Besuchserlaubnis wird mehrmals hervorgehoben. In manchen Geschichten fungieren ErzieherInnen als MittlerInnen zur Bewerkstelligung und Wiederaufnahme von Besuchskontakten. Es bleibt dahin gestellt, ob es wohltuende Lösungsideen in Märchen sind, die der Verarbeitung eigener Probleme dienen oder tatsächliche Anregungen zur realen Umsetzung sein sollen. Eine solche müsste wohlüberlegt sein, wohl kaum hinter dem Rücken von Beteiligten.

Manche plakative Wahrheiten sind für Eltern mit Schuldgefühlen vielleicht nicht hilfreich zu lesen. Auch verkürzte Allgemeinplätze, wie „die plötzlich berufstätige Mutter“ sind nicht mehr ganz zeitgemäß. Resilienzen und gelungene Verarbeitungen ausführlicher darzustellen, wäre an mancher Stelle zielführender gewesen.

Die verschiedenen Methodenvorschläge gewährleisten unterschiedlichen LeserInnen eine persönliche Auswahl. In der Begleitung ihrer Kinder ist für Eltern eine versöhnliche Haltung gegenüber ihrem Ex-Partner wichtig. Es gibt viele Verweise auf hilfreiche Bilderbücher zum Thema, die inzwischen zahlreich erhältlich sind.

Da viele Methodenvorschläge Elemente und Merkmale der Biographiearbeit beinhalten, wäre das Buch auch für die Arbeit von SozialpädagogInnen im Unterbringungskontext geeignet.

Fazit

Das Buch ist ein positiver Ratgeber und sehr praxistauglich. Es ist für beide Zielgruppen – PädagogInnen und Eltern gut lesbar, gewinnbringend und empfehlenswert.

Mit Anregungen in den Übungsanleitungen wird gespart. So sind die Übungen, abgesehen von der elterlichen Rollenkonfusion, wohl eher von Personen anzuleiten, die selbst einen Beruf im psychosozialen oder pädagogischen Bereich haben. Beim Malen von Bildern oder immer wieder angebotenen kleinen Aufstellungen etwa, gilt es zu beobachten und nicht zu interpretieren. Eine fehlende diesbezügliche Grundausbildung könnte unter Umständen einen Schaden anrichten.

Bei den abgedruckten Geschichten bezieht sich die Autorin auch auf ein Literaturverzeichnis, während bei vielen Methodenanleitungen Quellenangaben fehlen. Insbesondere wurde das Buch von der Arbeit von Rainbows www.rainbows.at beeinflusst. Dieser Verein bietet themenzentrierte Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche in stürmischen Zeiten, die von Trennung oder Scheidung der Eltern oder dem Verlust durch Tod eines nahen Angehörigen betroffen sind.


Rezensentin
Magª (FH) DSA Christine Haselbacher
FH-Dozentin, Bereich Soziale Arbeit, Fachhochschule St. Pölten GmbH
Homepage www.fhstp.ac.at
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Zitiervorschlag
Christine Haselbacher. Rezension vom 06.01.2012 zu: Susanne Strobach: Scheidungskindern helfen. Juventa Verlag (Weinheim) 2011. 2., aktualisierte Auflage. 160 Seiten. ISBN 978-3-7799-2037-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/439.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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