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Ruth Frei: Jung im alten Körper

Cover Ruth Frei: Jung im alten Körper. Umgang mit dem alternden Körper in einer jugendorientierten Gesellschaft. Edition Soziothek (Rubigen) 2007. 142 Seiten. ISBN 978-3-03-796139-1. 22,40 EUR, CH: 34,60 sFr.

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Thema und Hintergrund

Das vorliegende Buch ist die Veröffentlichung einer Diplomarbeit an der HSA Bern. Die Autorin stellt in den einleitenden Ausführungen fest, dass es in der gerontologischen Forschung bislang wenig Untersuchungen gibt, die sich damit auseinandersetzen, wie alte Menschen sich und ihren alternden Körper erleben. Es gäbe auch wenig Hinweise darauf, ob der Umgang mit dem Körper durch Jugendlichkeitsanforderungen der Gesellschaft beeinflusst wird. Ausgehend von diesen Vorüberlegungen, wird im Rahmen einer qualitativen Untersuchung (Interviews) gefragt, wie Menschen mit den Veränderungen ihres Körpers und mit gesellschaftlichen Forderungen nach Jugendlichkeit und Schönheit umgehen. Grundlage für die Interviews ist die Auseinandersetzung mit den Angeboten der Schönheits- und Anti-Aging-Medizin und die Frage danach, was "Jung-Sein" in unserer Gesellschaft bedeutet. Ziel der Untersuchung sei es, persönliche Meinungen einzelner Menschen zum Umgang mit dem jungen und dem alternden Körper zu erfassen und diese unter dem Gesichtspunkt gesellschaftlicher Zusammenhänge zu betrachten. Der  persönliche Bezug zum Thema ist die Tatsache - so die Autorin - dass sie als gut fünfzigjährige Frau selbst mit den Alterungserscheinungen ihres Körpers konfrontiert ist und sie zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema motiviere.

Zielgruppen

Als Zielgruppen können Personen genannt werden, die sich für das Thema Altern und Alt-Sein interessieren oder, wie die Autorin, sich mit dem Thema beschäftigen wollen weil sie älter geworden sind. Zu den Zielgruppen gehören ferner Schülerinnen und Schüler in der Fachausbildung zur Kranken- und Altenpflege, Studentinnen und Studenten der Gerontologie, Pflegewissenschaften, Sozialarbeit und vergleichbaren Studiengängen, sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Fort- und Weiterbildung z.B. zur Team- oder Pflegedienstleitung.

Aufbau und Inhalt

Zunächst beschreibt und analysiert die Autorin präzise das Thema, konzentriert sich des weiteren theoretisch auf eine Kurzfassung und Bewertung der relevanten psychosozialen Alternsmodelle, Anti-Aging-Medizin, Wandel der Altersbilder, körperliche Veränderungen im Prozess des Alterns und fragt im empirischen Teil (Interviews) danach, wie Frauen und Männer in einer Gesellschaft, die sich am Bilde Jugendlichkeit orientiert, mit körperlichen Veränderungen des Alterns umgehen.

Bei der auch quantitativ umfassenden Befragung (ab Seite 35) werden angepasste Methoden gewählt:

  • Die Sichtweise der Schönheits- und Anti-Aging-Medizin: welche Haltung vertritt sie in Bezug auf den Umgang mit dem Altwerden? Experteninterviews; fokussierte Beobachtung/Interview
  • Die Sichtweise junger Menschen: Focusgruppengespräche, um aufzuzeigen, was unter dem Jung-Sein in unserer Gesellschaft zu verstehen ist
  • Die Sichtweise älterer Menschen: Einzelinterviews, um zu erforschen, wie Menschen mit dem alternden Körper umgehen.

Die Befragung orientiert sich am systemtheoretischen Modell der Lebensbereiche nach Kalbermatten (2002). Dieses einfache Modell geht davon aus, dass menschliches Handeln nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit den Einflüssen der Umwelt betrachtet werden muss. Diese Erkenntnis ist alles andere als neu, eher trivial, aber vor dem Hintergrund der Befragung, im Rahmen einer Diplomarbeit, (noch) vertretbar. Die Datenerhebung selbst erstreckt sich über einen Zeitraum von drei Monaten.

Diskussion

Titel und Einleitung der 126-seitigen Arbeit (plus Literaturverzeichnis und Anhang) vermitteln zunächst den Eindruck, als könne man beim Lesen vorrangig journalistische Betroffenheit an der Grenze zu wissenschaftlichen Begründungszusammenhängen erwarten. Dieser Eindruck kann korrigiert werden. Das mag in Verbindung stehen mit der Kompetenz der Autorin, der erfolgten Fachberatung, oder an beidem: die fachspezifisch (medizinisch) und fachübergreifenden (psychosozial) Betrachtungen sowie theoretischen Argumentationslinien begründen gut das Thema der Arbeit und führen konsequent zur spezifischen Entwicklung des strukturierten Fragebogens. Die Durchführung der Interviews sowie Interpretation der Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind informativ und - "unwissenschaftlich" formuliert - teilweise spannend.

Fazit

Insgesamt erlaubt die Qualität der Arbeit einen umfassenden Diskurs und ist insbesondere für die genannten beruflichen Zielgruppen eine methodisch-diaktisch gute Grundlage für weitere Gespräche. Ein empfehlenswertes Buch.


Rezensent
Prof. Dr. Wilhelm Frieling-Sonnenberg
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Zitiervorschlag
Wilhelm Frieling-Sonnenberg. Rezension vom 21.01.2008 zu: Ruth Frei: Jung im alten Körper. Edition Soziothek (Rubigen) 2007. 142 Seiten. ISBN 978-3-03-796139-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4698.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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