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Helga Diel, El Bardanohi: Schloss der Fremden

Cover Helga Diel, El Bardanohi: Schloss der Fremden. Lambertus Verlag (Freiburg) 2002. ISBN 978-3-7841-1404-0. 10,00 EUR.

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Einführung in das Thema

Geistig Behinderte sind uns vielfach fremd. Selten kommen wir mit ihnen in Berührung und wenn, dann irritiert uns ihr merkwürdiges Verhalten. Sie leben häufig im Verborgenen, arbeiten in speziellen Werkstätten und bleiben so für die Mehrheit der Bevölkerung unsichtbar. Helga Diehl und El Bardanohi öffnen die Pforten des Schlosses der Fremden und lassen uns einen kurzen Moment an ihrem Leben teilhaben.

Zur Entstehung des Buches

El Bardanohi, in Ägypten aufgewachsen, arbeitet in einem Heim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als sein Gruppenleiter plötzlich stirbt, kommt er mit der Art, wie um ihn getrauert wird, nicht zurecht. Dies wird für ihn zum Anlass, über seine Arbeit und das ihn dort Befremdende zu schreiben. Die so entstandenen Texte wurden von Helga Diehl, einer Ethnologin, bearbeitet.

Aufbau und Inhalt

Als Bilder bezeichnen die AutorInnen die Kapitel und das sind sie auch: Momentaufnahmen aus dem Leben der "SchlossbewohnerInnen" und der "SchlossmitarbeiterInnen" in einem Heim für Menschen mit geistiger Behinderung. Mit dürren, einfach-beschreibenden Worten zeichnen sie ein anschauliches und lebendiges Bild. Sie porträtieren einzelne HeimbewohnerInnen, geben kurze Sequenzen aus dem Alltag wider, Dialoge, Mitteilungen vom schwarzen Brett, Protokolle, Aktennotizen und vieles mehr. Auffällig ist dabei insbesondere das Fehlen jeglicher Fachterminologie. Die "SchlossbewohnerInnen" werden nicht als defizitär beschrieben, sondern es wird ihrer eigenen Logik gefolgt, in der eher die Umwelt der geistig Behinderten merkwürdig erscheint, als diese selbst. Eher wirken die "SchlossmitarbeiterInnen" manchmal etwas merkwürdig, beispielsweise, wenn sie leere Kugelschreiber immer wieder in den Becher für Stifte zurückstellen, statt sie weg zu schmeißen, oder in einer Sammlung von Ausreden für Verspätungen. Aber auch sie werden nicht in abwertender Weise beschrieben. Und eine pure Beschreibung ihres Tagesablaufes reicht aus, um zu begreifen, in welchem Übermaß sie belastet sind und Verantwortung tragen. Vor diesem Hintergrund wirkt ihr durchaus nicht immer fachgerechtes Handeln nicht mehr unbedingt merkwürdig, so wie Minus mal Minus Plus ergibt. Dabei enthalten sich die AutorInnen jeden Kommentars und gestalten die Texte genau so knapp und ausführlich, dass sie für sich sprechen.

Bebildert werden diese Sprachskizzen durch einfache, sehr ausdruckstarke Zeichnungen von Bardanohi.

Etwas bedauerlich finde ich, dass nicht näher erläutert wird, in welcher Form Diel die Texte von Bardanohi bearbeitet hat.

Tauglichkeit für potenzielle LeserInnen

Wer verstehen will, wie soziale Arbeit in Sackgassen landen kann und wie sie sich selbst behindert, bekommt hier zahllose Beispiele geliefert, die das Buch über die Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung hinaus interessant macht. Wer etwas über die Welt von Menschen mit geistiger Behinderung lernen will, wird hier ebenfalls gut bedient; möglicherweise besser und unterhaltsamer als in sogenannten Fachbüchern. Wer eine Ausbildung anstrebt, um mit Menschen mit geistiger Behinderung zu arbeiten, sollte lieber die Finger von diesem anschaulichen Buch lassen. Oder vielleicht auch nicht.

Fazit

Ein liebevoll gestaltetes Buch, das einen interessanten Einblick in den Alltag eines Heimes für Menschen mit geistiger Behinderung gibt und bei aller Sachlichkeit sehr poetisch ist.


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Fachschule für Sozialpädagogik, Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
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Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 08.10.2002 zu: Helga Diel, El Bardanohi: Schloss der Fremden. Lambertus Verlag (Freiburg) 2002. ISBN 978-3-7841-1404-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/533.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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