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Fachstelle für Gleichstellung Stadt Zürich (Hrsg.): Häusliche Gewalt erkennen und richtig reagieren

Cover Fachstelle für Gleichstellung Stadt Zürich (Hrsg.): Häusliche Gewalt erkennen und richtig reagieren. Handbuch für Medizin, Pflege und Beratung. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2007. 271 Seiten. ISBN 978-3-456-84424-4. 29,95 EUR, CH: 48,90 sFr.

Konzept und Projektleitung: Martha Weingartner. Red.: Katharina Belser.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-456-84826-6 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

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Thema

Häusliche Gewalt, hier vor allem verstanden als Gewalt unter erwachsenen Menschen, die in einer engen sozialen Beziehung stehen, ist nicht nur ein soziales, psychisches und rechtliches Problem, sondern auch ein medizinisches. Die erlittene Gewalt kann, je nach Intensität, Art und Dauer langfristige und gravierende Folgen haben. Bis weit in die 1970er Jahre hinein wurde häusliche Gewalt  überwiegend als "private Angelegenheit" betrachtet, in die sich das soziale Umfeld oder gar der Staat nicht einmischen sollte. Durch die Frauenbewegung wurde dann öffentlich vor allem auf das Problem von geschlagenen Frauen aufmerksam gemacht. Frauenhäuser entstanden. Es wurde nicht mehr verharmlosend über "familiäre Streitigkeiten" diskutiert, sondern über die manifeste Gewalt die vor allem gegenüber Frauen verübt wird und vor allem von deren männlichen Partnern ausgeht. Häusliche Gewalt wird heute im Kontext der Menschenrechte problematisiert und ist inzwischen ein Offizialdelikt, d.h. die Polizei wird tätig, auch wenn keine private Strafanzeige vorliegt. Inzwischen hat sich die Debatte weiter fortgesetzt und es geraten zunehmend neben dem nach wie vor sehr hohen Anteil betroffener Frauen auch die mitbetroffenen Kinder in den Blick, die entweder die Gewalt mit ansehen müssen oder auch selber betroffen sind. Weitere Themen sind inzwischen auch die Gewalt in homosexuellen Partnerschaften und die von Gewalt betroffenen Männer in heterosexuellen Beziehungen. Als Ausgangspunkt der fachlichen Debatte ist heute zu verstehen, dass häusliche Gewalt nicht nur zwischen Frauen und Männern stattfindet, sondern in allen nahen Beziehungen, in denen Abhängigkeiten und Machtunterschiede hergestellt und ausgenutzt werden.

Anliegen

Das Anliegen des Handbuchs ist es zum einen, das Thema häusliche Gewalt zu enttabuisieren und dem Fachpersonal valide Zahlen, aktuelle Erklärungsansätze und mögliche Interventionsansätze nahe zu bringen. Den Fachleuten im Gesundheitswesen wird dabei eine Schlüsselrolle zugewiesen, denn oft sind sie es - in der Arztpraxis, im Krankenhaus oder in der psychotherapeutischen Praxis - die mit den Folgen häuslicher Gewalt als erste konfrontiert werden. Zum anderen sollen die einzelnen Aufsätze im vorliegenden Band aus verschiedenen Perspektiven Grundlagenwissen liefern, um kompetent und professionell reagieren zu können, um damit letztlich die Folgen von Gewalt abzumildern, indem die Opfer fachlich adäquat unterstützt werden.

Im konkreten Einzelfall gibt es oft Hindernisse und Barrieren, die ein gezieltes Nachfragen und Thematisieren der Problematik erschweren. Von der helfenden Seite her braucht es nicht nur Mut, das belastende Ereignis anzusprechen und sich dann auf die nicht selten traumatischen Berichte der Opfer einzulassen, sondern auch eine Fülle von Wissen, Informationen und methodischer Kompetenz, um angemessen reagieren zu können. Von den betroffenen Menschen muss zu solch einem Schritt die individuelle Scham, aber auch Ängste und Unsicherheiten überwunden werden.

Zielgruppen

Das Handbuch richtet sich an Fachleute, die in weitestem Sinne im Gesundheitswesen tätig sind: Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, therapeutisch tätige Fachleute, SozialarbeiterInnen und Ausbildungsverantwortliche, dabei ganz besonders die Berufsverbände, Ärzteorganisationen, Curriculumsverantwortliche sowie die Führungskräfte in Krankenhäusern.

