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Arnfried Böker: Spiel, Spaß, Wissen - das Handy-Projektebuch

Arnfried Böker: Spiel, Spaß, Wissen - das Handy-Projektebuch. docupoint Verlag (Magedeburg) 2007. 114 Seiten. ISBN 978-3-939665-29-8. 8,00 EUR.

Thema

Die kreative Beschäftigung mit dem Medium Handy liegt unter den (medien-)pädagogisch Tätigen immer mehr im Trend. Rund 90 % der Jugendlichen in Deutschland verfügen über ein Handy (vgl. dazu die aktuelle JIM-Studie). Dabei wird das Handy von den Jugendlichen nicht nur zum Telefonieren oder zum Versenden von Kurznachrichten benutzt, sondern es strukturiert und organisiert zunehmend den Alltag dieser Zielgruppe. Grundsätzlich hat die (Medien-)Pädagogik erkannt, dass den damit auch verbundenen Gefahren - man denke hier z. B. an die Stichworte "Schuldenfalle" "Happy Slapping", "Gewalt- und Pornovideos" -konstruktive und ressourcenorientierte Konzepte entgegengesetzt werden müssen, "die Präventionsbemühungen und die Förderung von Medienkompetenzen hinsichtlich des Arbeitsgegenstandes Handy einforder(n)" (S. 10). Und dies ist am besten über zielgruppengerechte, nachhaltige Projekte zu erreichen. Trotzdem ist es "(i)m Jahr 2007 (…) immer noch nicht selbstverständlich, das Handy als Thema und als Medium in vielfältige pädagogische Settings zu integrieren. Nach wie vor gibt es Vorurteile, Ängste, Unwissen (…)" (S. 12). Dieses Buch setzt hier an: Es will in äußerst praktischer und handlungsleitender Art konkrete Tipps und Impulse geben, Handyprojekte "wirklich" zu initiieren und umzusetzen.

Autor

Arnfried Böker, geb. 1968, ist Geschäftsführer der Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. und Buchautor zum Themenschwerpunkt Handy und Pädagogik sowie Autor mehrerer Fachaufsätze und Eltern-Informationsbroschüren. Ferner ist er der Betreiber der Informationsplattform www.handywissen.info.

Aufbau und Inhalt

114 Seiten Inhalt verteilen sich auf vier Teile (A bis D) mit insgesamt 33 "kleinen" Kapiteln auf ein Buch im "Jackentaschen"-DIN A6-Format in angemessener Schriftgröße.

  • Der Teil A gibt in fünf Kapiteln und auf insgesamt 18 Seiten "Informationen für die, die sich erst einmal theoretisch dem Thema Handy in pädagogischen Arbeitszusammenhängen nähern möchten" (S. 9).
  • Teil B beinhaltet in 12 Kapiteln auf insgesamt 13 Seiten "(e)in Dutzend Anregungen für die, die das Thema Handy in der eigenen Praxis umsetzen möchten" (S. 27).
  • Den dritten Teil des Buches, Teil C, untertitelt der Autor als "(d)as ABC der Handy-Projekte" (S. 40) und stellt dort in sechs Kapiteln auf insgesamt 23 Seiten die konzeptionell angelehnte Planung eines (Handy-)Projekts vor und dar.
  • Im letzten Teil D "Handy-Projektbausteine" (S. 63) geht es um die ganz konkreten Möglichkeiten, die das Handy praktisch für Projekte bietet.

