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Ingrid Pramling Samuelson, Maj Asplund Carlsson (Hrsg.): Spielend lernen. Stärkung lernmethodischer Kompetenzen

Cover Ingrid Pramling Samuelson, Maj Asplund Carlsson (Hrsg.): Spielend lernen. Stärkung lernmethodischer Kompetenzen. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2007. 192 Seiten. ISBN 978-3-427-50063-6. 24,80 EUR.

Reihe: Bildung von Anfang an. Grundlagen frühkindliche Bildung. Originaltitel: Det lekande lärande barnet. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS.
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Thema

Im Mittelpunkt des Buches stehen das Lernen und die Bildungsprozesse in der frühen Kindheit. Dabei werden Kernbegriffe des Lernens von Kindern mit Bezug zur Geschichte und aktuellen Diskussion in der Forschungsliteratur erläutert. Um aufzuzeigen, wie Fachkräfte die Lernprozesse der Kinder erweitern können, werden die Positionen durch Praxisbeispiele illustriert.

Autorinnen

Ingrid Pramling Samuelson ist eine der bekanntesten Wissenschaftlerinnen für den Bereich des frühkindlichen Lernens. Sie übernahm 1996 im schwedischen Göteborg die erste Professur für vorschulische Bildung.

Maj Asplund Carlsson arbeitet als Dozentin für Pädagogik an der Universität Göteborg.

Entstehungshintergrund

Von 1995 - 1997 hat Ingrid Pramling Samuelson das Projekt "Entwicklungspädagogik - ein theoretischer Ansatz" bearbeitet. Im Ergebnis des Projektes ist in den nachfolgenden Jahren das vorliegende Buch verfasst worden. 2003 erfolgte die Veröffentlichung in Schweden, 2007 sorgten Prof. W. E. Fthenakis und Pamela Oberhuemer für die deutsche Ausgabe.

Aufbau und Inhalt

Vorwort zur deutschen Ausgabe. W. Fthenakis und P. Oberhuemer weisen darauf hin, dass Spielen und Lernen für junge Kinder nicht zu trennen sind und dass Lernen in der frühen Kindheit erfahrungsbasiert ist und in der Gemeinschaft erfolgt.

Vorwort. Ingrid Pramling Samuelson erklärt ihren Ansatz der "Entwicklungspädagogik" als theoretische Grundlage der Frühpädagogik, der mit dem Leitmotiv "Spielend lernen" kurz zu umreißen ist.

Teil 1: Hintergrund. Mit Blick auf die Geschichte wird festgestellt, dass die UNO-Kinderrechtskonvention die Sichtweise auf Kinder verändert hat: von einer Perspektive, die die Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt, hin zu einer Sicht, die die Rechte von Kindern thematisiert. Andere Faktoren, die für eine veränderte Betrachtung von Kindheit sorgten, sind die Ausbreitung der multikulturellen Gesellschaft und die Forschung, wie z. B. die Genderforschung, und eine große Anzahl von empirischen Studien über das Lernen von Kindern. So wurde ein Bild des Kindes konstruiert, das Kinder als kompetent, aktiv und Sinn schaffend beschreibt. Kinder sind aber auch verletzlich und benötigen pädagogische Fachkräfte, die Verantwortung für die Entwicklung und das Lernen des Kindes übernehmen. Ausgangspunkt der Reflexion in diesem Buch soll deshalb sein, was Kinder in Tageseinrichtungen lernen. Dabei soll eine Frühpädagogik als Theorie vom Lernen des Kindes in Tageseinrichtungen entwickelt werden, die hier Entwicklungspädagogik genannt wird. Beispielhaft für frühpädagogische Programme und Theorien werden in kurzen Abschnitten Friedrich Fröbel, Maria Montessori, das High/Scope-Programm, die Dialogpädagogik und die Pädagogik von Reggio Emilia anhand der Begriffe Gegenstand des Lernens, Akt des Lernens und Arbeitsweise der pädagogischen Fachkraft betrachtet. In einem weiteren Abschnitt wird das Spiel der Kinder als eine Möglichkeit angesehen, die Welt zu verstehen. Dabei stellen die Autorinnen zwei Entwicklungstendenzen fest:

  1. Das Spiel bezieht sich nunmehr nicht mehr nur auf Kindheit, da sich auch Erwachsene z. B. viel mit elektronischen Spielen befassen.
  2. Das Spiel verschwindet mehr und mehr zugunsten eines schulorientierten Lernens.

Teil II: Grundzüge des phänomenografischen Forschungsansatzes. Bei der Beschreibung und Erläuterung des phänomenografischen Ansatzes wird deutlich, dass dieses Herangehen dazu dienen soll, das Unsichtbare (wie Kinder Sinn stiften und wie sie ein Verständnis für ein Phänomen entwickeln) sichtbar zu machen. Deshalb sind bei der Entwicklungspädagogik die Erfahrungen des Kindes Ausgangspunkt für die pädagogische Praxis. In diesem Zusammenhang werden die pädagogischen Tätigkeiten Variation und Lenkung erläutert. Es gibt eine Reihe von Studien, die darauf hinweisen, dass die "Metakognition der Motor beim Lernen ist". Aus Sicht der Erwachsenen ist Metakognition die Frage danach, wie Kinder einen Lerngegenstand verstehen. Mit Hilfe von metakognitiven Dialogen können die Kinder angeregt werden, über das, was sie tun und warum sie etwas tun, nachzudenken.

