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Christiane Griese, Anne Levin u.a. (Hrsg.): Mütter, Väter, Supernannies

Cover Christiane Griese, Anne Levin, Andrea Schmidt (Hrsg.): Mütter, Väter, Supernannies. Funktionalisierende Tendenzen in der Erziehung. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2007. 152 Seiten. ISBN 978-3-8340-0247-1. 16,00 EUR, CH: 28,00 sFr.

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Thema

Dieser Sammelband thematisiert mit seinen Beiträgen die Diskurse um die vermeintlich aktuelle Erziehungsmisere und deren Präsentation durch "Super Nanny" und Co. Im Kontext der Schlagworte Funktionalisierung, Medialisierung und Elternverantwortung.

Herausgeber

  • PD Dr. Christiane Griese ist Akedemische Rätin am Institut für Erziehungswissenschaft an der Technischen Universität Berlin.
  • Dr. Anne Levin ist Postdoktorandin am Institut für Erziehungswissenschaft an der Technischen Universität Berlin.
  • Dr. Andrea Schmidt ist Professorin für Sozialarbeitswissenschaft an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld.

Aufbau

Der vorliegende Band ist in drei Teile gegliedert, welche mit Funktionalisierung und Erziehung, Eltern und Erziehung sowie Medialisierung und Erziehung überschrieben sind.

1. Funktionalisierung und Erziehung

Der erste Teil umfasst drei lesenswerte Beiträge.

  1. Manfred Kappeler problematisiert in deutlichen Worten die Kindheits- und Zukunftsrhetorik von Regierungen, Parteien und Lobbyisten und weist auf, dass alle möglichen Intentionen im Spiel sind, nur nicht unbedingt die der heutigen Kinder und Jugendlichen.
  2. Joachim Bröcher thematisiert im zweiten Beitrag die funktionalistische Inanspruchnahme der Schule in einer Zeit, in der einflussreiche Kreise eine neue Sehnsucht nach Anpassung und Kontrolle von jungen Menschen zeigen. Er skizziert den Widerspruch zwischen humanistischem Bildungsideal und zeitgenössischen Funktionen der heutigen Schule, die durch Qualifizierung, Auslese und Legitimation gekennzeichnet werden kann.
  3. Brigitte Wiesmeier beschäftigt sich im dritten Beitrag mit der niederschwelligen Familienhilfe in Zeiten öffentlicher leerer Kassen. Am Beispiel eines semiprofessionellen Beratungsprojekt von Studierenden der Sozialen Arbeit in Berlin bearbeitet sie das Spannungsverhältnis, welches entsteht, wenn Studierende nicht nur eine wertvolle ergänzende Ressource für Familien darstellen, sondern auch als unbezahlte, ehrenamtliche Arbeit als mögliches Einsparpotenzial genutzt werden.

2. Eltern und Erziehung

Im zweiten Teil werden vier Beiträge angeboten.

  1. Christiane Griese beschäftigt sich mit Eltern zwischen Erziehungsstress und Ratgeberliteratur. Ihr Fazit ist die Feststellung einer Funktionalisierungsfalle, in der sich alle Beteiligten am Erziehungsprozess wieder finden. Erziehung ist und bleibt risikobehaftet. Von daher entzieht sie sich häufig der Logik der genormten Qualitätshandbücher, die der Markt verunsicherten Eltern anbietet.
  2. Daran anschließend zeigt Ralf Quindel ansatzweise auf, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten sich beim Thema "Elternführerschein" festmachen lassen, dessen moderate Vorläufer alle möglichen Eltern(Schulungs)Kurse darstellen.
  3. Anne Levin problematisiert in ihrem Beitrag die öffentliche Betreuung im frühen Kindesalter. Sie fokussiert dabei auf die Ergebnisse der amerikanischen NICHD-Studie, welche die Qualität elterlicher und nichtelterlicher Betreuung untersucht und fragt kritisch nach den Konsequenzen für die Betreuung unter Dreijähriger in unserem Land.
  4. Abgerundet wird dieser Teil durch einen Beitrag von Rolf Arnold, der Anmerkungen zur erzieherischen Bedeutung von Vätern vorlegt.

3. Medialisierung und Erziehung

Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Medialisierung von Erziehung. Bezugnehmend auf die "Super Nanny" und die "Super Mamas" wird versucht, in vier verschiedenen Zugängen erziehungswissenschaftliche Aussagen zu einer medial vermittelten "Erziehungshilfe" zu machen.

  1. Andrea Schmidt thematisiert dabei das Beratungskonzept der "Super Nanny" und dessen Entwicklung über die verschiedenen Staffeln.
  2. Heinz Moser fokussiert auf die kulturellen Unterschiede zwischen der deutschen "Super Nanny" und deren englischem Vorbild.
  3. Katharina Hohmann stellt eine qualitative Onlineberatung zur "Super Nanny" vor, bei der Nutzer von Internetforen befragt wurden.
  4. Herbert Scherer schließlich unternimmt den Versuch einer "Ehrenrettung einer Supermama", indem er kritisch die fachlichen Spielräume einer eingekauften "Supermama" und deren Zwänge im Rahmen des Mediums Fernsehen beleuchtet.

Zielgruppen

Beschäftigte und Studierende in sozialen und erzieherischen Berufen sowie Menschen, die sich für Erziehungsfragen interessieren.

Fazit

Es ist ein lesenswertes Buch, welches mit einem kritischen Grundton aktuelle Fragen von Erziehung und Bildung aufgreift. Bedingt durch die Breite der Themenstellung werden viele Aspekte nur angerissen, so dass ggf. mit anderen Quellen vertieft werden muss. Da die Leistung des Buches in einem kritischen Überblick besteht, sollte es auch nur dafür genutzt werden.


Rezensent
Prof. Dr. Peter Bünder
Fachhochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf. Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 04.04.2008 zu: Christiane Griese, Anne Levin, Andrea Schmidt (Hrsg.): Mütter, Väter, Supernannies. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2007. 152 Seiten. ISBN 978-3-8340-0247-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5258.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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