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Jens-Christian Möller, Esta Schlenther-Möller: Kita-Leitung

Cover Jens-Christian Möller, Esta Schlenther-Möller: Kita-Leitung. Leitfaden für Qualifizierung und Praxis. Cornelsen Schulverlage GmbH (Berlin) 2007. 270 Seiten. ISBN 978-3-589-24270-2. 24,95 EUR, CH: 44,00 sFr.

Reihe: Sozialmanagement.
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Thema

Mit dem Buch wird ein Überblick über die Aufgaben einer Kita-Leiterin bzw. eines Kita-Leiters gegeben, die unter den aktuellen Anforderungen zu bewältigen sind. Viele Tipps sollen helfen, die Tätigkeit professionell auszufüllen.

Autor/innen

  • Jens-Christian Möller ist zur Zeit in einem Jugendamt tätig. Er hat nach einer kaufmännischen Ausbildung Sozialpädagogik studiert und soziale Einrichtungen geleitet.
  • Esta Schlenther-Möller ist Supervisorin, Dozentin und Fachberaterin. Sie arbeitet als Fachreferentin in einem Beratungsunternehmen.

Entstehungshintergrund

Die Anforderungen an Kindertagesstätten, speziell an die Leitung, sind gewachsen. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen hat es nicht gegeben. So sind die Gestaltung bedarfsgerechter Angebote, die Schaffung neuer Organisationsformen und eine gute Kommunikation wichtige Aufgabenbereiche von Leiterinnen und Leitern. Mit dem Buch sollen sie bei der Auseinandersetzung mit aufgeworfenen Fragestellungen und bei der (Neu-)Definition ihrer Rolle unterstützt werden.

Aufbau

Das Buch umfasst neben einem Vorwort und einem Anhang 15 Kapitel.

1  Einleitung

Hier werden Zielgruppen und der Aufbau des Buches erläutert.

2  Leitungspersönlichkeit

Ausgangspunkt der Überlegungen zur Leitungstätigkeit ist die Rollentheorie. Es werden Rollenerwartungen und Änderungen bei der Übernahme einer Leitungsrolle betrachtet, erforderliche Qualifikationen diskutiert. Zur neuen Leitungsrolle heute gehören z. B. Teamcoaching, Mediation und Konfliktberatung, Moderation von Fallbesprechungen, Konzeptionsentwicklung und –fortschreibung. Wichtig ist dabei die Balance der beiden Aspekte "Kohäsion" und "Lokomotion". In einem weiteren Abschnitt wird das Thema "Macht in sozialen Organisationen" angeschnitten.

3  Arbeitsorganisation und Zeitmanagement

Um Freiräume für Leitungstätigkeit zu haben, ist eine gute Arbeits- und Zeitorganisation erforderlich. Im Rahmen einer Zeitinventur können (kurz) alle Arbeitsaufgaben anhand von 5 W-Fragen betrachtet werden. Überflüssige Aufgaben können eleminiert bzw. delegiert werden. Zu einem guten Arbeitsmanagement gehört es, Störfaktoren zu bearbeiten, Hauptziele festzulegen und Prioritäten zu bestimmen. Es werden Anregungen zur Diagnose von Störungen und dem Umgang damit gegeben.

In einem Exkurs werden Tipps zur effektiven Gestaltung von Mitarbeiter-/Teambesprechungen gegeben.

Ein weiterer Abschnitt bezieht sich auf die Tagesstruktur, dabei werden Grundsätze zur Tagesorganisation ebenso angeführt, wie ein beispielhafter Tagesablauf. Damit sich eine Leiterin von fremdbestimmter Arbeit hin zu selbstbestimmter Arbeit entwickeln kann, ist ein zielorientiertes Handeln notwendig. Kriterien für Ziele sind dabei die Schriftlichkeit, die Machbarkeit, die Planbarkeit und die Messbarkeit. Ziele könne auf der operativen Ebene, der strategischen Ebene und auf der Grundsatzebene formuliert werden.

