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Klaus Grunwald, Elke Steinbacher: Organisationsgestaltung und Personalführung [...]

Cover Klaus Grunwald, Elke Steinbacher: Organisationsgestaltung und Personalführung in den Erziehungshilfen. Grundlagen und Praxismethoden. Juventa Verlag (Weinheim) 2007. 259 Seiten. ISBN 978-3-7799-1778-6. 18,00 EUR.

Reihe: Basistexte Erziehungshilfen.

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Relevanz

Wie viele andere NPO auch befinden sich Einrichtungen der Erziehungshilfen im Spannungsfeld zwischen Sozialwirtschaft und Unternehmertum. Damit werden sie auch mit Fragen der Personalführung und Organisationsgestaltung konfrontiert. Dieses alles ist nicht neu und entspricht dem Stand der derzeitigen Diskussion. Jedoch ragt die vorliegende Publikation aus der Vielzahl anderer Schriften hervor, die sich mit dieser The­matik befassen: Bewusst wird der Spagat versucht, praxisnahes Wissen zu vermitteln, ohne hierbei auf eine theoretische Basis zu verzichten. Dieses ist den beiden Autoren in hervorragender Weise gelungen. Es ist ein gut geschriebenes, leicht verständliches Buch mit allen relevanten Themen, ohne in die übliche unreflektierte Ratgeberliteratur abzugleiten. Auch vermeiden die Autoren es, unreflektiert Managementmodelle und ähnliches zu übernehmen.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation gliedert sich in sechs inhaltliche Kapitel, die vom Allgemeinen zum Spe­ziellen angeordnet sind. Die ersten beiden Kapitel geben einen Überblick über die Rahmenbedingungen und gehen auch auf den theoretischen Diskurs ein. Hierin werden die Grundlagen der Gestaltung von Struktur und Kultur sozialer Einrichtungen aufge­zeigt sowie die Fragen der Beeinflussung und Steuerung von Mitarbeiterinnen und Mit­arbeitern angesprochen. Die folgenden Kapitel haben dann eher instrumentellen Cha­rakter und geben Führungskräften Hilfen zur Gestaltung konkreter Prozesse.

  1. Kapitel 1 beschäftigt sich mit dem Management der Organisationsgestaltung. Hier fin­det sich auch ein Exkurs zu den neuen Konzepten der Organisationssoziolo­gie, der für das Verständnis des derzeitigen Diskurses gut geeignet ist. Im Mittelpunkt stehen die Fragen der Organisationsgestaltung und ihre Anwendung auf die Leitungs­praxis in Einrichtungen der Erziehungshilfen. Dabei werden diese Gestaltungsmöglich­keiten in den Kontext der Sozialwirtschaft und der Fachlichkeit der Leistungserbringung gestellt. In einem Kasten werden die Erkenntnisse nochmals zusammengefasst, was das Verständnis erleichtert (S. 67). Am Abschluss steht der konkrete Transfer eines pragmatischen Managementmodells in diesen Einrichtungen.
  2. Das zweite theoretische Kapitel verbindet die Organisationsgestaltung mit der Personalführung, was auch aus der Überschrift "Von der lernenden Organisation zur Personalführung" hervorgeht. Verwunderlich ist, dass auf den "Erfinder" der Lernenden Organisation, Peter Senge, nicht eingegangen wird. Dagegen werden die Lernebenen nach dem Modell von Argyris/Schön ausführlich geschildert (S. 76ff.). Hierzu ließe sich eine längere Diskussion führen, ebenso zu den Modellen des entwicklungsorientierten und systemischen Managements. Gelungen dagegen ist die an die Theorien von Lutz von Rosenstiel angelehnte Darstellung der Personalführung in Kapitel 2.4. Hier werden die Wirkungsmechanismen, auf denen Personalführung beruht und die zentralen Führungskompetenzen für NPO geschildert.
  3. Mit Kapitel 3 beginnen die stärker pragmatischen Kapitel. Am Beginn steht die Konzepti­ons- und Leitbildentwicklung in Einrichtungen der Erziehungshilfen. Relativ kurz wird hier die Entwicklung von Leitbildern und Konzepten geschildert. Im Mittelpunkt steht der Prozess der Erstellung und es werden die einzubeziehenden Personen beschrieben, die notwendig sind, bevor eine Coporate Identity entstehen kann.
  4. Personalführung bedarf konkreter Instrumente wie Zielvereinbarung, Delegation, Mitarbeitergespräche oder Einarbeitung. In Kapitel 4 Instrumente der Personalführung werden diese kurz vorgestellt, wobei die Terminologie zwischen Mitarbeiter- und Personalführung etwas durcheinander geht. Zugrunde gelegt ist ein partizipatives Führungsverständnis, weshalb ausdrücklich auf Kompetenzen in Gesprächsführung und Kommunikation eingegangen wird.
  5. In Kapitel 5 geht es konkret um Teamleitung und -entwicklung. Deutlich werden die Teams in den NPO zu denen in der gewerblichen Wirtschaft abgegrenzt. Aller­dings unterscheiden sich die zugrunde liegenden Mechanismen kaum: optimale Team­größe, Entwicklungsphasen und Leitung sind gleichermaßen die sozialpsychologischen Bedingungen. Interessant sind hier die dargestellten Tools von der TZI bis zu unterschiedlichen Kreativitäts-, Problemlösungs-, Konfliktlösungs- und Moderationstechniken.
  6. Das abschließende 6. Kapitel Anleitung von Praktikantinnen und Praktikanten ist sicher­lich eine besondere Situation. Ihre Aufnahme in die Publikation wird damit begrün­det, dass die Aufgabe der Praxisanleitung oft vernachlässigt würde. Andererseits wird die­ses als Übungsfeld für zukünftige Führungskräfte gesehen, was nicht ganz wider­spruchsfrei ist.

