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Gerd Dembowski, Jürgen Scheidle (Hrsg.): Tatort Stadion

Cover Gerd Dembowski, Jürgen Scheidle (Hrsg.): Tatort Stadion. Rassismus, Antisemitismus und Sexismus im Fußball. PapyRossa Verlag (Köln) 2002. 216 Seiten. ISBN 978-3-89438-238-4. 12,90 EUR.
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Überblick

Rassismus, Antisemitismus und Sexismus sind im Fußball allgegenwärtig. Meist jedoch beschränkt sich der öffentliche Diskurs auf das Handeln der Fangruppen — auf die rassistischen und fremdenfeindlichen Sprüche, Gesänge und Transparente in der Stadionkurve und das Auftreten vor und nach dem Spiel. Die rassistischen Tendenzen in den Vorständen der Fußballclubs, in den Äußerungen von Trainern und Spielern oder in der medialen Fußball-Berichterstattung werden dabei meist ausgeblendet.

Der Sammelband ist der Versuch eines Gegenentwurfes. Er zeigt, wie sich in allen Bereichen des Fußballmilieus rassistische, antisemitische und sexistische Tendenzen ausprägen. Die Autor/innen, viele von ihnen selbst in Fan-Projekten verschiedener Vereine tätig, tun dies mit praxisgesättigten Detailkenntnissen und Erfahrungen über Struktur und Funktionsweise des Profi- und Amateurfußballs auf nationaler und internationaler Ebene. Am Beispiel des Massenphänomens Fußball wird gezeigt, dass sich rassistische und antisemitische Ressentiments nicht auf die rechte Fußballszene beschränken, sondern dass sie stark in der 'Mitte der Gesellschaft' verankert sind.

Das Buch vertieft die gleichnamige Wanderausstellung des Bündnissen Aktiver Fußballfans (BAFF).

Aufbau und Inhalte

Der erste Teil des Buches umreißt in elf Beiträgen Facetten und Varianten von Rassismus, Antisemitismus und Sexismus in den verschiedenen Bereichen des Fußballmilieus. Dabei werden u.a. thematisiert: Nationalismus und Antisemitismus bei Länderspielen und im DFB, rassistische Tendenzen in der medialen Berichterstattung, die öffentliche Diskussion um die Begrenzung ausländischer Spieler bei Proficlubs, Stadionbefragung zu Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, die rechte Fußballszene in Italien, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus im Amateurfußball, Sexismus im Stadion und Schwulenfeindlichkeit im Fußballmilieu.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit Projekten und Möglichkeiten der Gegenbewegung gegen Rassismus im Fußball. Es werden beispielhaft vier Projekte vorgestellt: das Bündnis aktiver Fußballfans, die Schalker Fan-Initiative, das antirassistische Fußballprojekt Roter Stern Leipzig und die interdisziplinäre Arbeitsgruppe zur Bekämpfung rechter Umtriebe im Fußballumfeld. Es zeigt sich, dass die Überwindung von Rassismus und Ausgrenzung im Fußball, keine Sache von einmaligen Kampagnen oder ein vereinzelten Projekten sein kann. Vielmehr muss dies über einen umfassenden und kontinuierlichen Prozess geschehen, der die bestehenden Projekte vernetzt und alle gesellschaftlichen Bereiche mit einbezieht.

Fazit:

Ein interessanter und lesenswerter Band für sozialwissenschaftlich Interessierte und für alle, die einen kritischen Blick hinter das "salonfähige Fußballbild der Kommerzindustrie" werfen wollen. Für Praktiker/innen, die in Fan-Projekten und in der Jugendarbeit tätig sind, gibt das Buch einen facettenreichen und fundierten Einblick in die Szene.


Rezensent
Dipl. Päd. Thomas Putz
wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Erfurt, Fachbereich Sozialwesen
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Zitiervorschlag
Thomas Putz. Rezension vom 17.12.2002 zu: Gerd Dembowski, Jürgen Scheidle (Hrsg.): Tatort Stadion. PapyRossa Verlag (Köln) 2002. 216 Seiten. ISBN 978-3-89438-238-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/481.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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