4  Teamentwicklung

Hier ist zu erfahren, dass die optimale Teamgröße bei vier bis acht Teammitgliedern liegt. Aufgabe der Leitung ist es, einen Ordnungsrahmen für Teamentwicklungsprozesse zu schaffen. In einer Übersicht werden die vier Phasen der Teamentwicklung nach Francis und Young erläutert und die Leitungsaufgaben benannt. Merkmale eines guten Teams sind u. a. Leistungswille, gemeinsame Ziele, Freude an der Arbeit und Selbstverantwortlichkeit. Eine Checkliste kann helfen, die eigene Teamsituation zu überprüfen. Es befindet sich in diesem Kapitel eine Beschreibung der fünf gruppendynamischen Teamrollen nach Raoul Schindler, aufgeführt im Bezug auf Leitungspositionen.

5  Mitarbeiterführung

Üblicherweise wird Führung verstanden als Beeinflussung der Mitarbeiter/innen im Hinblick auf die Organisationsziele. Sie ist aber auch eine Managementfunktion. Die Führung lässt sich dabei vertrauensorientiert oder misstrauensorientiert gestalten. Anhand eines Fragenkatalogs kann die Selbsteinschätzung des eigenen Führungsverhaltens vorgenommen werden. Führen ist ein dynamischer Prozess, deshalb sind situationsorientiertes Führen und Entscheiden erforderlich. Situationsorientiert Führen heißt dabei auch, die jeweilige Fähigkeit einer Mitarbeiterin zu erkennen und den Führungsstil entsprechend auszurichten. Von dem Entwicklungsstand der Mitarbeiterin ist es abhängig, welche Aufgaben zu delegieren sind. Die Delegation von Führungsaufgaben hat vielfältige Vorteile, die in diesem Abschnitt benannt werden.

Eine weitere Führungsaufgabe ist die Kontrolle. Eine Checkliste soll helfen, die Widerstände im Team und bei der Leitung selbst gegenüber Kontrolle zu minimieren. Außerdem ist es Aufgabe von Leiterinnen, für die Mitarbeiterinnen motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen. Anhand der Bedürfnispyramide von Maslow, der Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg und der ERG-Theorie von Alderfer wird aufgezeigt, dass dabei verschiedene Bereiche, wie z. B. Bezahlung, Urlaub, Pausen, aber auch Verantwortlichkeit, Fortbildungen, abwechslungsreiche Tätigkeit, berücksichtigt werden sollten.

6  Finanzierung von Kindertageseinrichtungen

In diesem Kapitel wird Grundwissen zum Haushaltsplan und zur Kita-Finanzierung vermittelt. Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern und bei den einzelnen Trägern kann dies nur recht allgemein geschehen.

Die Bedeutung und der Aufbau des Haushaltsplanes der Kommunen werden erläutert, dazu gehört auch die Erklärung, was eine echte und eine unechte Deckungsfähigkeit ist. Kita-Leiterinnen werden aufgefordert, sich aktiv in die Haushaltsplangestaltung ihrer Gemeinde einzubringen. In einem weiteren Abschnitt gehen die Autoren auf die Finanzplanung der Kindertageseinrichtungen unter freier Trägerschaft ein.

7  Die Verwaltungsorganisation in der Kindertageseinrichtung

Anhand einer Checkliste "Persönliche Anforderungen an Ihr Büro" können Leiterinnen abklären, wie sie ihr Büro – das je nach Größe der Einrichtungen unterschiedlich zu gestalten ist – organisieren wollen. Anschließend werden Vorschläge für ein effektives Ablagesystem gemacht, wobei das Büroablagesystem SPEED erläutert wird.

Eine weitere Checkliste soll helfen, im Hinblick auf die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz gesundheitliche Belastungen zu reduzieren. Tipps zur Arbeitsorganisation am PC zur Unterstützung eines effizienten Umgangs am PC schließen sich dem an.

8  Qualitätsmanagement in Kindertageseinrichtungen

Zunächst werden Gründe für die Qualitätsentwicklung in den Kitas angeführt. In einem Exkurs steht das Thema "Kundenzufriedenheit" im Mittelpunkt der Darstellung. Überblicksartig werden fünf Qualitätsmodelle vorgestellt:

  1. der "Kronberger Kreis",
  2. die "Kindergarten-Einschätzskala (KES-R)",
  3. das "Konzept der DIN EN ISO 9000 ff. (ISO 9000),
  4. die "3-D-Prozessoptimierung (BETA Ltd.)" und
  5. "IQUE – Integrierte Qualitätsentwicklung".