Teil III: Die Theorie der Entwicklungspädagogik entsteht auf einer empirischen Grundlage. In diesem Teil des Buches wird ein Teil der Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die in Kindertageseinrichtungen mit dem Fokus auf Akt und Gegenstand des Lernens durchgeführt worden sind, näher betrachtet und zusammenfassend analysiert. Es wird deutlich, dass Kinder im Vorschulalter häufig glauben, dass sie lernen etwas zu tun, indem sie das tun, aber auch indem sie älter werden oder Erfahrung gewinnen. Nur wenige haben eine Vorstellung davon, dass man Wissen über die Welt erwerben kann. So konnte im Projekt "Metalernen in der Kindertageseinrichtung" (Pramling, 1988) nachgewiesen werden, dass bei Kindern in Gruppen, die nach einem entwicklungspädagogischen Ansatz gearbeitet haben, die Fähigkeit, Dinge zu verstehen, auf einem höheren, einem abstrakteren Niveau ausgebildet wurde, als in Vergleichsgruppen. Weitere Abschnitte sind dem Verständnis der Kinder für verschiedene Aspekte der Mathematik, für kulturelle Aspekte der Umwelt, für die Schriftsprache und die Natur als Lerngegenstände und dem Umweltverständnis gewidmet.

Teil IV: Junge Kinder, die Zukunft und die Pädagogik. Auf Grundlage der analysierten Untersuchungen gehen die Autorinnen nun auf die Frage ein: Was sollen Kinder in Tageseinrichtungen lernen? In der Entwicklungspädagogik geht es dabei weniger um Inhalte, als vielmehr darum, welche Fähigkeiten die Kinder in Beziehung zu einem Thema entwickeln können. Anhand des Schwedischen Bildungsplans von 1998 wird aufgezeigt, welche Ziele in der schwedischen Frühpädagogik verfolgt werden.

Anhang für die deutsche Ausgabe. Im Anhang befindet sich

  • eine Darstellung der schwedischen Struktur des Programms "Spielend lernen" und eine Übersicht über die Vorschule im schwedischen Bildungssystem.
  • Glossar
  • Praxisbeispiel für Erzieherinnen und Erzieher
  • Register
  • Bibliografie (Literaturverzeichnis)

Diskussion

Im Mittelpunkt der Darstellung steht das spielende Kind. Es wird aufgezeigt, wie das Spielen mit dem Lernen zusammenhängt. Dabei wagen die Autorinnen einen Blick in die Vergangenheit und heben besonders die Fröbel-Pädagogik hervor, weil Friedrich Fröbel die Bedeutung der Selbsttätigkeit der Kinder betonte. Anhand des Buches erfährt man sehr viel über die schwedische Diskussion, Forschung und Rezeption der Frühpädagogik. Sicher hat es auch mit den Schwierigkeiten einer Übersetzung zu tun, dass mir der Begriff Entwicklungspädagogik immer noch etwas sperrig daher kommt.

Mir scheint es jedoch so, dass die Anforderungen, die sich aus den Bildungsplänen der einzelnen Bundesländer im Hinblick auf eine individuelle Arbeit mit den Kindern ergeben, genau eine solche Entwicklungspädagogik, wie sie hier beschrieben ist, benötigen. Ein kindzentrierter Ansatz reicht da nicht mehr aus.

Die Erläuterungen über das Lernen der Kinder und ihr Weltverständnis anhand der vielen konkreten Beispielen sind sehr anregend und bereichernd. Mit dem Buch wird die Bedeutung des Spiels für das Lernen der Kinder stark betont, das Spielen und Lernen werden als untrennbar miteinander verbunden betrachtet. Gleichzeitig wird die Rolle der pädagogischen Fachkräfte betont, die die Aufgabe haben, "die Welt der Kinder einzufangen und herauszufordern".

Ich bin mir sicher, dass dieses Buch bald zum Standardwerk in der Erzieherausbildung an Hochschulen gehören wird, u. a. auch, weil es mit Ergebnissen aus vielen wissenschaftlichen Studien unterlegt ist.

Zielgruppe

Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten sowie solche, die es werden wollen, Fach- und Lehrkräfte in der Aus- und Fortbildung.

Fazit

Den Autorinnen des Buches ist es gelungen, eine vielschichtige und umfassende Darstellung der Bedeutung des Spiels für das Lernen der Kinder aufzuzeigen.


Rezensentin
Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann
Fachhochschule Erfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Professur "Erziehungswissenschaften, Erziehung und Bildung von Kindern"
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Zitiervorschlag
Michaela Rißmann. Rezension vom 13.02.2008 zu: Ingrid Pramling Samuelson, Maj Asplund Carlsson (Hrsg.): Spielend lernen. Stärkung lernmethodischer Kompetenzen. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2007. ISBN 978-3-427-50063-6. Reihe: Bildung von Anfang an. Grundlagen frühkindliche Bildung. Originaltitel: Det lekande lärande barnet. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5309.php, Datum des Zugriffs 28.05.2016.


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