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Uwe Bettig: [...] Qualitätscontrolling [...] stationäre Altenhilfe

Cover Uwe Bettig: Konzeption eines Qualitätscontrollings für die stationäre Altenhilfe. Peter Lang Verlag (Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien) 2007. 244 Seiten. ISBN 978-3-631-56091-4. 42,50 EUR.

Europäische Hochschulschriften - Reihe 5, Volks- und Betriebswirtschaft - Band 3248.
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Entstehungshintergrund und Aufbau

Das Buch ist in eine Dissertation. Dissertationen haben einen eigenen "Wissenschaftssound" und – in der Regel – eine eigene Gliederungslogik.

Inhalt

So beginnt auch dieses Buch mit einem "theoretischen Teil", in dem einige Begriffe erläutert und einige Grundinformationen gegeben werden.  Im ersten Schritt wird auf das Public Health Konzept hingewiesen, dann folgt eine Schilderung der stationären Altenhilfe in Deutschland (warum ist das "Theorie"?) mit gesetzlichen Grundlagen und einigen wenigen, sehr bekannten statistischen Angaben. Es folgen  zum Schluss des "Theoriekapitels" noch zwei Unterkapitel zu "Qualität" und "Controlling". In beiden Darstellungen gibt Bettig zwar erste Hinweise und durchaus anknüpfungsfähige Gedanken, aber wer, beispielsweise, das Thema "Qualitätsmessungen", auf einer (!) Seite abhandeln will, strickt mit einer zu heißen Nadel.

Insgesamt leidet dieser "Theoretische Teil" darunter, dass er nicht systematisch, aufeinander bezogen, erarbeitet wurde, sondern eher den Charakter von Fundstellen aufweist. Und diese Fundstellen, - ich entschuldige mich für meine Beckmesserei -, sind offensichtlich das Ergebnis einer nicht ausreichenden Erkundung wissenschaftlicher Gelände. Bettig hat die gesamte amerikanische, englische, aber auch die in diesem Feld unverzichtbare österreichische Literatur aus dem ÖCI-Umfeld (Badelt, Eschenbach, Horak) nicht berücksichtigt, aber auch wichtige deutsche Arbeiten (Bruhn, Stauss) beiseite gelassen.

Im "Empirischen Teil" seiner Arbeit zeigt Bettig seine exemplarische Studie zur Qualitätsmessung, die er in zwei Pflegeheimen durchgeführt hat. Als methodischen Zugriff wählt der Autor eine Expertenbefragung (n= jeweils 5), die durch eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewertet wird,  und eine Bewohnerbefragung mit ergänzender Angehörigenbefragung.

Auch hier geht es relativ unübersichtlich zu, man liest immer wieder Hinweise mit "zum Beispiel", -zum Beispiel gibt es verschiedene Methoden, die Qualität in der Stationären Altenhilfe zu erheben-, aber Bettig benennt dann eben nur SIESTA, SEA und "diverse Kundenbefragungen". Warum findet man hier keine halbwegs vollständige Auflistung? Warum findet man SIESTA unter den angegebenen Autoren im Literaturverzeichnis, nicht aber SEA? Warum wird das eigene Instrument nicht systematisch dargestellt, sondern nur "exemplarische Darstellung der Fragen" (S.98) dargeboten? Der Autor beschreibt ausführlich und sehr reflektiert seinen methodischen Zugang, die damit verbundenen Artefakte und – ganz wichtig – die forschungspraktischen Fallstricke und Erfahrungen.  So ist für den Leser nachvollziehbar, dass sich in dem einen Pflegeheim (A) nur 15 von ca. 100 Personen an der  Befragung beteiligten (S.139) Wo ist der Hinweis auf die Nettostichprobe im Heim B? Warum nicht an dieser Stelle? Und warum tauchen die "n" nicht bei den im Folgenden dargestellten Charts und Tabellen auf? Die Auswertungen dieser Befragungen beziehen sich auf die Darstellungen einzelner Items und gewichteter Qualitätsresultate. In diesem Teilkapitel finden sich einige interessante Anregungen, die allerdings durch die nicht allzu übersichtliche Darstellung der empirischen Ergebnisse erschwert wird.

Im dritten Abschnitt wird die Arbeit klarer und lesenswert. Bettig zeigt die Bedeutung und Struktur eines Qualitätscontrollings in der Stationären Altenhilfe. Beschrieben werden Funktionen des Qualitätscontrollings, die damit verknüpfte Integration in das Berichtswesen, der Aufbau einer Qualitätskostenrechnung – mit einem geistreichen Vorschlag zur Verknüpfung der Qualitätskostenrechnung mit der Prozesskostenrechnung.

Fazit

Das Buch beschäftigt sich mit einem der wichtigsten Themen, die sich für die stationäre Altenhilfe stellen, dem Qualitätscontrolling. Es gibt kaum einschlägige Referenzliteratur, so dass Uwe Bettig als ein Pionier unterwegs war. Die Idee an sich, die Thesen, die Zugangspfade, die begrüßenswerte empirische Pilotstudie und insbesondere das Kapitel zum Qualitätscontrolling verdienen Respekt. Die Ausführungen des Arbeitsprogrammes von Bettig, die ich vielleicht allzu spitzmündig kommentiert habe, leiden an Präzision und Systematik und sind Gefolgen eines offensichtlichen Zeitmangels. Insofern entspricht auch dieses Buch dem Sound einer Dissertation. Bettig hat in einer Schlussbemerkung gute Hinweise auf den weiteren Forschungsbedarf gegeben. Ja bitte, aber mit etwas mehr Ruhe.


Rezensent
Prof. Dr. Bernd Halfar
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Zitiervorschlag
Bernd Halfar. Rezension vom 12.04.2008 zu: Uwe Bettig: Konzeption eines Qualitätscontrollings für die stationäre Altenhilfe. Peter Lang Verlag (Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien) 2007. ISBN 978-3-631-56091-4. Europäische Hochschulschriften - Reihe 5, Volks- und Betriebswirtschaft - Band 3248. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5219.php, Datum des Zugriffs 28.05.2016.


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