Inhalt

Der Band besteht aus insgesamt 13 Einzelbeiträgen verschiedener Autorinnen und Autoren.

  1. Zunächst geht es im ersten Beitrag um konkrete Fakten und Zahlen zum Ausmaß häuslicher Gewalt und die Diskussion um Erkenntnisse zu den Ursachen und Risikofaktoren. Dazu wird nicht nur auf die Situation in der Schweiz eingegangen, sondern auch weitere nationale Prävalenzstudien referiert. Prävalenzstudien sind in diesem Bereich besonders aussagekräftig,  weil sie über die in den amtlichen Polizeistatistiken ermittelten Zahlen hinaus, das Ausmaß der erfahrenen Beziehungsgewalt erfassen, also auch das Dunkelfeld.
  2. Im zweiten Beitrag geht es darum, was Gesundheitsfachleute gegen häusliche Gewalt tun können. Der Blick wird dabei zunächst auf die unterschiedlichen Symptomatiken von Gewaltopfern gelenkt, also auf körperliche, psychische, psychosomatische und gynäkologische Leiden und Auswirkungen sowie auf  daraus resultierende gesundheitsgefährdende Strategien, wie übermäßiger Alkohol- und Drogenkonsum, selbstverletzendes Verhalten etc. Ziel des Beitrags ist es, professionell in Gesundheitsberufen Tätige für die Thematik zu sensibilisieren und sie in der Praxis zum Ansprechen ihrer Klientel zu ermutigen.
  3. Der dritte Beitrag behandelt die Situation von Frauen (und ihren Kindern), die Gewalt in der Paarbeziehung erleben. Ein eigener Fokus wird dabei auch auf die Situation von Migrantinnen gerichtet. Als theoretische Grundlage wird der "cycle of violence" (nach Walker 1984) vorgestellt, die dieses Konzept ursprünglich entwickelt hat. Demnach unterliegt die Beziehungsdynamik in gewaltträchtigen Beziehungen dem immer selben Muster von Spannungsaufbau, Gewaltausbruch und nachfolgender Entschuldigungs- und Entlastungsversuche. Besonders gefährdet sind Frauen in Trennungssituationen, in welchen ein Besitzanspruch der Männer gegenüber ihrer Partnerin besonders drastisch zum Vorschein kommt.
  4. Der vierte Beitrag nimmt Männer, die Gewalt gegen die Partnerin ausüben in den Blick. Schnell wird mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass diese Gewalttätigkeit den jeweiligen Männern anzusehen wäre. Im Gegenteil wirken die Männer oft besonders angepasst, höflich, sogar etwas unsicher. Es geht um die Erklärung des gewalttätigen Verhaltens. Viele Täter (aber auch Opfer und andere mit der Gewalt indirekt befasste) folgen innerlich der sog. "Dampfkessel-Hypothese", wonach der Täter zunächst so viel inneren Druck ansammelt, dass er sprichwörtlich explodiert und dabei - sozusagen unabwendbar - gewalttätig wird. Demgegenüber suggeriert die "Macht-Hypothese", dass die geübte Gewalt des Täters seiner Machtdemonstration und seinem Kontrollbedürfnis entspringt. Die "Werkzeug-Hypothese" dagegen kann als Mischung der vorherigen Hypothesen begriffen werden: Gewalt ist ein in bestimmten Situationen eingesetztes Werkzeug, um Kontrolle zu erlangen, z.B. in Situationen der Hilflosigkeit, der Verlustangst, der Eifersucht und der Unterlegenheit. Im Verlauf des Beitrags werden dann verschiedene Faktoren aufgelistet, die das Risiko zur Gewaltneigung von Männern erhöhen, u.a. sind das ein bestehendes großes Machtgefälle zwischen Frau und Mann bezüglich verschiedener Entscheidungsbereiche, ökonomische Abhängigkeit, soziale Isolation des Opfers, Konflikte, Stress und drohender Statusverlust, tradierte Männlichkeitsvorstellungen, instabiles Selbstwertgefühl. Der Beitrag schließt mit verschiedenen Neutralisierungsstrategien, die mit gewalttätigen Männern in spezifischen Kursen eingeübt werden.
  5. Der fünfte Beitrag lenkt die Perspektive auf die Täter und vorhandene Beratungs- und Therapieangebote. Inspiriert von Trainingsprogrammen in den USA werden Ende der 1980er Jahre erste Beratungsstellen für Gewalt ausübende Männer im deutschsprachigen Raum eingerichtet. Inzwischen existieren eine ganze Reihe von Angeboten die nach zwei Gruppen zu kategorisieren sind: solche Angebote, die von den Männern freiwillig besucht werden und soziale Trainings- und Lernprogramme, die angeordnet von der Justiz absolviert werden müssen.