Diskussion

  • Teil A beinhaltet für den Autor den "Versuch, die Beschäftigung mit dem Handy in pädagogischen Settings zu begründen und Anregungen für deren Weiterentwicklung zu geben" (S. 9). Ausgehend von den allgemein bekannten und beschriebenen Problem- und Gefährdungslagen des Handyumgangs von (Kindern und) Jugendlichen thematisiert Böker vor allem in der Verknüpfung von spielpädagogischen und medienpädagogischen Aspekten die Möglichkeiten, nachhaltiges Lernen bei Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen. Dabei fasst er die bisher aus der Wissenschaft zusammengetragenen Erkenntnisse knapp zusammen, vergisst dabei auch nicht die noch oftmals vorherrschende Medienablehnung der Öffentlichkeit anzusprechen und zu lebensweltbezogenen Ansätzen der Pädagogik überzuleiten, die den Jugendlichen letztlich erst zu einem aktiv Handelnden werden lassen kann und an seinen aktuellen Interessen und Zielen ausgerichtet sind. Hierbei rekurriert er hauptsächlich auf die Zusammenführung spielpädagogischer Konzepte und Ansätze mit denen der Medienpädagogik. In seiner theoretischen Ausarbeitung zum Thema bezieht sich der Autor ausschließlich auf Internetliteratur. Dies ist einerseits zu begrüßen, weil damit die aktuellste Literatur (z.B. Nicola Döring, Fred Schell, siehe S. 17 und 19) von einschlägigen Instituten (z. B. JFF) mit einbezogen wird. Andererseits bezieht sich Böker bei einer Kurzabhandlung zur Spielpädagogik zur Untermauerung und Unterstützung seiner Argumentation auf Wikipedia-Quellen (vgl. S. 12f.). Dies halte ich aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet für etwas „unglücklich“ und hätte es sinnvoller gefunden, hier auf Basiswissen der Printliteratur zurückzugreifen, da dem „spielpädagogisch unwissenden Leser“ sich erst nach einer gründlichen Prüfung dieser Quellen erschließen könnte, ob die dort unter Wikipedia zitierten AutorInnen wirklich Fachmenschen der Spielpädagogik sind oder nur „HobbypädagogInnen“. Grundsätzlich wird in diesem ersten Teil aber dadurch deutlich, worum es Böker in seinem Buch geht und worum nicht: Es geht ihm nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema "Handyprojekte", sondern er ist überwiegend und hauptsächlich daran interessiert, konkret und praktisch Anleitungen zur Umsetzung zu liefern.
  • Teil B möchte den pädagogischen Leser für eine Projektarbeit mit dem Handy sensibilisieren und motivieren und grundsätzlich dazu anregen. Im Grunde werden hier in kleinen Abschnitten unterschiedlichste Motivationsgedanken zusammengetragen: Es geht um methodische Arbeitsweisen, um thematische Orientierungen, um Ansätze von Lernverständnissen und um eigene Lernerfahrungen. Alle diese Aspekte münden wieder in Bökers Empfehlung, "Ansätze und Methoden aus Spiel- und Medienpädagogik miteinander zu verbinden" (S. 39), um interessante pädagogische Maßnahmen im Bereich der Handyprojektarbeit zu initiieren (vgl. ebd.).
  • Im dritten Teil des Buches, Teil C, wird durch grundlegende und weiterführende Fragen die konzeptionelle Planung, Durchführung und Auswertung von (Handy-)Projekten thematisiert und näher gebracht. In sechs Kapiteln werden alle zentralen und zu beachtenden Fragestellungen in Bezug auf eine Projektdurchführung angesprochen: Es geht von der Motivation, solche Projekte durchzuführen, über die Ziele und deren Indikatoren, die Ideen, die Finanzierung, den grundsätzlichen Ablauf, die methodische Struktur, konkrete Themeneinstiege, Orte, Partner, Gewinnung und Motivation der Zielgruppe, den thematischen Input bis hin zur Präsentation und Auswertung solcher Projekte. Zu diesen einzelnen Projekteinheiten werden konkrete Fragen gestellt, die es dem Projektverantwortlichen ermöglichen, gezielt und reflexiv darauf für das eigene Projektvorhaben Antworten zu finden und diese zugleich in eine konzeptionelle Reihenfolge zu bringen. Diesen Teil des Buches hat der Autor mithilfe der von Ulrich Baer entwickelten "Präsentationssoftware zur Planung von Projekten 'ju-pro-plan'" (S. 61) unter "Einbezug von Praxiserfahrungen" (ebd.) erstellt. Dieser Bereich im Buch ist für die praktische pädagogische Arbeit sehr relevant: Vielen ErzieherInnen und auch SozialpädagogInnen fällt es schwer, Konzepte für Projekte zu schreiben und darin die Brücke zwischen der pädagogisch-wissenschaftlichen - also theoretischen - Begründung und praktischen Umsetzung in Verbindung mit einer gezielten und reflektierten Evaluation zu schlagen und ein durchführbares Projekt konzeptionell zu erstellen. Durch die Führung und Anleitung anhand der konkreten Fragen im Teil C und dadurch, dass dieses Buch im praktischen A6-Format existiert, bekommt die pädagogische Fachkraft nicht nur einen roten Faden zur Erstellung eines schriftlichen Konzepts, sondern darüber hinaus auch noch ein „Nachschlagewerk“ an die Hand, welches sich eignet, es auch während einer praktischen Durchführungsphase dabei zu haben und ggf. kurz reinzublicken, um sich noch einmal für bestimmte Situationen Orientierung, Tipps oder nur Gedanken- und Erinnerungsstützen zu holen. Ferner schließt der Autor diesen Buchabschnitt mit dem Angebot bei Wunsch zum "Fachaustausch (…) oder weiterführende(n) Fragen" (S. 62), sich an ihn wenden zu dürfen und hinterlässt zu diesem Zweck sämtliche Kontaktmöglichkeiten inkl. Telefon und E-Mail.
  • Der vierte und letzte Teil D behandelt ganz konkret sowie sehr ausführlich und anschaulich alle Einsatzmöglichkeiten des Handys in Bezug auf sämtlich vorstellbare praktische Umsetzungsalternativen. Neben den üblichen „Audio-, Video- und Fotomöglichkeiten“ fokussiert Böker das Handy auch auf seine kreativ-gestalterischen Funktionen als "Multimedium", als "Computer", bei der "Datenübertragung", bei der "Bildbearbeitung", im Einsatz bei "Präsentationen", bei der Gestaltung von "Texten" und beim Einsatz als "Spiele"-Gerät. Hier versäumt es der Autor nicht, auf geeignete Software hinzuweisen und gibt konkret die Internetseiten an, die die Software oder die Einsatzmöglichkeiten der Software beschreiben oder auf die Downloadadressen verweisen. Da es eine ganze Menge an Software gibt, die Böker hier anspricht und beschreibt, wäre es bei der grundsätzlichen Flüchtigkeit der Internetadressen sinnvoller, hierfür eine eigene Webseite zu schalten (z.B. auf der von ihm selbst betriebenen www.handywissen.info) und dort die sich ggf. verändernden Links zu pflegen und zu aktualisieren und nur diese eine geschaltete Internetseite in seinem Buch anzugeben. So kann dieses Buch schnell an Aktualität verlieren, wenn sich herausstellt, dass die angegeben Links nicht mehr funktionieren. [Fairerweise muss an dieser Stelle aber hinzugefügt werden, dass alle im vierten Teil genannten Internetadressen noch aktuell und erreichbar sind (Stand: 31.12.2007).] Alle Beispiele in den einzelnen Abschnitten werden mit konkreten praktischen Vorschlägen verbunden, wie man das Handy in geeignete Projektformen einsetzen kann und lässt damit den Einsatz nicht nur zum theoretischen Vakuum verkommen, sondern motiviert zum Ausprobieren und konkreten Umsetzen und initiiert beim Leser eigene Ideen.

