Norbert Groddeck: Carl Rogers. Wegbereiter der modernen Psychotherapie
Norbert Groddeck: Carl Rogers. Wegbereiter der modernen Psychotherapie. Primus Verlag (Darmstadt) 2002. 213 Seiten. ISBN 978-3-89678-435-3. 19,90 EUR, CH: 35,90 sFr.
Mein Interesse am Thema
Ich habe das Buch von Norbert Groddeck, Pädagogik-Professor aus Siegen, über Carl Rogers sehr gerne gelesen. Die Darstellung des Lebensweges von Carl Rogers, der als Erfinder der klient-, und der daraus abgeleiteteten person-zentrierten Gesprächstherapie gilt, gab mir einen guten Einblick in diesen Bereich der psychologischen Intervention. Rogers Maxime der Nicht-Direktivität war mir bereits bekannt aus meiner Ausbildung zur systemischen Mediatorin. Diese Grundhaltung, die Rogers im Laufe seines Lebens und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der damals herrschenden Psychologie praktisch erarbeitet und theoretisch untermauert hat, ist für mich die Voraussetzung für das Gelingen von Mediations-Prozessen.
Der Inhalt: Leben und Werk Carl Rogers
Carl Rogers wäre in diesem Jahr 100 geworden. Sein Geburtstag und das nicht Vorhandensein einer Biografie aus deutschsprachigem Raum war Anlaß für den Autoren, dieses Buch zu erarbeiten. Carl Rogers wird als Mensch sichtbar: Seine Kindheit im strenggläubigen Elternhaus läßt ihn anfangs Theologie studieren, mit dem Bröckeln seiner Autoritätsgläubigkeit schwenkt er um zur Pädagogik. Über die Sozial-Arbeit mit benachteiligten Kindern besetzt er nach und nach therapeutische Arbeitsfelder. Gleichzeitig bleibt er realitätsnah und arbeitet z.B. mit Kriegsheimkehrern und leitet entsprechende Laien-Helfer-Gruppen an. Diesen Ansatz vertritt er gegen alle Fachleute: er wehrt sich sein Leben lang gegen Professionalisierung als Vermarktungsschiene. Aus dieser Zeit stammt eine Praxisbroschüre mit wertvollen Hinweisen, die ich auch für die Mediation absolut anwendbar finde. (S.86)
Es erstaunt nicht, dass Rogers selbst sein letztes Lebensjahrzehnt im Rahmen des CSP-Peace Projektes vielfältigen Aktivitäten zur Friedensicherung widmete. Im Grunde machte er internationale politische Mediation.
Wiewohl er ein charismatischer Therapeut gewesen sein muß, zeigt der Autor auch, dass die Person Carl Rogers ihre Schwächen und Krisen hatte, die er auch nicht alle "erfolgreich" bewältigen konnte. Seine Kinder (und noch mehr die Schwiegerkinder) hadern mit ihm und seine Ehe ist irgendwann (nach der Goldenen Hochzeit) nicht mehr glücklich. Auch C. Rogers war Kind seiner Zeit und den üblichen gesellschaftlichen Rollenmustern verhaftet.
Kritik an Autor und Verlag
Das Buch ist gut lesbar und verständlich geschrieben. Kritisch anzumerken ist die männliche Schreibweise. Gemessen an heutigen Maßstäben unterstützt der Autor damit bewußt einen sprachlichen back-lash, wenn er behauptet: "...habe ich im Text durchgängig die männliche Schreibweise verwendet....Ich vertraue darauf, dass weibliche Autoren in dieser Hinsicht auch von ihrem Recht Gebrauch machen."
Das Buch erscheint zum 100. Geburtstag von Carl Rogers, da gab es sicher irgendwann Termindruck, ersichtlich aus einer Unmenge von kleinen grammatikalischen Fehlern, die den Lesefluß stören. Der Rechtschreibprogramm ersetzt eben doch keine KorrekturleserIn.
Davon abgesehen liest sich das Buch insbesondere aus mediatorischer Sicht erhellend und bestärkend.
Rezensentin
Dipl. Päd. Sabine Kamp
Mediatorin BM. Systemische Mediation für Unternehmen und Organisationen
Mitarbeit bei Mensch & Organisation im Wandel www.mow-mediation.de
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Zitiervorschlag
Sabine Kamp. Rezension vom 08.10.2002 zu: Norbert Groddeck: Carl Rogers. Wegbereiter der modernen Psychotherapie. Primus Verlag (Darmstadt) 2002. 213 Seiten. ISBN 978-3-89678-435-3. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/537.php, Datum des Zugriffs 12.03.2010.
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