Reinhard Bindemann: Handbuch Verbraucherkonkurs
Reinhard Bindemann: Handbuch Verbraucherkonkurs. Eine praxisorientierte Einführung für Schuldner, Schuldenberater, Gläubiger und Rechtsberater. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2004. 4. Auflage. 330 Seiten. ISBN 978-3-8329-0397-8. 34,00 EUR.
plus 1 Diskette. Systemvoraussetzungen der Disketten-Beilage: Windows 95/98; MS Word 97.
Überblick über die Inhalte
Der Autor gibt bereits in seinem Vorwort durch seine Kritik an der nach seiner Ansicht unsinnig langen Laufzeit bis zur Entschuldung, der unzureichenden Finanzierung der Schuldnerberatungsstellen und der nach seiner Ansicht unzutreffenden alleinigen Schuldzuweisung hinsichtlich der Verschuldung auf die Schuldner deutlich zu erkennen, auf wessen Seite er Stellung bezieht.
Nachfolgend stellt der Autor eine dreiseitige Zusammenfassung des Verfahrens sowie eine entsprechendes Schaubild voran. Dann werden die einzelnen Phasen
- außergerichtliche Einigungsversuche, Seite 33 bis Seite 50;
- gerichtlicher Einigungsversuch, Seite 51 bis Seite 108;
- Insolvenzverfahren, Seite 109 bis 218;
- Treuhandphase, Seite 219 bis 228;
- Teilung der Restschuldbefreiung, Seite 229 bis Seite 256 und
- Widerruf der Restschuldbefreiung, Seite 257 bis 259
dargestellt.
Der verbleibende Teil befasst sich mit der gerichtlichen Zuständigkeit, Rechtsmitteln, Rechtsanwaltsgebühren, Tipps für Schuldner (und Schuldnerberater), Pfändungstabellen und Paragrafenlisten.
Das Buch beinhaltet des weiteren Arbeitshilfen u.a. mit Muster- oder Serienbriefen gängig auf Windows 95/98; MS-Word 97.
Bewertung:
Die Kritik des Autors an den bestehenden Verhältnissen, die sich nicht nur im Vorwort widerspiegelt, kann nur geteilt werden. Diese sich durch das Werk ziehende Einstellung macht es jedoch eindeutig zu einem Buch für Schuldner bzw. Personen auf deren Seite. Nach dem Untertitel des Buchs handelt es sich um eine praxisorientierte Einführung für Schuldner, Schuldnerberater, Gläubiger und Rechtsberater. Es bestehen für den Residenten erhebliche Bedenken, ob Gläubiger und Rechtsberater auf Seiten von Gläubigern viel Freude an diesem Werk haben würden. Dies liegt wahrscheinlich weniger an dem auf dem Einwand befindlichen Anzugträger mit Wolfskopf und fletschenden Zähnen, mit einem Vertrag in der Hand, der augenscheinlich einen Gläubiger darstellt, als an der unverhohlenen Kritik an den Auswüchsen des Anbieterverhaltens.
Die Darstellung des Verfahrens, die beinhaltete Erklärung juristischer Begriffe und Sachzusammenhänge muss ausdrücklich und massiv gelobt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Autor nicht beabsichtigte einen Kommentar zur Insolvenzordnung für Rechtsanwälte zu schreiben, in dem jeder bestehende Meinungsstreit, jede Fußangel des Verfahrens und jede mögliche ggf. abwegige Entwicklung eines Verfahrens dargestellt wird. Dies hat zur Folge, dass Fragen die die Behandlung von Verfahren bei Massearmut, der bestehende Streit, ob noch eine Verfahrensverkürzung nach der Reform möglich ist und ob das Einkommen der nicht mitverpflichteten Ehefrau für die Verfahrenskosten eingesetzt werden muss, nicht behandelt werden. Auch dies kann im Einzelfall für den "Normalschuldner" von Bedeutung sein.
Hinsichtlich der auf Diskette beigefügten Musterbriefe usw. ist anzumerken, dass diese für einmaliges Verfahren sicherlich sehr geeignet sind. Bei einer Vielzahl von Verfahren erscheint es jedoch unumgänglich die einschlägige Software verschiedener Anbieter für Schuldnerberater zu nutzen. Entsprechende Hinweise fehlen leider.
Zielgruppen
Wie bereits aus dem Untertitel zu erkennen ist, sollte eine praxisorientierte Einführung geliefert werden. Dies ist dem Autor voll umfänglich gelungen. Selten hat der Resident die sicherlich komplizierten Regelungen und Begriffe derart verständlich dargestellt gesehen. Dies gilt ausdrücklich auch für Nichtjuristen. Dies führt zu der Frage der Einigung für die genannten Zielgruppen. Nach meiner persönlichen Einschätzung handelt es sich um ein vor allem für Berater geeignetes Buch. Die Schuldner, die in der Lage sind, sich diese komplexe Materie anhand eines entsprechenden Buches mit über 300 Seiten anzueignen, dürften selten sein. Auch für Rechtsanwälte, die sich nicht schwerpunktmäßig mit diesem Thema befassen, dürfte das vorliegende Werk einen geeigneten Einstieg bieten. Leichte Kritik muss an der Gewichtung (s.o.) geübt werden. Sicherlich besteht hinsichtlich des eröffneten Insolvenzverfahrens der größte juristische Erklärungsbedarf. Andererseits liegt der Hauptteil in dem Schuldner oder Schuldnerberater aktiv sind, im außergerichtlichen und gerichtlichen Einigungsverfahren. Die knapp 20-seitigen entsprechenden Tipps für Schuldner und Schuldnerberater am Ende des Buches wiegen nicht ganz auf, dass im vorderen Teil bei der entsprechenden Darstellung, praxisorientierte Tipps leicht zu kurz kommen.
Zusammenfassung:
Insgesamt kann festgehalten werden, dass der Autor ein sehr gelungenes Werk vorlegt. Gerade im Hinblick auf die von ihm selbst formulierte Absicht eine praxisorientierte Einführung zu liefern, sind nur äußerst geringfügige Kritikpunkte (s.o.) zu nennen. Bemerkenswert ist noch der für juristische Literatur sicherlich sehr annehmbare Preis von Û 29,00. Dies macht das Buch zumindest für Berater, wenn auch nicht für Schuldner, sicherlich erschwinglich.
Anmerkung der Redaktion: Die Rezension basiert auf der Auflage 2002.
Rezensent
RA Bernd Jaquemoth
Vorstandsmitglied des Bundes Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung,
Mitglied der Arbeitskreises „Insolvenz“ der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände, Mitglied der Netzwerkgruppe „Schulden und Insolvenz“ des Verbraucherzentrale Bundesverband
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Zitiervorschlag
Bernd Jaquemoth. Rezension vom 18.03.2003 zu: Reinhard Bindemann: Handbuch Verbraucherkonkurs. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2004. 4. Auflage. 330 Seiten. ISBN 978-3-8329-0397-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/523.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.
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