  6. Der sechste Aufsatz widmet sich den Grundsätzen der Beratung gewaltbetroffener Frauen. Die wichtigsten Aufgaben für das Fachpersonal im Gesundheitsbereich sind dabei zunächst einmal wahrzunehmen, dass Gewalt vorliegen könnte, dann der Frau einen Raum anzubieten, in dem sie sich geschützt fühlt, ihr mit Verständnis zu begegnen und geeignete Interventionen aufzuzeigen sowie sie schließlich auf spezifische Angebote hinzuweisen. Anschließend werden Prinzipien der Beratung und Krisenintervention erläutert und ein Überblick über die in der Schweiz vorhandenen spezialisierten Stellen gegeben
  7. Der siebte Beitrag ist dem Schutz der Kinder bei häuslicher Gewalt gewidmet. Kinder, die häusliche Gewalt direkt oder als Zeugen miterleben, sind in ihrer psychosozialen Entwicklung besonders beeinträchtigt. Da gewaltbelastete Familien oft sehr isoliert leben ist es auch nicht einfach, dass die Kinder den dringend benötigten und wirksamen Schutz erfahren. Möglicher Weise befindet sich auch die Mutter in einem Loyalitätskonflikt zwischen dem Partner und ihrem Kind bzw. ihren Kindern. Niederschwellige Angebote können dabei die Barriere senken, damit eine Mutter oder auch ein Kind den Kontakt zu Fachleuten herstellen kann.
  8. Im achten Beitrag wird der Fokus auf Männer gerichtet, die Opfer von Gewalt in Paarbeziehungen werden. Ausgangspunkt ist dabei, dass von (Beziehungs-) Gewalt betroffene Männer nicht in das übliche Täter-Opfer-Schema passen und in der Praxis oft nicht ernst genommen werden und/oder ihnen sogar mit Häme und Ablehnung begegnet wird. In der Polizeistatistik tauchen diese Männer bislang noch gar nicht auf, obwohl Männer in der Offizialstatistik generell stärker von Gewalt (durch andere Männer) betroffen sind als Frauen. Männliche Opfer von häuslicher Gewalt berichten von vielfältigen Formen physischer und psychischer Gewaltanwendung, neben erheblichen Verletzungen mit Gegenständen und durch Waffen werden sie bedroht, eingeschüchtert und beschimpft. In Trennungssituationen eskaliert die Gewaltsituation besonders. Sowohl in homosexuellen wie in heterosexuellen Beziehungen kommt Stalking vor. Viele Männer, die Gewalt in der Beziehung erleben, zeigen ein typisches Opferverhalten. Sie suchen nach Entschuldigungen für die Partnerin (oder den Partner), fühlen sich mitschuldig und denken, sie könnten das Problem durch anderes Verhalten lösen. Geschlechtsspezifische Angebote erleichtern es für Männer, sich gezielte fachliche Hilfe zu holen.
  9. Der neunte Beitrag widmet sich den rechtlichen Interventionsmöglichkeiten. Dabei geht es zunächst nicht um einige Gesetzesnovellen, die innerhalb der Schweiz seit 2004 und 2007 für eine veränderte rechtliche Ausgangssituation bei Tätern und Betroffenen sorgen, sondern um die Bedeutung von Beweisen, rechtsmedizinische Beweiswürdigung und Fragen zur Kranken- und Pflegedokumentation. Daran anschließend werden der Umgang mit der ärztlichen Schweigepflicht, der Meldepflicht und der Verpflichtung zur Anzeigeerstattung (bei Tötungsdelikten) erläutert. Einen weiteren breiten Teil des Beitrags nehmen die Ausführungen zu den im Falle von häuslicher Gewalt tangierten Rechtsgebieten ein (Privatrecht, Strafrecht, Opferhilfe und polizeiliche Anordnung), der Schutz der Kinder und Spezialfragen, die sich auf die besonderen Lebensumstände von Tätern oder Opfern beziehen (z.B. wenn die Opfer Migrantinnenstatus haben oder der Täter psychiatrisch krank ist) bis hin zur Frage der Verfahrens- und Anwaltskosten.
  10. Im zehnten Beitrag geht es um die Vorstellung von Interventionsprojekten gegen häusliche Gewalt. Angestoßen von der Unzufriedenheit der Frauen darüber, dass der Staat die Gewalt gegen Frauen nicht genauso entschieden bekämpft wie andere Gewaltdelikte auch und im Bewusstsein, dass es neuer und innovativer Präventionsprojekte bedarf, wurde eine nationale Präventionskampagne in mehreren Kantonen der Schweiz initiiert. Dadurch soll nicht nur die Öffentlichkeit für die Thematik sensibilisiert werden, es geht auch um die Verminderung von häuslicher Gewalt um den wirksamen Schutz von Betroffenen und um das Verantwortlichmachen von Gewalt ausübenden Personen, in der Regel Männern. Am Ende wird die Schlussfolgerung gezogen, dass effektives und effizientes Vorgehen gegen häusliche Gewalt langfristige Strategien erfordert sowie die kontinuierliche Kooperation privater und öffentlicher Stellen.
