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Renate Schwarz: Supervision in der Pflege

Cover Renate Schwarz: Supervision in der Pflege. Leitfaden für Pflegemanager und -praktiker. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2007. 229 Seiten. ISBN 978-3-456-84335-3. 28,95 EUR, CH: 49,90 sFr.

Reihe: Pflegeberatung.

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Thema

Supervision als professionelle Hilfeform ist in vielen anspruchsvollen Dienstleistungsberufen inzwischen gut etabliert, vor allem im Gesundheitswesen. Die Reflexion der professionellen Arbeit steht dabei im Mittelpunkt, gerichtet auf Konflikte im Team, eigene Kompetenzen oder Defizite, herausforderndes Verhalten durch PatientInnen oder auf Kooperationsprobleme. Als übergeordnete Ziele von Supervisionsprozessen gelten Qualitätsverbesserung und -sicherung der professionellen Arbeit.

Autorin

Die Autorin ist Diplom-Sozialarbeiterin, Diplompädagogin, Supervisorin (DGS) und Lehrsupervisorin.

Aufbau

Der Band ist in drei Teile gegliedert, die Überschriften der Kapitel ermöglichen einen guten Überblick über die Breite der Materie. In ihrer Hinführung gibt die Autorin Einblicke in die zentralen Schwerpunkte des Bandes mit beispielbezogenen Erläuterungen.

1. Pflege - Versuch einer Annäherung.

Schwarz beginnt ihre Ausführungen mit einer system-theoretischen Fundierung des Organisationsbegriffs. Sie verortet berufliche Pflege in organisatorischen Kontexten, sieht im gesellschaftlichen Bedeutungszuwachs von Organisationen gute Chancen für Pflegeberufe aktiv Veränderungsprozesse mitzugestalten sowie berufsbezogene Lernprozesse zu initiieren und zu nutzen.
Sie erläutert Herausforderungen pflegerischer Arbeit u.a. anhand von Belastungsparametern in Pflegeberufen. Die jeweiligen Spannungsfelder wie Rahmenbedingungen, Arbeitsabläufe, anspruchsvolle Interaktionen, Zusammenarbeit und gesundheitliche Folgen von Pflegearbeit sind plausibel dargelegt und spiegeln die Facetten von Pflegearbeit.
Im Anschluss geht sie ein auf das Aufgabenprofil von Führungskräften in der Pflege. Schwarz beschreibt grundlegende Managementbegriffe, geht dann näher ein auf führungsbezogene Kompetenzen. Die Ausführungen sind korrekt, wirken jedoch teilweise etwas unspezifisch und vermitteln durch Schaubilder (S. 68/69) gelegentlich einen harmoniebezogenen Eindruck, der jedoch eher selten der Berufspraxis entspricht. Der Exkurs zu Widersprüchlichkeiten (S. 70 ff.) ist sehr gelungen.

2. Supervision - ein theoretischer Überblick

Der zweite Teil befasst sich mit Supervision - ein theoretischer Überblick.Mit diesem Kapitel möchte Schwarz zum einen Supervision theoretisch fundieren, zum anderen Ängste und Zweifel minimieren und ein differenziertes Verständnis entwickeln, um gute Passung zu ermöglichen und ggf. auf Ausschlusskriterien von Supervision aufmerksam zu machen.
Die Geschichte des Begriffs, grundlegende Definitionen, ethisch bedeutsame Aspekte sowie Formen von Supervision werden fundiert und kenntnisreich beschreiben. Schwarz geht weiterhin ein auf Kompetenzentwicklung der/des Supervisorin/Supervisors, benennt Möglichkeiten zur Klärung der Eignung und erläutert verschiedene Supervisionsformen in ihren differenzierten Herangehensweisen. Mit der Lektüre dieses Kapitels sind sehr gute Einblicke in die Materie unter Einbeziehung aktueller und namhafter Literatur möglich.

3. Supervision in der Pflege - Chancen und Grenzen

Supervision in der Pflege - Chancen und Grenzen werden im dritten Teil des Buches thematisiert. Ausgehend von problembezogenen Anlässen mit Wünschen nach emotionaler und organisationsbezogener Klärung und Unterstützung vermittelt dieser Teil des Buches konkretisierte Hinweise für den Einsatz von Supervision. Besonders gelungen sind hier die Ausführungen zur Analyse bzw. Diagnose von Konflikten (S. 136 ff.), Beispiele für lösungsorientierte Fragestellungen (S.142 ff.), sowie die Elemente der Ressourcenstärkung (S. 148). Insgesamt besticht dieses Kapitel durch die klar formulierten und reflektierter eigener Berufspraxis entstammenden konkreten Beispiele.
Weiterhin positiv hervorzuheben ist im dritten Teil das sechste Kapitel Supervision in der Pflege - Praxisbeispiele. In diesem Kapitel sind typische Anwendungsbeispiele von Supervision aus klinischen und ambulanten Handlungsfeldern mit Beschreibung des Verlaufs, Chancen und Grenzen anschaulich beschrieben. Eine besondere Würdigung verdient der Anhang des Buches mit einschlägigen Adressen, Fachzeitschriften und Beispielen von Supervisionsverträgen.

Zielgruppe

Besonders geeignet ist das Buch für EntscheidungsträgerInnen in pflegebezogenen Handlungsfeldern, die sich über Supervision informieren wollen, für angehende SupervisorInnen zum Kennen lernen pflegebezogener Spezifika und für Studierende mit Interesse an Beratungs- und Supervisionsprozessen innerhalb wie auch außerhalb der Pflegelandschaft.

Es gibt einen guten theoretisch fundierten Überblick über die Breite des Themenfeldes Supervision, ohne sich einseitig in theorie- oder praxisbetonten Aspekten zu verlieren. Ganz im Gegenteil ist es durch seine konkreten Beschreibungen, Fälle und Analysekriterien (z.B. Fragestellungen) sowie durch eine ansprechende Textgestaltung ein Lehrbuch besonderer Art. Das Buch kann Personen aus den genannten Zielgruppen zur Anschaffung empfohlen werden, darüber hinaus sollte es Eingang finden in Bibliotheken von Weiterbildungsinstituten und von Hochschulen.

Fazit

Dar Band ist fachlich anspruchsvoll, zugleich überwiegend gut und flüssig lesbar. Die jeweiligen Teile sind sorgfältig und systematisch bearbeitet, aktuelle Literatur und praxisnahe Hinweise sinnvoll eingefügt.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal dieses niveauvollen Buches ist eine Positionierung zu den Grenzen von Supervision, denn nicht jeder Konflikt bedarf einer supervisorischen Begleitung. Wie die Autorin vorschlägt, sollte Supervision komplexen, besonders herausfordernden Problemkonstellationen vorbehalten bleiben.


Rezensentin
Prof. Dr. Margret Flieder
Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Fachbereich Pflege- und Gesundheitswissenschaften
Homepage web.efhd.de/mf_start.html
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Zitiervorschlag
Margret Flieder. Rezension vom 23.01.2008 zu: Renate Schwarz: Supervision in der Pflege. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2007. 229 Seiten. ISBN 978-3-456-84335-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5209.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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