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Siegfried Charlier (Hrsg.): Soziale Gerontologie

Cover Siegfried Charlier (Hrsg.): Soziale Gerontologie. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2007. 434 Seiten. ISBN 978-3-13-143751-8. 34,95 EUR, CH: 59,40 sFr.

Reihe: Altenpflege professionell. Zusätzlich eine DVD mit 20 Filmen.

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Thema

Nach langen interessengeleiteten Diskussionen in den einzelnen Bundesländern, wurde zum 1. August 2003 endlich das bundeseinheitliche Altenpflegegesetz in Kraft gesetzt. Es brachte erhebliche Neuerungen in der Ausbildungssituation mit sich, denn in der Folgezeit ging es vor diesem Hintergrund darum, ein einheitliches Theorieangebot für die Altenpflegeausbildung zu entwickeln. Dieses muss die notwendigen pflegerischen und medizinisch-diagnostischen Kompetenzen vermitteln, gleichzeitig aber auch die umfangreichen sozialen Aspekte der Altenpflege umfassend in den Blick nehmen – ein ehrgeiziges Vorhaben.

Herausgeber

Der Herausgeber des Lehrbuchs ist Dipl. Pädagoge und Dipl. Supervisor (DGSv). Er hat, zusammen mit 10 Fachkolleginnen und –kollegen, die am Fachseminar Pflegeberufe der Kreisvolkshochschule des Oldenburgischen Kreises (Gummersbach) zusammenarbeiten, das Buch verfasst. Im Sinne eines multiprofessionellen Teams sind in der Autorenschaft verschiedene Berufsgruppen vertreten, wie Dipl. Verwaltungswirte, Dipl. Sozialarbeiter und -pädagogen, Lehrer für Pflegeberufe, Dipl. Pflegewirtin, Juristin und Dipl. Gerontologe. Die jeweilige Autorenschaft ist bei den einzelnen Kapiteln gekennzeichnet.

Entstehungshintergrund

Das Bundesaltenpflegegesetz gibt gesetzliche Regelungen vor, die curricular umgesetzt werden müssen. Das vorliegende Buch, das nicht als Fachbuch, sondern als Lehrbuch konzipiert ist, folgt dieser Logik der Lernbereiche (Buchteile)und den sich daraus ergebenden Lernfeldern (Kapitel).

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in vier große Lernbereiche gegliedert:

  1. Aufgaben und Konzepte der Altenpflege
  2. Unterstützung alter Menschen bei der Lebensgestaltung
  3. Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen altenpflegerischer Arbeit
  4. Altenpflege als Beruf

Jeder dieser Lernbereiche enthält mehrere Kapitel, die die Lernfelder darstellen. Insgesamt ergibt das 27 Lernfelder, die in anschaulicher Sprache die einzelnen Themen kurz und knapp beschreiben. Dabei bedienen sich die Autorinnen und Autoren einheitlicher Lernelemente, die mit folgenden Buchstaben, verbunden mit einer jeweils zugeordneten farbigen Kennzeichnung, klar markiert werden:

  • D ist hellblau und steht für Definitionen
  • M ist rot und signalisiert Merksätze
  • B ist orange und kennzeichnet Fallbeispiele
  • L ist lila und zeigt Lernaufgaben an
  • P ist der dunkelblaue Hinweis auf Praxistipps

Außerdem gibt es ein Piktogramm für geeignete Videos, die auf der beigefügten DVD einzelne Themen visualisieren und den verschiedenen Lernbereichen zugeordnet sind.

Insgesamt ist das Lehrbuch sehr benutzerfreundlich gestaltet, zusätzlich illustriert durch viele Fotos und Abbildungen und es enthält ein umfangreiches Sachregister, zum schnellen Auffinden von Themen nach Schlagworten.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an Schülerinnen und Schüler in der Altenpflege sowie an Lehrkräfte, die in der Altenpflegeausbildung unterrichten.

Diskussion

Die übersichtliche und anschauliche Gestaltung des Lehrbuchs ist sehr überzeugend. Es kann in der beschriebenen Form als Lernhilfe und Nachschlagewerk verwendet werden, das einen Gesamtüberblick bietet.

Ein Schwachpunkt ist aber, dass auf Literaturangaben verzichtet wurde, obwohl im Text immer wieder einzelne rudimentäre Quellenverweise zu finden sind und dass keine weiterführende Literatur angegeben wird. Die Begründung, die dafür im Vorwort geliefert wird, wegen der besseren Lesbarkeit nicht jedes Argument wissenschaftlich, im Sinne von Nachprüfbarkeit zu belegen, ist wenig überzeugend. Ein gutes Lehrbuch muss auch dazu befähigen, sich mit den Originalquellen zu beschäftigen, sich ein eigenes Urteil zu bilden – auch wenn dieses Angebot nicht von allen Nutzern angenommen wird.

Irreführend ist auch der Titel „Soziale Gerontologie“, weil diese spezielle Ausrichtung der Fachwissenschaft Gerontologie im Buch nur ganz marginal angesprochen und keinesfalls systematisch konturiert wird. Vielmehr geht es originär um das Berufsbild der Altenpflege, das in der Praxis auch mit sozialgerontologischen Themen und Inhalten befasst ist und konfrontiert wird. Diese begriffliche Vereinnahmung eines in der Gerontologie klar definierten Fachgebiets für die Beschreibung der sozialen Aspekte in der Altenpflege ist willkürlich gewählt und wirkt aufgesetzt.

Fazit

Trotz der kritischen Anmerkungen ein gelungenes Lehrbuch, das einen irreführenden Titel trägt. Das hätte es nicht nötig, besticht es doch durch eine überzeugende Struktur und Gestaltung.


Rezensentin
Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff
Katholische Hochschule Freiburg, Fachbereich Soziale Arbeit
Forschung und Lehre in angewandter Gerontologie, mit den inhaltlichen Schwerpunkten Geragogik, offene Altenarbeit, Bürgerschaftliches Engagement, neue Wohnformen, Soziale Arbeit in Pflege und Gesundheitswesen, Hospizarbeit.
Homepage www.kh-freiburg.de
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Zitiervorschlag
Cornelia Kricheldorff. Rezension vom 10.08.2009 zu: Siegfried Charlier (Hrsg.): Soziale Gerontologie. Georg Thieme Verlag (Stuttgart) 2007. 434 Seiten. ISBN 978-3-13-143751-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5379.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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