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Waldemar von Suchodoletz (Hrsg.): Prävention von Entwicklungsstörungen

Cover Waldemar von Suchodoletz (Hrsg.): Prävention von Entwicklungsstörungen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. 286 Seiten. ISBN 978-3-8017-1980-7. 34,95 EUR, CH: 56,00 sFr.

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Thema

Durch Früherkennung können entwicklungsauffällige Kinder erkannt und durch anschließende Förderung und Behandlung eine Verbesserung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten erreicht werden. Effektiver, weniger aufwändig und weniger belastend ist es jedoch, wenn das Auftreten einer Störung durch präventive Maßnahmen verhindert werden kann.

Enstehungshintergrund

Beim 12. Münchner kinder- und jugendpsychiatrischen Frühjahrssymposium über Entwicklungsstörungen im März 2006 wurde versucht, Bilanz zu ziehen und die Effektivität einzelner Interventionen kritisch zu hinterfragen. Die Themen dieser Tagung wurden für dieses Buch ergänzt und erweitert.

Aufbau und Inhalt

Einleitend werden von Waldemar von Suchodoletz (München) die Möglichkeiten und Grenzen von Prävention diskutiert; die Möglichkeit, durch bestimmte Maßnahmen Entwicklungsstörungen verhindern zu können, setzt voraus, dass man die Ursachen kennt und gesicherte Prädiktoren oder Risikofaktoren existieren. Eine andere wichtige Frage ist es, ob und wie die Zielpopulation erreicht wird.

Als erstes werden drei Störungen behandelt, die sich schon im Säuglings- und Kleinkindalter manifestieren können:

  • Motorische Störungen (Harald Bode, Ulm)
  • Kognitive Entwicklungsstörungen und geistige Behinderung (Dieter Karch, Maulbronn)
  • Umschriebene Sprachentwicklungsstörungen (Waldemar von Suchodoletz, München)

Es werden jeweils Störungsbilder, Ursachen sowie Möglichkeiten und Grenzen der primären und sekundären Prävention beschrieben. Es werden u.a. medizinische Maßnahmen und Vorsorgen, Programme mit Eltern oder in Kindergärten, Frühinterventionsmaßnahmen und Frühförderung thematisiert.

Die nächsten beiden Kapitel beschäftigen sich mit schulisch relevanten Störungen:

  • Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (Petra Küspert, Jutta Weber, Peter Marx & Wolfgang Schneider, Würzburg)
  • Rechenstörungen (Kristin Krajewski & Wolfgang Schneider, Würzburg)

Es werden schwerpunktmäßig von den Autoren entwickelte Förderprogramme beschrieben und diskutiert, aber auch andere werden kurz angesprochen.

Mit den Möglichkeiten der Prävention von emotionalen und sozialen Störungen beschäftigen sich die folgenden Beiträge:

  • Angststörungen (Judith Blatter & Silvia Schneider, Basel)
  • Interaktionsstörungen in Familien mit autistischen Kindern (Paul Probst, Hamburg)
  • Emotionale und Bindungsstörungen (Karl Heinz Brisch, München)

In allen drei Beiträgen werden sowohl Interventionen bei Kindern wie Interventionen bei und mit Eltern beschrieben. Da bei autistischen Störungen primäre oder sekundäre Prävention nicht möglich ist, werden nur Maßnahmen tertiärer Prävention thematisiert; in das vorgestellte Programm werden auch die Lehrer einbezogen.

Brisch behandelt ein Thema von großer präventiver Bedeutung; leider geht er nur auf seine eigenen Präventionsprogramme "SAFE®" (Sichere Ausbildung für Eltern) und B.A.S.E.® (Babywatching gegen Aggression und Angst zur Förderung von Sensitivität und Empathie) ein; andere bindungsorientierte Präventionsprogramme werden nicht erwähnt.

