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Ulrich Stascheit, Elwine Turk: Leitfaden für Arbeitslose

Ulrich Stascheit, Elwine Turk: Leitfaden für Arbeitslose. Der Rechtsratgeber zum SGB III. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2004. 21., aktualisierte Auflage. 592 Seiten. ISBN 978-3-936065-16-9. 11,00 EUR.
Herausgegeben vom Arbeitlosenprojekt TuWas. Stand: 1.1.2004.

Anmerkung der Redaktion: Die folgende Rezension basiert auf der 20. Auflage.

Zielkonzept

Dieses immer wieder überarbeitete Buch ist als Rechtsratgeber zum SGB III, dem früheren Arbeitsförderungsgesetze (AFG) konzipiert. Im Fachhochschulverlag der Fachhochschule Frankfurt erscheinen noch weitere, ähnlich orientierte Praxis- und Rechtsratgeber zu sozialpolitisch und sozialarbeiterisch wichtigen Handlungsbereichen. Sie zielen überwiegend darauf ab, sozialrechtliches Grundlagenwissen handlungsorientiert für Beschäftigte in sozialen Berufen aufzubereiten. So werden neben dem Leitfaden für Arbeitslose auch eine Gesetzessammlung "Arbeitslosenrecht" sowie "Sozialhilfe für Arbeitslose" angeboten. Weitere Leitfäden gibt es zur Drogen- und Pflegeproblematik, Patientenverfügung und Betreuungsrecht.

Inhaltliches und konzeptionelles Profil

Der im Rahmen des Arbeitslosenprojekte TuWas herausgegebenen Rechtsratgeber fokussiert die umfangreichen Regelungen des SGB III unter dem Aspekt der praktischen Relevanz für Arbeitnehmer und Arbeitslose. Nicht die Pargraphenfolge des Gesetzes ist das Webprinzip, sondern die problem- und fallorientierte Aufklärung über die Rechtsgrundlagen. Die Gliederung orientiert sich an praktischen Fragestellungen und Problemen Arbeitsloser oder von Arbeitslosigkeit bedrohter Personengruppen. Gliederungspunkte lauten z.B.:

Wer ist arbeitlos, wer bekommt Arbeitslosengeld, Zumutbarkeitsregelung, Höhe des Arbeitslosengeldes, Dauer des Arbeitslosengeldes, Arbeitslosenhilfe, Anrechnung von Nebeneinkommen, Sperrzeiten, Kurzarbeitergeld Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit, Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds, Widerspruch und Klage.

Zum Konzept des Leitfadens, das wohl in der Bundesrepublik einzigartig ist, gehören auch kritische sozialpolitische Stellungnahmen. Kombi-Löhne und Mainzer Modell werden in ihrer Wirksamkeit zu recht sehr kritisch bewertet. Informativ ist auch die Darstellung der quantitativen Inanspruchnahme der verschiedenen Kombilohnmodelle ( S. 61) .

Sozialpolitische Bewertungen enthält der Ratgeber auch zu anderen wichtigen Aspekten der Arbeitsmarktpolitik: Die Arbeitsverwaltung stellt sich für die Arbeitsuchenden immer noch als hoheitlich handelnde Behörde dar, gegen die Arbeitslose häufig ihr Recht einklagen müssen. Dies wird am Beispiel der Sperrzeiten gut sichtbar: "Oft beachten die Arbeitsämter nicht die gesetzlichen Voraussetzungen für die Verhängung einer Sperrzeit; vor allem bei der Sperrzeit wegen Arbeitsplatzverlust wird meist von den Angaben der Arbeitgeber ausgegangen und die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen einer Kündigung werden vielfach nicht geprüft" (S . 239). Sehr hilfreich ist in diesem Kontext eine Sammlung von Urteilen der Sozialgerichte über die Rechtsprechung im Zusammenhang mit Sperrzeiten (S. 266).

Aktualität und Nutzwert

Es ist ein Markenzeichen des Leitfadens, daß er von den AutorInnen regelmäßig auf den neusten Stand gebracht wird. Die LeserInnen können sich darauf verlassen, daß die aktuelle Gesetzgebung und Rechtsprechung eingearbeitet wird. In der 19. Auflage ist dies u.a. das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) — Rehabilitation sowie das Job-AQTIV-Gesetz. In früheren Auflagen ist bereits die europäische Dimension berücksichtigt worden. Aktuell wird auf der Basis des Förderzeitraumes 2000 — 2006 ausführlich berichtet.

Der Leitfaden ist mehr als der recht bescheidene Titel andeutet. Er hat sich an Hochschulen, insbesondere an Fachhochschulen zum Standardwerk über den Leistungsbezug bei Arbeitslosigkeit entwickelt. Gerne greifen auch Anwälte und Arbeitslosenzentren auf diese zuverlässige und engagierte Rechtshilfe zurück.

Fazit

Der Leitfaden für Arbeitslose ist für Hochschule und Praxis ein wichtiges Handbuch, das an Aktualität und Praxisnähe kaum zu überbieten ist. Gelegentliche frühere Schwächen sind verschwunden. Kritisch zu bemerken bleibt eigentlich nur das nicht immer ganz einsehbare Gliederungsprinzip. Diese Schwäche wird jedoch kompensiert durch das ausführliche Stichwortverzeichnis. Bleibt noch das günstige Preis- / Leistungsverhältnis hervorzuheben. Fast 600 Seiten für 11.00 EUR sind fast unschlagbar.

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension beruht auf der 19. Auflage.

Rezensent
Prof. Dr. Klaus Hofemann
Fachhochschule Köln, FB Sozialpädagogik
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Zitiervorschlag
Klaus Hofemann. Rezension vom 02.09.2002 zu: Ulrich Stascheit, Elwine Turk: Leitfaden für Arbeitslose. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2004. 21., aktualisierte Auflage. 592 Seiten. ISBN 978-3-936065-16-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/465.php, Datum des Zugriffs 06.09.2010.


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