  11. Innerhalb des elften Beitrags werden sehr detaillierte Anleitungen für im Gesundheitsbereich tätige Fachkräfte formuliert, die sich zunächst auf die bessere Erkennung von Gewalt beziehen. Dazu werden die wichtigsten situativen, körperlichen, psychosomatischen und gynäkologischen Indikatoren für erlittene Gewalt aufgelistet - die sog. Red Flags - die unmittelbar aus Praxiserfahrungen stammen und den PraktikerInnen als erste Indizien das Vorliegen von Gewalt anzeigen können. Sodann werden sehr praktische Tipps für den Umgang mit diesen Warnzeichen in der Beratungspraxis erläutert. Im einzelnen geht es dabei um atmosphärische Vorschläge, Grundregeln der Gesprächsführung, die ethische Haltung der oder des Beratenden in verschiedenen Kontexten und Settings (z.B. in der allgemeinärztlichen Privatpraxis, im Krankenhaus, bei der ambulanten Hauspflege). In acht Punkten wird eine fachgerechte Dokumentation von den formalen Kriterien bis zur Fotodokumentation präsentiert (incl. einer Mustervorlage für diese Dokumentation). Den Abschluss bilden einige Reflexionen zum Psychogramm von gewaltbetroffenen Frauen, die im Umgang und bei der Diagnoseerstellung zu beachten sind.
  12. Der zwölfte Beitrag fragt nach den Barrieren, die ein Erkennen der missbräuchlichen Gewaltsituation sowie die Beendigung dieses Gewaltverhältnisses erschweren oder verhindern. Dazu werden verschiedene Perspektivenwechsel vorgenommen. Zum einen geht es um Fehleinschätzungen und Hypothesensteuerungen von professionellen Fachkräften. Zum anderen aber auch um Widerstände und Strategien auf der Betroffenen- wie auch auf der Täterseite, die Chance auf eine Intervention und ein Ende des Gewaltverhältnisses böten. Bei den Opfern von häuslicher Gewalt werden viele Ambivalenzen beobachtet. Je destruktiver und auswegloser sie ihre eigene Situation erleben, desto größer ist ihre Skepsis gegenüber helfenden Fachpersonen. Ein grundsätzliches Vertrauen in einen sozialen anderen ist systematisch zerstört worden. Schließlich sind auch noch institutionelle Barrieren zu beachten, die das Problem häuslicher Gewalt so schwer bearbeitbar machen. So betrachten viele Institutionen - gerade im Gesundheitsbereich - häusliche Gewalt nicht als ihr "Kerngeschäft". Mangelndes Fachwissen, Angst vor Mehraufwand und kaum zu befürchtende Konsequenzen bei Nicht-Handeln, unreflektierte Widerstände bei der Genderisierung der Thematik und der Widerstand gegen Schuldzuweisungen gerade bei männlichem Fachpersonal verhindern vielerorts die dringend anstehende Professionalisierung der Helferseite.
  13. Im Abschlusskapitel wird schließlich das Projekt "Häusliche Gewalt - wahrnehmen - intervenieren" an der Frauenklinik Maternité in Zürich vorgestellt. Zu Projektbeginn im Jahr 2003 wird eine schriftliche Befragung von KlinikmitarbeiterInnen durchgeführt, in der nach der Bedeutung von Gewalt bei den Patientinnen gefragt wird. Es stellt sich heraus, dass ¾ der MitarbeiterInnen von einem latenten oder manifesten Hinweis auf Gewalt bei mindestens einer Patientin in den letzten drei Monaten berichten. Im Gegensatz dazu ist eine fachlich theoretische Auseinandersetzung mit der Thematik unbekannt. In Anschluss an die Mitarbeitendenbefragung wurde eine Patientinnenbefragung durchgeführt, an der letztlich 1.886 Patientinnen teilnehmen. Dabei ist eines der zentralen Ergebnisse, dass 28% der Befragten im Verlaufe ihres Erwachsenenlebens und meist über längere Zeit und in stärkerem Ausmaß Gewalt durch nahe stehende Personen erlebt haben Bei der erhaltenen Hilfe äußern sich die Frauen mehrheitlich mit Nottelefon, Opferhilfestellen und Frauenhaus als zufrieden, relativ viel Kritik wird gegenüber Polizei, kirchlichen und seelsorgerischen Stellen sowie Eheberatungsstellen geäußert. Weniger als die Hälfte ist mit der Reaktion von Ärzten und Ärztinnen zufrieden, noch unzufriedener ist man mit dem Pflegepersonal. Das durch die Befragung zutage getretene Ausmaß von erfahrener Gewalt hat das Klinikpersonal überrascht und erschreckt. Im Anschluss an die Studie werden neue Leitlinien für das Klinikpersonal entwickelt und erprobt. Die MitarbeiterInnen-Schulung wird geschildert. Letztlich kann konstatiert werden, dass das Projekt erheblich zur Sensibilisierung des Klinikpersonals beigetragen hat und somit ein wichtiger Schritt in Richtung Problem-Screening gelungen ist. Den Abschluss bildet die ausgewählte Fallgeschichte einer Patientin.