Spezifische Programme zur Prävention von Verhaltensstörungen, von Störungen des Sozialverhaltens, von aggressivem und delinquentem Verhalten werden in den folgenden Beiträgen vorgestellt und Ergebnisse eigenen Evaluationsstudien diskutiert:

  • "Triple P"-Elterntraining (Positive Parenting Training) (Kurt Hahlweg & Nina Heinrichs, Braunschweig)
  • "Faustlos" für Kindergarten und Schule (Manfred Cierpka, Heidelberg)
  • Eltern- und Kindertraining "EFFEKT" (Entwicklungsförderung in Familien: Eltern- und Kindtraining) (Friedrich Lösel, Cambridge; Stefanie Jaursch, Erlangen; Andreas Beelmann, Jena & Mark Stemmler, Erlangen)

Die Trainings wenden sich als Programme der primären oder sekundären Prävention an die Eltern, die Kinder oder bieten Module für beide an.

Wie sind die Programme zur Förderung der sozialen Kompetenz zu bewerten? Dazu versucht der nächste Beitrag eine Antwort zu geben:

  • Dissoziale Verhaltensprobleme: Meta-Analyse zur Effektivität sozialer Kompetenztrainings (Andreas Beelmann, Jena & Friedrich Lösel, Cambridge)

Die Arbeit der Autoren schließt nur Publikationen in deutscher und englischer Sprache bis zum Jahr 2000 ein; es werden jedoch auch neuere Metaanalysen anderer Autoren erwähnt. Sie stellen insgesamt positive Effekte fest und formulieren sehr vorsichtig "dass soziale Kompetenztrainings wahrscheinlich keine Sackgasse der Prävention darstellen" (S. 251). Die Effekte sind aber differenziert zu betrachten; sie diskutieren die Kosten-Nutzen-Effekte von allgemeinen versus indizierten Programmen.

Ein Präventionsprogramm für sozial-emotionale Störung, zugeschnitten auf eine bestimmte Zielgruppe, Kinder mit kognitiven und sprachlichen Defiziten, anwendbar in vorschulischen Einrichtungen (SVE), stellt der letzte Beitrag vor.

  • "PESS" (Prävention emotionaler und sozialer Störungen bei Kindern mit Behinderung) (Johannes Bach, München)

Diskussion

Prävention ist ein wichtiger Ansatz, um Entwicklungsstörungen so weit als möglich vorzubeugen. Prävention kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn sie auf wissenschaftlich überprüften Modellvorstellungen beruht und von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt wird. Zudem ist zu hinterfragen, mit welchem Aufwand für welche Zielgruppe Programme entwickelt und durchgeführt werden. Prävention beginnt je nach Störung schon vor der Geburt mit allgemeinen medizinischen Maßnahmen, bezieht Frühfördermaßnahmen mit ein, wendet sich - unterstützt über Medien oder über Institutionen wie Kindergärten und Schulen - an die Eltern oder unmittelbar an die Kinder. Jede Präventionsmaßnahme ist jedoch immer nur ein Baustein innerhalb eines Hilfeangebots.

Zielgruppen

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Pädiater, Kinder- und Jugendpsychiater, Mitarbeiter in Frühförderstellen und sozialpädiatrischen Zentren, Pädagogen, Erzieherinnen, Lehrer, Logopäden und Ergotherapeuten

Fazit

Die Autorinnen und Autoren der einzelnen Kapitel zeigen, meist durch Ergebnisse abgeschlossener oder noch laufender Studien, die Effizienz einzelner Programme auf, diskutieren aber auch ihre Grenzen. Die Darstellungen ersetzen keine Manuale, informieren aber über die jeweiligen Grundzüge. Leider fehlt am Ende ein zusammenfassendes, integrierendes Kapitel.

Es ist zu wünschen, dass das Buch (wie Waldemar von Suchodoletz sein Ziel formuliert) dazu anregt, präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Entwicklungsstörungen konsequent einzusetzen.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Betreuungszentrum Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 21.01.2008 zu: Waldemar von Suchodoletz (Hrsg.): Prävention von Entwicklungsstörungen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2007. 286 Seiten. ISBN 978-3-8017-1980-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5329.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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