Im Rahmen der Erläuterung dieser Modelle wird auch ein Hinweis auf den Aufbau einer Stellenbeschreibung gegeben.

9  Kommunikation und Konfliktmanagement

Anhand der Grundsätze nach Watzlawick sind Grundlagen guter Kommunikation beschrieben. Die "vier Seiten einer Nachricht" werden dann ebenso erläutert, wie das Verbalisieren und Paraphrasieren als Hilfsmittel der Kommunikation und Fragetechniken. Auf dieser Basis leiten die Autoren dann Gesprächsregeln ab und erläutern am Beispiel eines Elterngespräches den Aufbau eines Gesprächs.

In einem anderen Abschnitt ist die Teamkommunikation nach den TZI-Regeln erklärt. Die sechs Schritte zur Konfliktbewältigung stehen im Abschnitt "Konfliktbewältigung in der Kita" im Mittelpunkt.

10  Mitarbeiterinnengespräche führen

Regelmäßig geführte Mitarbeiterinnengespräche helfen, die Motivation zu fördern, die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen zu erhöhen, Leistungen, Kultur der Organisation und Kommunikation zu verbessern. Eine Liste von Merkpunkten für solche Gespräche und ein Gesprächsleitfaden sollen helfen, sich als Leiterin darauf vorzubereiten. Darüber hinaus werden in weiteren Abschnitten das Kritik- und das Anerkennungsgespräch behandelt.

11  Öffentlichkeitsarbeit/PR

Die Öffentlichkeitsarbeit dient vor allem der Beziehungsgestaltung (nach innen und außen), aber natürlich auch der Werbung und Reklame für die Einrichtung. Schwerpunktmäßig werden Instrumente der Kommunikation vorgestellt: das Info-Brett, Elternbriefe, Ereigniskalender, Pressearbeit, Jahresberichte und Statistik. Als Beispiel wird eine mögliche Struktur eines Jahresberichtes vorgestellt.

12  Marketing

Marketing wird in diesem Abschnitt als eine generelle Denkweise vom Kunden her verstanden. Die Autoren empfehlen, die Ausrichtung einer Kita auszuweiten auf den Schwerpunkt: "Rund um junge Eltern". Im Weiteren werden vier Strategiekombinationen aus dem Marketing vorgestellt:

  1. Marktdurchdringung
  2. Markterschließung
  3. Produktentwicklung
  4. Diversifikation (neue Produkte hinzunehmen).

Als Marketinginstrumente stellen die Autoren Marktforschung bzw. –analyse, Preis, Werbung/Öffentlichkeitsarbeit und Vertrieb/Verkauf vor.

Nach einer Trend- und einer Umfeldanalyse können mittels der SWOT-Analyse die Stärken und Schwächen der einzelnen Einrichtung beleuchtet werden.

13  Konzeptionsentwicklung

Im Gegensatz zum Konzept ist die Konzeption die verbindliche Niederlegung der pädagogischen Inhalte und Arbeitsweisen einer Kindertageseinrichtung. Im Kapitel werden das methodische Vorgehen, die Inhalte einer Konzeption und ein Beispiel vorgestellt.

14  Zusammenarbeit und Erziehungspartnerschaft mit Eltern

Grundlage der Erziehungspartnerschaft ist das gegenseitige Kennenlernen und das Respektieren der Erziehungsziele und Erziehungsmethoden von Eltern und Erzieherinnen. Es wird erläutert, wie eine Erziehungsvereinbarung vorbereitet wird.

15  Beobachtung in der Kita

Nach einer Begriffsklärung gehen die Autoren auf die Unterscheidung von Beobachtungen in Alltagsbeobachtungen und professionelle Beobachtung ein. Sie erläutern Regeln für die freie Beobachtung und benennen mögliche Arten von Dokumentationen in Form von Portfolios. Fallbesprechungen und kollegiale Beratung können helfen, Beobachtungsergebnisse auszuwerten und zu verbessern. Im Anschluss daran werden einige Beobachtungsinstrumente vorgestellt: das Zeit-Personen-Gitter, Häufigkeitsauszählungen, Entwicklungsgitter, Portfolio.

