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Gerd Palm, Bernd Bogert: Hausgemeinschaften. "Ein" Ausweg aus dem Irrweg für die stationäre Altenhilfe

Cover Gerd Palm, Bernd Bogert: Hausgemeinschaften. "Ein" Ausweg aus dem Irrweg für die stationäre Altenhilfe. Tectum-Verlag (Marburg) 2007. 96 Seiten. ISBN 978-3-8288-9266-8. D: 19,90 EUR, A: 19,90 EUR, CH: 34,90 sFr.

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Autoren

  • Gerd Palm, Dipl. Soz., Dipl. Pflegemanager, TQM Auditor, Jg. 1968, leitet das Projekt "Hausgemeinschaften" im Christinenstift in Linnich - Gereonsweiler.
  • Bernd Borgert, Dipl. Soz., Jg. 1951, ist geschäftsführender Heimleiter der Einrichtungen unter der Trägerschaft der Pfarre St. Gereon. 

Thema

Wie kann es gelingen, im (hohen) Alter - auch bei dauernden Hilfs- und Pflegebedarfen (Stichwort: Demenz)  - autonom und selbstbestimmt zu leben? Diese Frage wird in zahlreichen aktuelleren Publikationen aufgegriffen. Dabei rücken ganz unterschiedliche Aspekte in den wissenschaftlichen Fokus. Mit Blick auf das "normale" Wohnen (altersgerechtes Wohnen im Bestand) werden Möglichkeiten - u.a. in baulicher und quartiersbezogener Perspektive -  erforscht, die den "Verbleib" in den "eigenen vier Wänden" begünstigen.

Weiterhin existiert ein Spektrum neuer - wissenschaftlich begleiteter sowie stetig modifizierter und weiterentwickelter - Wohnformen (z.B.: Betreutes Wohnen in einer speziellen Wohnanlage, selbstorganisierte Wohngemeinschaften, integriertes Wohnen), die bedarfsgerechte Hilfs- und Pflegeleistungen in häuslicher Atmosphäre gewährleisten.

Darüber hinaus präsentieren sich Heime der so genannten 4. Generation nunmehr - im Zuge der Umsetzung des Hausgemeinschaftsansatzes - verstärkt als Lebensräume und Wohnorte für ältere Menschen mit dauernden Hilfs- und Pflegebedarfen. Hiervon berichten auch Gerd Palm und Bernd Bogert im vorliegenden Buch.

Inhalt

Erstens stellen die Autoren kritisch heraus, dass die vorherrschende "kompensationszentrierte Versorgungs- bzw. Pflegepraxis" als Irrweg zu bewerten ist. Schließlich werden individuelle Ressourcen, Kompetenzen und Fähigkeiten ausgeblendet, da "der Bewohner "gefangen" [ist] in einem weitgehend fremdbestimmten Netz der Versorgung und Dienstleistung" (S. 25).  Entsprechend plädieren sie - als Ausweg - für die Umsetzung einer "kompetenzzentrierten / lebensweltorientierten Versorgungs- bzw. Pflegepraxis" in Hausgemeinschaften der stationären Altenhilfe: "Weg vom Fürsorgedenken, hin zu den Perspektiven, Vorstellungen, Wünschen und Erfahrungen der alten Menschen" (S. 28).

Zweitens werden vier Fundamente des Milieus Hausgemeinschaft vorgestellt:

    Rechtliche Rahmenbedingungen: Gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien hinsichtlich der Forderung nach Eigenverantwortlichkeit (§ 6 Absatz 2, § 8 SGB XI) sowie der Förderung von Selbstständigkeit (§ 2 SGB XI, § 2 Heimgesetz) soll Rechnung getragen werden.
  1. Architektonische und bauliche Gestaltung: Durch Neu- oder Umbau sind familienähnliche Wohnstrukturen zu schaffen.
  2. Sozialer Lebensraum und Freiräume: Angestrebt wird die Abkehr vom strikten Tagesablauf, welcher vordergründig betriebswirtschaftlichen und pflegbezogenen Aspekten unterliegt.
  3. Mitarbeiter: Examinierte Pflegekräfte agieren (idealerweise) vordergründig als Präsenz- bzw. Assistenzkräfte.