Das einzige Kapitel, das wenig bringt, sind die drei Seiten Schlussbe­merkungen. Diese hätten auch in die Einleitung aufgenommen werden können.

Diskussion

Das Buch gibt einen guten Überblick über die Fragen der Organisationsgestaltung und Personalführung in NPO. Zudem wird dieser Überblick in einem vertretbaren Seitenrahmen gegeben. Beides ist sehr gut gelungen. Hieraus folgt aber auch gleichermaßen, dass insbesondere bei den praktischen Kapiteln oft nur ein erster Einstieg in die The­matik erfolgen kann. Will man die Methoden in die Praxis umsetzen, so wird man in der Regel nicht umhin kommen, auf vertiefende Literatur zurückzugreifen. Aber dieses ist kein Nachteil, hilft es doch dem Praktiker, die richtigen Strukturen zu finden und dann erst entsprechend zu vertiefen.

Die vielen Beispiele, Kästen und nicht zuletzt die leicht verständliche Sprache erklären die Sachverhalte anschaulich. Gerade für Studierende der entsprechenden Fachrichtungen ist die Publikation ein sehr guter Einstieg, der viele Hinweise für vertiefendes Lernen gibt. Aber auch dem Praktiker, der oft ohne Vorbereitung mit Organisation und Personal­führung konfrontiert ist, kann die Publikation ein guter Leitfaden sein. Was sie nicht ist - und auch gar nicht sein will - ist ein "Rezeptbuch". Aber wie jeder Hobbykoch weiß: Rezeptbücher machen erst dann Sinn, wenn man über Grundfertigkeiten und Erfahrungen verfügt. Insofern kann auch Praktikern diese Publikation dann uneingeschränkt empfohlen werden, wenn sie keine unreflektierbar umsetzbaren Rezepte erwarten.

Wenn etwas stört, so ist es die nicht immer einheitliche Sprache. Dieses liegt daran, dass die Autoren sich eher im sozialwissenschaftlichen Fachgebiet zu Hause sehen, aber vielfach auf die Betriebswirtschaftslehre Bezug nehmen. Bei einer zweiten Auflage, die dem Buch zu wünschen ist, könnte hier eine entsprechende Schärfung vorge­nommen werden.

Fazit

Es ist eine insgesamt sehr erfreuliche Publikation, die sich von vielen Ratgeberbüchern wohltuend unterscheidet. In erster Linie erscheint es für Studierende der Sozialwissenschaften geeignet, die betriebswirtschaftliche Grundlagen der Organisationslehren und Personalführung erlernen wollen, ohne zu tief in die Materie eindringen zu müssen. Es ist ein Basistext, wie auch die Reihe des Verlages heißt. Aber auch für Studierende der Betriebswirt­schaftslehre mit den Schwerpunkten Human Resource Management oder Organisa­tional Behaviour kann dieses Buch einen ersten Einstieg und Überblick bieten, der die Einordnung späterer Vertiefungen gut ermöglicht. Für Leitungspersonen in NPO ist es eine uneingeschränkt zu empfehlende Publikation, in der nicht nur das Wie, son­dern auch das Was geschil­dert werden. Damit werden die Autoren der Komplexität der Leitungsaufgaben in sozialen Einrichtungen voll gerecht.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 21.01.2008 zu: Klaus Grunwald, Elke Steinbacher: Organisationsgestaltung und Personalführung [...]. Juventa Verlag (Weinheim) 2007. 259 Seiten. ISBN 978-3-7799-1778-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5318.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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