Ein weiterer Abschnitt ist dem Thema "Datenschutz" gewidmet.

Anhang: Hilfen für die Personalarbeit

Im Anhang befinden sich ein arbeitsrechtliches Minilexikon und die Beschreibung der Aufgabenprofile von Leitungen, stellvertretenden Leitungen, Gruppenleiterinnen und pädagogischen Zweitkräften.

Diskussion

Das Buch weist vielfältige Inhalte auf, es ist gut gegliedert und strukturiert. Dabei wird von der Leiterinnenpersönlichkeit ausgegangen, dann stehen Teamentwicklung, -leitung und Mitarbeiterführung im Mittelpunkt. Anschließend werden verschiedene Aufgabenbereiche der Leitung betrachtet, während Konzeptionsentwicklung, Erziehungspartnerschaft und Beobachtung den Abschluss des Buches bilden. Immer wieder machen die beiden Autoren deutlich, dass die Rahmenbedingungen für Leitungstätigkeit in Deutschland nicht günstig sind.

Das Buch ist sehr vielseitig und kompakt, systematisch werden alle relevanten Themen angesprochen. Aber das ist auch problematisch, denn alle Themen können bei dieser Vielfalt nur kurz angerissen werden. Vielfältige Modelle werden vorgestellt, wie z. B. zwei Modelle zu den Bedürfnisstufen, Teamentwicklungsmodelle, die Reifegrade von Mitarbeiterinnen, das Verhaltensgitter nach Blake/Mouton, die Teamrollen nach Schindler… Und nicht immer ist klar, aus welcher Quelle die Modelle stammen. Sicher ist es kein wissenschaftliches Werk, sondern eher ein praktischer Ratgeber, aber dennoch wäre eine klare Quellenbenennung hilfreich. Ein Beispiel: Auf S. 175 steht völlig unkommentiert eine Übersicht über die Stufen der Konflikteskalation. Diese geht ursprünglich auf Friedrich Glasl zurück, der aber als Quelle nicht benannt wird.

Bei vielen Themen ist eine vertiefende Lektüre notwendig. Mehr Literaturtipps dazu wären meines Erachtens wichtig gewesen. Im Buch ist sehr viel Wissen, vor allem aus dem Bereich Gruppendynamik und Erwachsenenbildung verarbeitet. Manchmal ist die Benennung von Modellen, die Aufführung von Checklisten für mich zu konzentriert.

Eine kleine Verwirrung trat bei mir auf, als im Text 10 Tipps zur Arbeitsorganisation am PC angekündigt wurden, aber dann nur 5 formuliert waren (S. 121 f.)

Schlüsselwörter zu jedem Abschnitt sind am Seitenrand aufgeführt, so dass einzelne Inhalte schnell zu finden sind. Man kann das Buch fortlaufend lesen oder sich einzelne Themen heraussuchen, weil die jeweiligen Kapitel für sich abgeschlossen sind. Die dann noch in den Texten rot hervorgehobenen Worte haben mich immer mal wieder dazu verführt, die Texte nur zu überfliegen, sie aber nicht mehr zu lesen. Es gibt im Buch viele Übersichten und Grafiken, wo die Inhalte noch einmal zusammengefasst sind.

Zielgruppe

Angehende und schon tätige Leiterinnen und Leiter von Kindertagesstätten, Kindergärten, Horten und Kitas, angehende Erzieherinnen, die sich schon in der Ausbildung mit Fragen der Leitungstätigkeit auseinandersetzen wollen. Fortbildner/innen.

Fazit

Das Buch gibt einen Überblick über die Vielfalt der Leitungsaufgaben in einer Kindertageseinrichtung.


Rezensentin
Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann
Fachhochschule Erfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Professur "Erziehungswissenschaften, Erziehung und Bildung von Kindern"
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Zitiervorschlag
Michaela Rißmann. Rezension vom 11.10.2008 zu: Jens-Christian Möller, Esta Schlenther-Möller: Kita-Leitung. Leitfaden für Qualifizierung und Praxis. Cornelsen Schulverlage GmbH (Berlin) 2007. ISBN 978-3-589-24270-2. Reihe: Sozialmanagement. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5048.php, Datum des Zugriffs 10.12.2016.


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