Fazit

In dem vorliegenden Handbuch gelingt es, das Thema häusliche Gewalt sowohl differenziert als auch praktisch plastisch - anhand theoretischer Ansätze, empirischen Zahlenmaterials und praxisrelevanter Ausführungen - zu entfalten. Damit leistet der Band einen wichtigen Beitrag für alle sozialen und medizinischen Berufe, aber auch für alle anderen Leser und Leserinnen, die sich über die Problematik informieren und sich ein genaueres Bild verschaffen wollen. Interessant dabei sind die immanenten Blick- und Perspektivewechsel: von den betroffenen Frauen und Männern, zu den mitbetroffenen Kindern, von den Tätern und Täterinnen zu den konfrontierten Helfern und Helferinnen. Auf allen Seiten werden Ambivalenzen und Widerstände, Vorurteile und Tabus sichtbar und nachvollziehbar. Dieser emotionale Spagat muss nicht nur von den Betroffenen, sondern auch von den professionell mit der Thematik befassten Fachkräften ausgehalten werden.


Rezensentin
Prof. Dr. Hanne Schaffer
Diplom-Soziologin, Dr. rer soc, Professorin für Soziologie in der Sozialen Arbeit an der Kath. Stiftungsfachhochschule München
Arbeitsschwerpunkte: Gender, Empirische Sozialforschung, Gewalt gegen Kinder.
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Zitiervorschlag
Hanne Schaffer. Rezension vom 04.01.2008 zu: Fachstelle für Gleichstellung Stadt Zürich (Hrsg.): Häusliche Gewalt erkennen und richtig reagieren. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2007. 271 Seiten. ISBN 978-3-456-84424-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/4858.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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