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Rosmarie Welter-Enderlin: Einführung in die systemische Paartherapie

Cover Rosmarie Welter-Enderlin: Einführung in die systemische Paartherapie. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2007. 125 Seiten. ISBN 978-3-89670-472-6. D: 12,95 EUR, A: 13,40 EUR, CH: 23,00 sFr.

Reihe: Compact.

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Thema

Rosmarie Welter-Enderlin gibt in dieser kurzen Einführung einen Einblick in ihre therapeutische und beraterische Arbeit mit Paaren. Dies reicht von der historischen Entwicklung der systemischen Paartherapie und anderen Paartherapiekonzepten, über theoretische Grundlagen, bis hin zu praktischen Methoden und Interventionen.

Autorin

Rosmarie Welter-Enderlin, MSW, Paar- , Familien- , und Organisationsberaterin, Lehrbeauftragte an der Universität Zürich; Autorin zahlreicher Fachartikel und Bücher. 2003 erhielt sie den "American Family Therapy Academy Award" für herausragende Beiträge zur Familientherapie. Sie wohnt und arbeitet in der Schweiz.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in 7 Oberkapitel

1. Systemische Paarberatung und Paartherapie

R. Welter-Enderlin stellt hier zunächst das psychoanalytische und das lösungsorientierte Konzept für Paartherapie vor, bevor sie zu dem von ihr vertretenen systemisch-integrativen Konzept kommt.

2. Aufnahme eines Paares für Therapie und Beratung

In diesem Kapitel werden hauptsächlich die Fragebögen vorgestellt, die R. Welter-Enderlin zu Beginn einer Therapie von den Paaren ausfüllen lässt. Ebenso deren Einsatz und Nutzen wird erläutert.

3. Therapeutische Zugänge zu Paaren

Wie die Überschrift schon sagt, geht es hier um praktische therapeutische Zugänge, welche auch theoretisch fundiert werden. Zentrales Konzept der paartherapeutischen Arbeit scheint bei R. Welter-Enderlin das "Fallverstehen in der Begegnung" zu sein. Dies meint eine historisch-biographische Vorgehensweise (Verstehen der Geschichte, Lebensthemen, Familien- und Sinnwelten der Einzelnen und des Paares) in der sicheren, affektiven Begegnung zwischen Klienten und Therapeuten.

4. "Es hätte auch anders kommen können" - Lebensthemen und Genogramm

Wichtiges Medium zum "Fallverstehen" ist für R. Welter-Enderlin das Genogramm, oder besser gesagt, die Genogrammarbeit. Sie sieht in diesem "Klassiker" der systemischen Therapie kein Blitzlicht der momentanen Familienstruktur, sondern einen Prozess, um damalige Entscheidungsmöglichkeiten der Klienten zu rekonstruieren und sie mit ihrem tatsächlich getroffenen Entscheidungen zu vergleichen, um so Muster zu erkennen.

5. Das therapeutische Bündnis mit Paaren

R. Welter-Enderlin differenziert die therapeutische Begegnung in ein "rahmendes" (Therapeut) und ein "gerahmtes" (Klienten) System. Die Bedingungen und Voraussetzungen für ein stabiles rahmendes System werden erläutert. Forschungs- und klinische Ergebnisse finden hier auch kurz ihren Platz.

6. Typische Themen einer Paartherapie

Diese sind:

  • Balanceakt zwischen Autonomie und Bindung
  • Intimität, Sexualität, Treue und Untreue
  • Kinder oder Kinderlosigkeit
  • Geschlechtervorstellungen und Familienbilder
  • Trennung und Scheidung

Diese Themen werden im Kapitel behandelt.

7. Blicke in Abgründe, weite Horizonte und Perspektiven von Resilienz: Eine Fülle von Möglichkeiten

Das letzte Kapitel wendet sich den schwierigen Themen "Herausforderungen und Grenzen unserer Arbeit" und "Trennung bzw. Scheidung als Lösung - oder als Versagen des Paares oder von Therapeut bzw. Therapeutin?" zu.

Abschließend greift R. Welter-Enderlin ein Phänomen auf, welches sie (zusammen mit B. Hildenbrandt) 2006 schon in einem Buch behandelt hat: Resilienz - Gedeihen trotz widriger Umstände, und bezieht dieses Thema auf das System "Paar".

Zielgruppe

Fachleute aus dem Bereich der Paar- und Familientherapie, bzw. -beratung. Voraussetzung ist eine gewisse Vorbildung in systemischer Theorie und Therapie, da diese Kenntnisse zum Verständnis notwendig sind.

Persönliche Anmerkung

In gewohnter Weise nimmt R. Welter-Enderlin kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, ihre persönliche Sichtweise zum Thema zu verdeutlichen, z.B. "Als Supervisorin von Professionellen, welche ihre Arbeit Beratung nennen, wie von solchen, die sie als Therapie bezeichnen, habe ich kein Interesse, mich auf berufspolitische Abgrenzungen einzulassen" (S. 7).

Sie geht auch erfreulich kritisch mit dem "eigenen" Ansatz um: "In den traditionellen systemischen Therapietheorien fehlte hingegen ein Konzept des Individuums (…) Auf der Basis der systemtheoretischen Idee, dass das Ganze mehr sei als die Summe seiner Teile, wurden die "Teile" ignoriert. Offensichtlich ein Denkfehler (…)" (S. 10).

Von der "objektiven" Schreibweise einer wissenschaftlichen Autorin hat sich R. Welter-Enderlin bewusst entfernt. So streut sie sogar biographische Episoden aus ihrer eigenen Kindheit ein, um Aspekte lebendig zu machen. Nach meiner Meinung geht diese Rechnung auf, da ich in diesem Buch nicht nur eine jahrzehntelang erfahrene Therapeutin, Ausbilderin und Forscherin kennen gelernt habe, sondern auch einen Menschen hinter der Arbeit. 

Fazit

Diese kompakte Einführung ist verständlich verfasst und gut lesbar. Bei 125 Seiten bleiben natürlich einige Themen auf der Strecke, wie z.B. die in der Paartherapie weit verbreitete Praxis, zu zweit, als "Therapeuten-Paar" zu arbeiten. Ein großer Pluspunkt des Buches ist, dass die theoretischen Teile durch viele praktische (Fall-) Beispiele hervorragend bebildert sind.

Auf jeden Fall ein äußerst lesenswertes Werk !


Rezensent
Dipl. Soz.-Päd. Torsten Ziebertz
Personzentrierter Berater, Systemischer Familientherapeut
Promovend am Erziehungswissenschaftlichen Institut der Universität Düsseldorf. Praktisch tätig in der Familienberatung und der Erwachsenenbildung.
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Zitiervorschlag
Torsten Ziebertz. Rezension vom 04.06.2007 zu: Rosmarie Welter-Enderlin: Einführung in die systemische Paartherapie. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2007. 125 Seiten. ISBN 978-3-89670-472-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4828.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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