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Hildegard Entzian, Klaus I. Giercke u.a. (Hrsg.): Soziale Gerontologie

Cover Hildegard Entzian, Klaus I. Giercke, Thomas Klie, Roland Schmidt (Hrsg.): Soziale Gerontologie. Forschung und Praxisentwicklung im Pflegewesen und in der Altenarbeit. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2000. 334 Seiten. ISBN 978-3-933050-50-2. 26,00 EUR.

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Überblick

In diesem Sammelband sind 23 Aufsätze von insgesamt 30 AutorInnen zu rechtlichen, (sozial-)politischen, wirtschaftlichen, organisatorischen und konzeptionellen Fragen aus den Bereichen Betreuung, Pflege, Bildung und Lebensqualität alter Menschen zusammengefasst. Die AutorInnen kommen aus Hochschule und Weiterbildungseinrichtungen, gerontopsychiatrischen Zentren und Alten- und Pflegeheimen, Verbänden und Trägerorganisationen. Ihre Fachkompetenz erstreckt sich auf Beratung, Pflege, Recht, Personalentwicklung und (Verbands-)Politik. Entsprechend weit gesteckt ist der Rahmen, der in diesem Buch abgehandelt wird, entsprechend vielfältig auch Stil, Abstraktionsgrad und Praxisbezug der einzelnen Kapitel.

Inhalt und Aufbau des Buches

Das Buch beginnt mit einer sozialpolitischen Bestandsaufnahme. Anhand der derzeitigen Arbeitsmarkt- und Pflegepolitik wird der aktuelle und zukünftige Bedarf an Betreuung und Pflege im Alter abgeleitet, wobei auch europäische Standards zum Vergleich herangezogen werden. Daraus werden Forderungen an ein bedarfs- und bedürfnisorientiertes Pflege- und Heimbewohnerschutz-Gesetz abgeleitet. Wie sich die Lebens- und Betreuungssituation in Alteneinrichtungen nach Einführung der zweiten Stufe der Pflegeversicherung verändert hat, zeigen Hönig und Mitarbeitende anhand ihrer Bestandsaufnahme in Mannheimer Alten- und Pflegeheimen auf. Der Pflegeschlüssel hat sich hier deutlich verschlechtert, gleichzeitig sind die Anforderungen an besondere Betreuungsleistungen gestiegen. Eine Zunahme negativer Beanspruchungsfolgen wie emotionale Erschöpfung oder depressive Symptome bei den Pflegekräften ist nach Ansicht der AutorInnen zu befürchten, was sozialpolitische und betriebliche Gegenmaßnahmen erfordert.

Im zweiten Themenkomplex geht es um Lebensqualität und Qualitätssicherung in der stationären Betreuung alter Menschen, zwei Aspekte, die nicht voneinander zu trennen sind. Lebensqualität ist zu einem wichtigen Maßstab für die Güte von Dienstleistungen in Pflegeeinrichtungen geworden. Wie sie gemessen werden kann, wird von Doris Sowarka (Merkmale der Lebensqualität in Pflegeeinrichtungen) verständlich und übersichtlich dargestellt. Sowohl im Überblick als auch exemplarisch werden Verfahren zur Qualitätssicherung nach DIN ISO 9000 ff von Kämmer u.a. im Kapitel Qualitätsverfahren in der Pflege älterer Menschen im Überblick vorgestellt. In Interviews mit den Herausgebern verschiedener Qualitätssicherungs-Systeme klären die AutorInnen die Bedingungen ab, unter denen die Systeme in Alten-Einrichtungen funktionieren und wie sie von den Mitarbeitenden aufgenommen werden.

Während das Kapitel über Gegenstand und Verwendbarkeit von "Praxisforschung" (v. Kondratowitz) recht akademisch anmutet, stellt Franke in seinem Beitrag Psychosoziale Belastung für Angehörige Demenzkranker ein sehr praxisnahes Konzept und Ergebnisse einer Studie zur Angehörigenberatung vor. Aufklärung, Beratung und Unterstützung von Menschen bei der Pflege ihrer alten und gebrechlichen Angehörigen kann "zur Entwicklung einer lebensweltlichen Pflegekultur" (S. 240) beitragen und ist nach Auffassung des Autors ein an Bedeutung gewinnendes Aufgabenfeld für SozialarbeiterInnen und SozialgerontologInnen. Wie Beratung dokumentiert und im Rahmen der Qualitätssicherung als Entscheidungsinstrument zur Gestaltung der Pflegesituation genutzt werden kann, zeigt Ingeborg Rowedda, die hier wichtige Aspekte ihrer Diplomarbeit zusammenfasst.

Bevor ethische Fragen des Umgangs mit Krankheit und Behinderung, diskutiert am Beispiel der Sterbehilfe, das Buch beschließen, bilden drei Aufsätze zu Lernen und Weiterbildung im höheren Lebensalter einen letzten inhaltlichen Schwerpunkt. Die Überschrift "Lust am Lernen – Lust am Leben", die sich bei Ludger Veelken findet (S. 309) könnte gleichzeitig Programm und Zusammenfassung sein: Ob es um Selbstgesteuertes oder institutionalisiertes Lernen geht, um Lernen der alten Menschen, ihrer Angehörigen oder der Mitarbeitenden in gerontologischen Einrichtungen – immer kann Lernen als Zuwachs von Kompetenz und Lebensqualität gelten und Ausdruck einer positiven zukunftsorientierten Lebens- und Berufsauffassung sein, der in der Gerontologie Raum gegeben werden muss.

Fazit

Ein vielfältiges Buch, das ein breites Spektrum an gerontologischen Themen umreißt und neben theoretischen und konzeptionellen Aspekten konkrete Anregungen für die Förderung von Lebens- und Pflegequalität in der ambulanten und stationären Altenpflege und -betreuung enthält. Entsprechend breit ist der Personenkreis, den es interessieren könnte, wobei Träger-VertreterInnen und Menschen, die Pflege konzipieren, ihre Qualität sichern und in diesem Bereich ausbilden, wahrscheinlich am meisten angesprochen werden.


Rezensentin
Prof.Dr. Almuth Künkel (†)
Fachhochschule Düsseldorf, FB Sozialpädagogik
Dipl.-Psych., Professorin für Entwicklungs- und Alterspsychologie (2004 †)


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Zitiervorschlag
Almuth Künkel (†). Rezension vom 01.05.2001 zu: Hildegard Entzian, Klaus I. Giercke, Thomas Klie u.a. (Hrsg.): Soziale Gerontologie. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2000. 334 Seiten. ISBN 978-3-933050-50-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/52.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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