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Hugo Martin Kehr: Souveränes Selbstmanagement

Cover Hugo Martin Kehr: Souveränes Selbstmanagement. Ein wirksames Konzept zur Förderung von Motivation und Willensstärke. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2002. 181 Seiten. ISBN 978-3-407-36026-7. 19,90 EUR.

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Das Thema

Selbstmanagement — das meint die Fähigkeit, Ziele, Möglichkeiten und Motivation in Einklang zu bringen und den Willen aufzubringen, danach zu handeln.

Hugo M. Kehr bezeichnet sein Buch als Arbeitsbuch. Aus meiner Sicht verfolgt er mit seinem Band zwei Ziele: Er will

  • auf der Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der klassischen Motivationspsychologie und der neueren Willenspsychologie über Selbstmanagement informieren, eine populäre Kurzfassung seiner wissenschaftlichen Arbeiten präsentieren und
  • durch eine Übungsreihe für Training und Selbsthilfe Unterstützung für das Selbstmanagement der Leserin geben.

Der Autor/ der Hintergrund

Hugo M. Kehr ist diplomierter Betriebswirtschaftler und promovierter und habilitierter Psychologe. Zurzeit ist er als Gastwissenschaftler in Berkeley tätig. In den 90er Jahren nahm Hugo M. Kehr an einem Forschungsprojekt teil, das unter dem Oberbegriff "Wissen und Handeln" die Relevanz von Motivation und Wille für den Erfolg von Führungskräften untersuchte. An diesem Projekt war neben anderen WissenschaftlerInnen auch Lutz von Rosenstiel, ein bekannter systemischer Motivationsexperte beteiligt. Aus den Erkenntnissen des Projektes wurde ein Selbstmanagement-Training entwickelt, das in Teilen auch in das vorliegende Buch eingeflossen ist.

Der Inhalt

Wenn Vorsätze sich nicht umsetzen lassen, es an Motivation oder Willenskraft mangelt, dann widersprechen nach neuen Erkenntnissen der Motivations- und Willenspsychologie häufig die expliziten Ziele den impliziten Motiven — Kopf und Bauch wollen unterschiedliche Dinge. Dies kann als Handlungskonflikt erlebt werden, der und lähmt und unsere Ziele vereitelt.

Ideal ist dagegen, wenn sich implizite Motive (Bauch) und explizite Ziele (Kopf) in einer Schnittmenge treffen. Dann entsteht intrinsische Motivation und Ziele können ohne spezielle Willensanstrengung verfolgt werden.

In einem ersten Teil mit praktischen Übungen erforscht Hugo M. Kehr zunächst den "Kopfbereich", unsere expliziten Ziele. Er geht der Frage nach, wie Ziele beschaffen sein sollten, um ihnen optimale Chancen zur Erreichung zu sichern und widmet sich in einem originellen Modell verschiedenen Zielkonflikten. Anhand von Checklisten und Fragen kann die Leserin ihre eigenen Ziele nach den unterschiedlichen Kriterien untersuchen.

Ist der Bereich unserer expliziten Ziele durch vernünftige Überlegungen zu ändern, sieht es im Bereich der impliziten Motive, dem "Bauch"bereich, schon schwieriger aus. Hugo M. Kehr unterscheidet grob Anschluss-, Macht- und Leistungsmotive und diese jeweils in einer Hoffnungs- und einer Furchtkomponente. Die hier angelegten Vorlieben und Orientierungen sind weitgehend unbewusst und im Laufe der Biografie als sinnvolle Strategien entstanden. Eine Veränderung ist sehr schwierig und häufig auch nicht zweckmäßig, so dass Kehr dafür plädiert, bei einem Konflikt zwischen Ziele und Motiven eher die Ziele zu ändern. Auch in diesen Kapiteln kann sich die Leserin anhand von Fragen und Übungen selbst einschätzen.

Wille ist der Sammelbegriff für verschiedene Strategien, mit denen sich Handlungsbarrieren überwinden lassen. Die Fähigkeit, innere Barrieren zu überwinden, ist eine wertvolle Fähigkeit, die in vielen Kulturen eingeübt wird (z.B. durch Initiationsriten). Willensstärke ist grundsätzlich trainierbar. Wenn wir unsere Vorsätze nicht umsetzen, gibt es meist Hindernisse in einem der folgenden Bereiche:

  • Motivationskontrolle
  • Emotionskontrolle
  • Aufmerksamkeitskontrolle
  • Erregungskontrolle
  • Entscheidungskontrolle.

Die Leserin kann mit einem Test feststellen, in welchem Bereich sie ihren Willen stärken könnte und erfährt in praktischen Übungen, wie sie ihre persönlichen Handlungsbarrieren überwinden kann.

Wille ist jedoch nicht das nun plus ultra. Wer alle seine Ziele diszipliniert verfolgt und wie z.B. ein Workaholic seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr sieht, ist in der Gefahr der Überkontrolle, die als autoritäre Form der Selbstkontrolle die Balance im Leben gefährdet. Auch hier kann die Leserin anhand eines Tests ihre persönliche Gefährdung abschätzen und Übungen auswählen, die die Gefahr einer Überkontrolle verringern.

In seinen letzten Kapiteln plädiert Hugo M. Kehr dafür, Kopf und Bauch häufiger zur Deckung zu bringen, also in Entscheidungssituationen diejenigen Ziele zu bevorzugen, die den eigenen impliziten Motiven entsprechen. Er gibt konkrete Hilfestellungen dafür, wie im Einzelfall Entscheidungen zu treffen sind und Handlungsabläufe optimal zu planen sind. Schließlich plädiert Hugo M. Kehr noch dafür, unangenehme Gefühle zu rehabilitieren. Sie geben oft wichtige Hinweise auf unsere Motivationslage und dienen als Warnhinweise, die genutzt werden können.

Umfangreiche Literaturangaben ergänzen den Band.

Zielgruppen und Fazit

Flüssig geschrieben und durchaus anspruchsvoll präsentiert Hugo M. Kehr sein Wissen uns seine Trainingserfahrung in prägnanter Form. Interessant und lehrreich für alle, die — z.B. als AusbilderInnen, (Hochschul-)Lehrerinnen, TrainerInnen und Führungskräfte — mit der Motivation von Menschen befasst sind. Auch geeignet als informatives Arbeits- und Selbsthilfebuch für Menschen, die ihre Motivation und Willensstärke ausbauen möchten.


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
FH University of Applied Sciences Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt "Beruf und Burnout-Prävention"
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 31.12.2002 zu: Hugo Martin Kehr: Souveränes Selbstmanagement. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2002. 181 Seiten. ISBN 978-3-407-36026-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/446.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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