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Rolf Arnold (Hrsg.): Qualitätssicherung in der Berufsbildungszusammenarbeit

Cover Rolf Arnold (Hrsg.): Qualitätssicherung in der Berufsbildungszusammenarbeit. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2002. 135 Seiten. ISBN 978-3-7890-7955-9. 23,00 EUR, CH: 40,40 sFr.

Studien zur Vergleichenden Berufspädagogik, Band 17, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH.

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Einführung in Thema und Zielsetzung des Buchs

Während einerseits auf europäischer Ebene das so genannte "lebensbegleitende Lernen" propagiert wird, hat sich andererseits in den Mitgliedsstaaten ein unüberschaubarer beruflicher Weiterbildungsmarkt entwickelt. In dessen bunter Vielfalt unterschiedlichster Angebote können sich selbst Menschen, die sich professionell mit beruflicher Weiterbildung in Wissenschaft und Praxis beschäftigen, kaum noch orientieren und eine Entscheidung auf einer zumindest teilweise sicheren Informationsbasis über die Qualität der zur Auswahl stehenden Angebote treffen. Dabei geht es nicht nur um die potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Weiterbildungsveranstaltungen, sondern die sichere Informationsbasis ist auch für politische Entscheidungen von zentraler Relevanz, da berufliche Weiterbildungsangebote im Rahmen von nationaler und europäischer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik auf der einen und internationaler Entwicklungspolitik auf der anderen Seite gefördert bzw. finanziert werden.

Vor diesem Hintergrund leistet Rolf Arnold mit den von ihm herausgegebenen fünf Beiträgen von einer Autorin und acht Autoren einen bedeutsamen Überblick zu den vorhandenen nationalen, transnationalen und internationalen Ansätzen zur Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit in der Weiterbildung und Berufsbildungszusammenarbeit. Insgesamt gliedert sich der Band in drei große Themenkomplexe.

Inhaltsübersicht

  • Obwohl der erste Themenkomplex die Überschrift trägt: "Grundlegende Probleme der Qualitätsbewertung und —messung in der internationalen beruflichen Bildung", zeichnen Elisabeth M. Krekel und Edgar Sauter zunächst die bundesdeutschen Ansätze und Perspektiven zur Qualitätssicherung in der beruflichen Weiterbildung sowohl in ihrer historischen als auch aktuellen Entwicklung nach. In komprimierter Form gelingt es ihnen, nicht nur die unterschiedlichen Ansätze wie vergleichende Bildungstests, staatliche Zulassungen u. a. in einem gut lesbaren Überblick darzustellen, sondern sie erläutern auch kurz und knapp die den jeweiligen Ansätzen zugrunde liegenden Paradigmata in der bundesdeutschen Entwicklung. Die Begrenzung auf die nationale Perspektive löst der zweite, in Englisch verfasste Beitrag in diesem ersten Themenkomplex von Claudio de Moura Castro auf. Er skizziert die beiden gegensätzlichen Ansätze, die innerhalb der Weltbank die Qualitätsdebatte zur Bildungszusammenarbeit bestimmen: Während die eine Position des "Economists" die bildungsökonomischen Aspekte der Nachfrageorientierung und des Wettbewerbs betont, steht für die andere Position des "Trainers" die "detailversessene und qualitätsorientierte Haltung des Lehrpersonals" (S. 7) im Mittelpunkt.
  • Im zweiten Themenkomplex "Erfahrungen mit der Anwendung konkreter Qualitätssicherungs-Ansätze" findet sich der Beitrag von Thomas Stahl und Eckhardt Severing. Sie ermöglichen einen aufschlussreichen Einblick in die auf europäischer Ebene diskutierten Konzepte zur Qualitätssicherung in der beruflichen Weiterbildung und die dazu jeweils vorhandenen Erfahrungen. Dabei vernachlässigen sie nicht die kritische Auseinandersetzung mit den Erfahrungen und Entwicklungen auf europäischer Ebene.
  • Der dritte Themenkomplex "Qualität und Nachhaltigkeit in der Berufsbildungszusammenarbeit" enthält zwei Beiträge: Manfred Wallenborn leistet für die Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der Entwicklungspolitik einen paradigmatischen Beitrag. Aus systemtheoretischer Sicht fordert er für die Politikgestaltung am Beispiel des Feldes der Berufsbildungszusammenarbeit die Abkehr von qualitätszertifizierenden Verfahren und plädiert für ein systemisch-prozessuales Vorgehen. Im Gegensatz zu diesen metatheoretischen Überlegungen von Manfred Wallenborn wenden sich Rolf Arnold, Konrad Faber und Uwe Wieckenberg "Verfahren und Instrumenten einer pragmatischen Qualitätssicherung in der Berufsbildungszusammenarbeit" zu. Sie entwickeln fünf beschreibende und fünf analytische Kriterien, mit denen sie zehn national und international ausgewählte Qualitätsmanagementsysteme vergleichen und in einer Matrix gegenüberstellen (S. 104ff.). Da die zehn von den Autoren ausgewählten Qualitätsmanagementsysteme diejenigen sind, die aktuell die Debatte in der Berufsbildungspraxis bestimmen, leisten Rolf Arnold, Konrad Faber und Uwe Wieckenberg mit diesem Vergleich einen bedeutsamen Beitrag für eine ‚bessere Praxisgestaltung’, zumal sie bei diesem Vergleich nicht stehen bleiben, sondern daraus ein "Haus der Berufsbildungsqualität" (S. 110) entwickeln. Dieses "Haus" besteht aus 25 Elementen und führt die "best practices" der miteinander verglichenen nationalen und internationalen Ansätze zur Qualitätssicherung zusammen.
  • Fazit

    Auf nur 129 Textseiten gelingt es Rolf Arnold mit den von ihm zusammengestellten Beiträgen einen facettenreichen Einblick in die Qualitätssicherungsdebatte auf nationaler, transnationaler und internationaler Ebene zu geben und dabei den Bogen von konkreten Entscheidungs- und Arbeitshilfen für die Praxis auf der einen und grundlegenden paradigmatischen Überlegungen auf der anderen Seite zu spannen. Der Sammelband wird damit interessant sowohl für die Wissenschaft als auch für die politische, bildungsökonomische und pädagogische Praxis der beruflichen Weiterbildung auf nationaler und internationaler Ebene. Auch Studierende der Berufs-, Wirtschafts- und Sozialpädagogik können darin bedeutsame Anregungen finden, wobei sich die Einbindung in eine entsprechende Lehrveranstaltung empfiehlt, weil durch die Kürze und Prägnanz der einzelnen Beiträge einerseits die sprachliche Gestaltung stellenweise recht anspruchsvoll ist und andererseits zahlreiche Detailinformationen vorausgesetzt werden, die für das bessere Verständnis von Novizen noch hilfreich sein könnten.


    Rezensentin
    Prof. Dr. Ruth Enggruber
    Fachhochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
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    Zitiervorschlag
    Ruth Enggruber. Rezension vom 12.11.2002 zu: Rolf Arnold (Hrsg.): Qualitätssicherung in der Berufsbildungszusammenarbeit. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2002. 135 Seiten. ISBN 978-3-7890-7955-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/478.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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