Drittens wird eine Zusammenfassung zur Studie über Hausgemeinschaften bzw. Wohngruppen für demenziell Erkrankte vom Institut für sozialpolitische und Gerontologische Studien (ISGOS) geboten (vgl. ausführlich Reggentin/Dettbarn-Reggentin 2006, vgl. die Rezension). Im Ergebnis belegt diese, dass eine Verbesserung der sozialen Kompetenz  demenziell erkrankter Personen in Hausgemeinschaftsgruppen möglich ist.

Diskussion

Die vorliegende Publikation zeigt - im Kontext einer "lebensweltorientierten Sozialen Gerontologie" (vgl. Otto/Bauer 2003, S. 206ff.) -, dass (pflegesatzfinanzierte) Hausgemeinschaften durchaus als günstige Alternative gegenüber der "klassischen" Alters- bzw. Pflegeheimorganisation anzusehen sind. Schließlich können hier individuelle Bedürfnisse ausgelebt werden, da sich die Tagesplanung primär an der freien Persönlichkeitsentfaltung der Bewohner orientiert. Und zwar, indem die "professionelle Intervention" in den Wohngruppen - hier vor allem in Form von Assistenz - ihr Hauptaugenmerk auf all jene Ressourcen richtetet, die als notwendige Voraussetzungen für die Ausbildung von Kompetenz auf Seiten der Bewohner gelten. Wobei "Kompetenz [...] die Fähigkeit zur Wiedererlangung oder Aufrechterhaltung eines autonomen, aufgabenbezogenen selbständigen und somit sinnerfüllten Lebens in einer anregenden, unterstützenden und fördernden Umwelt [bezeichnet]" (S. 29).

Fazit

Einerseits bietet das Buch Einsteigern einen - wenn auch äußerst kurz geratenen -  sozialwissenschaftlich fundierten Einstieg bzgl. des Hausgemeinschaftsansatzes. Zudem wird der Blick von Experten - wenn auch nicht unbedingt erweitert -  erneut geschärft. Deshalb lohnt sich die Anschaffung sowohl für Studierende und Wissenschaftler (z.B. aus den Fachbereichen: Architektur, Pflegewissenschaft, Soziale Gerontologie, Soziologie, Erziehungswissenschaften, Soziale Arbeit), die sich mit der Thematik "Alter(n) und Wohnen" beschäftigten, als auch für Praktiker, die organisatorisch-planend tätig sind (Führungskräfte) oder in alltäglicher Interaktion mit Bewohnern stehen (Pflegepersonal, pflegebegleitende Sozialarbeiter).

Literatur

  • Otto, Ulrich/Bauer, Petra (2003): Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit älteren Menschen. In: Grunwald, Klaus / Thiersch, Hans (Hrsg.): Praxis Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit. Weinheim/München: Juventa Verlag, S. 195-212. Vgl. http://w210.ub.uni-tuebingen.de/dbt/volltexte/2006/2227/
  • Reggentin, Heike/Dettbarn-Reggentin, Jürgen (2006): Demenzkranke in Wohngruppen betreuen und fördern. Ein Praxisleitfaden. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

Rezensent
M.A. Andreas Leopold
Bildungsreferent der AWO im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt


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Zitiervorschlag
Andreas Leopold. Rezension vom 25.11.2007 zu: Gerd Palm, Bernd Bogert: Hausgemeinschaften. "Ein" Ausweg aus dem Irrweg für die stationäre Altenhilfe. Tectum-Verlag (Marburg) 2007. 96 Seiten. ISBN 978-3-8288-9266-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5046.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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