Was leider besonders negativ im gesamten Buch - zunehmend im vierten Teil - auffällt, ist die überdurchschnittlich hohe Anzahl an Interpunktions- und Tippfehlern. Hier gewinnt man tatsächlich den Eindruck, als sei eine falsche Korrekturversion in Druck gegeben worden oder aber das Lektorat hat fahrlässig gearbeitet. Als ein Beispiel von vielen(!) sei die Seite 102 genannt. Dort steht in der Fußnotenquellenangabe "netzchackers.de" anstelle von "netzcheckers.de", was hier besonders unglücklich ist, weil es ein Auffinden der Internetseite somit unmöglich macht.

Fazit

Dieses Buch im A6-Format will ein praktischer Rat- und Impulsgeber sowie handlungsleitender Faden für alle pädagogischen Fachkräfte sein, die sich dem Handy projektorientiert in der Kinder- und Jugendarbeit nähern möchten. Es enthält anschauliche, zur Nachahmung geeignete Beispiele und Vorschläge und führt selbst projekt- und konzeptunerfahrene Menschen auf geeignete konzeptionelle Wege, um Projekte von der Planung bis hin zur Auswertung und Präsentation in eigener Regie durchführen zu können. Die theoretischen Hintergrundinformationen im Teil A eignen sich dagegen nicht für eine medienpädagogische Auseinandersetzung mit dem Thema „Handy und Jugendliche“ auf wissenschaftlicher Ebene; sie enthalten lediglich erste einführende Hinweise, die zudem zu sehr auf den hier im Buch redundant auftretenden und zum Teil eher „künstlich behaupteten“ Zusammenhang zwischen der Spiel- und Medienpädagogik rekurrieren, obwohl schnell deutlich wird, dass die hier beispielhaft aufgezeigten Projektmöglichkeiten nicht oder nur zu einem geringen Teil der Spielpädagogik zugeordnet werden müssten. Ferner zitiert der Autor in diesem Kontext ein weiteres eigenes Buch zu Handyspielen auffällig oft.

Dieses Buch eignet sich besonders für den Praktiker, der schnell und effektiv Tipps und Impulse zur Initiierung von Handyprojekten haben möchte und deshalb sollte dieses kleine Werk als praktischer Leitfaden in den Regalen vor allem in den Freizeiteinrichtungen der Jugendhilfe nicht fehlen.


Rezensent
Dipl.-Soz. Päd. Richard Janz
Dozent für Medienpädagogik/Massenkommunikationspädagogik/Neue Medien Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage soz-kult.fh-duesseldorf.de/janz
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Zitiervorschlag
Richard Janz. Rezension vom 17.01.2008 zu: Arnfried Böker: Spiel, Spaß, Wissen - das Handy-Projektebuch. docupoint Verlag (Magedeburg) 2007. 114 Seiten. ISBN 978-3-939665-29-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5222.php, Datum des Zugriffs 03.09.2010.


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