Axel Schlote: Du liebe Zeit! Erfolgreich mit Zeit umgehen
Axel Schlote: Du liebe Zeit! Erfolgreich mit Zeit umgehen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2002. 152 Seiten. ISBN 978-3-407-36106-6. 14,90 EUR.
Reihe Beltz on top.
Das Thema
Sensibel und schonend mit sich selbst und der eigenen Zeit umgehen — dazu will Axel Schlote in seinem Buch Begründungen und Hilfestellungen geben.
Der Autor/ der Hintergrund
Axel Schlote, geb. 1968, ist als promovierter Diplom-Sozialwirt in der Hauptsache als Redakteur und Autor tätig. Schon sein 2000 erschienenes Buch "Zeit genug! Wege zum persönlichen Zeitwohlstand" habe ich mit Interesse und Gewinn gelesen.
Der Inhalt
In kürzerer Zeit schneller, weiter und höher — diese alte Leitlinie des Zeitmanagements hat ausgedient. Wo Wohlstand noch mit Geld haben gleichgesetzt wird, gilt: Zeit ist Geld. In der Folge wird mit Zeit geizig umgegangen und mit Druck, Anfeuern, Fremd- und Selbstdisziplinierung möglichst viel in möglichst wenig Zeit hineingepresst.
Für Schlote führt ein solcher Umgang mit Arbeit und Zeit in den gesundheitlichen und seelischen Ruin. Dabei ist unser heutiger Umgang mit Zeit nicht naturgegeben, sondern Ergebnis einer ganz speziellen Erziehung und eines speziellen gesellschaftlichen Lebensstils, der nach einer Neuorientierung verlangt. "Zeit ist kein Schicksal" sagt Schlote.
Er definiert Wohlstand als Zeit-Wohlstand. Wer Zeit und Muße hat, gelassen ist und alle wichtigen Lebensbereiche pflegen kann, ist reich. In einer Zeit, in der wir nicht mehr arbeiten, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um immer mehr Geld aufzuhäufen, muss ein solcher Umgang mit Zeit erst wieder gelernt werden.
Die meisten Zeitprobleme — so Schlote — haben strukturelle Ursachen. Über diese gesellschaftlichen Zwänge lohnt es sich klar zu werden, ehe wir — wie es uns das klassische Zeitmanagement lehrt — uns mit unserem persönlichen Versagen beschäftigen. Da, wo wir den Grund für unsere Hektik und Unzufriedenheit bei uns selbst sehen, lohnt sich eine Auseinandersetzung damit, zu welchem Zeit-Typ wir gehören, wie unser persönlicher Biorhythmus verläuft und was wir individuell brauchen, um gelassen, konzentriert, angeregt und kreativ arbeiten zu können.
Für ein erfülltes Leben benötigen Menschen Zeit. Zeit für wichtige Übergänge (Abschied und Neuanfang), Zeit für persönliche Beziehungen, Zeit, sich ganz einer Sache zu widmen, aber auch Zeit für Spontanes und Ungeplantes. Mit Check-Listen und Fragen gibt Schlote der Leserin und dem Leser die Möglichkeit, sich unterschiedlichen Zeit-Typen zuzuordnen und erste Schritte zu einer veränderten Lebensführung und Einstellung auszuprobieren. Das mag für die Eine das Experiment sein, einmal 5 Minuten zu spät zu kommen, für den anderen das Experiment, so lange an einer Arbeit zu bleiben, bis diese gut abgeschlossen werden kann.
Schlote plädiert für einen anderen Umgang mit den drei Zeitdimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:
Klassische Zeit- und Lebensplanung beschäftigt sich entsprechend ihrer linearen Zeitvorstellung sehr mit erstrebenswerter Zukunft und mit Zielen. Hier argumentiert Schlote, dass das ständige Jagen nach Zielen die Qualität der Gegenwart vergessen lässt. Wer Jahre nur Zielen und einer schönen Zukunft hinterher gerannt ist, bleibt schließlich außer Atem stehen und blickt am Ende wehmütig auf die Vergangenheit zurück. Schlote plädiert dafür, ganz in der Gegenwart zu leben und im Fluss des Lebens deren Früchte zu ernten. Für eine Person, die so lebt, ist zum Beispiel das Warten in Warteschlangen geschenkte Zeit, in der sie Mitmenschen beobachten, meditieren oder anders ihren Gedanken nachhängen kann.
All diese Themen werden von Schlote mit ausgewählten Lese-Empfehlungen behandelt. AutorInnen, die — wie Schlote selbst — ein gelassenes Leben in der Gegenwart propagieren, werden sehr empfohlen, während andere KollegInnen aus dem klassischen Zeitmanagement (z.B. L. Seiwert) auch dann hart kritisiert werden, wenn sie inzwischen eher auf gleicher Wellenlänge arbeiten.
Ergänzt werden Schlotes praxistheoretische Ausführungen durch eine große Anzahl von Check-Listen und Fragebögen. Diese laufen allerdings weniger auf eine Auswertung hinaus ("Das ist Ihr Zeit-Typ:"), sondern sollen die LeserInnen zum Nachdenken und Reflektieren anwenden. Wirksamkeit können diese Fragen m. E. aber nicht in der Einzel-Lektüre entfalten. In ihrer Anlage brauchen sie das Gespräch mit anderen Personen und erscheinen mir eher geeignet, im Rahmen eines Seminars oder in einer kollegialen Lerngruppe zum Thema bearbeitet zu werden.
Ein kleiner Wermutstropfen bei diesem in der Reihe "Beruf und Karriere" bei Beltz erschienenen Buch: Am Ende jedes Kapitels findet sich eine Zusammenfassung — durchaus hilfreich für die Vertiefung des Gelesenen. Dass diese Zusammenfassung jedoch jeweils die Überschrift trägt: "Für die Eiligen: Kurz gefasst" — und damit suggeriert, das Buch könne auch gut im Schnelldurchlauf erfasst werden, wirkt in einem Band über Gelassenheit bizarr.
Zielgruppen und Fazit
Sicher ein interessantes Buch für alle, die Denk-Anregungen für ihren eigenen Umgang mit Zeit suchen oder mit Menschen gutes Leben in der Zeit trainieren.
Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
FH University of Applied Sciences Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt "Beruf und Burnout-Prävention"
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 01.01.2003 zu: Axel Schlote: Du liebe Zeit! Erfolgreich mit Zeit umgehen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2002. 152 Seiten. ISBN 978-3-407-36106-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/444.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.
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