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Marie-France Hirigoyen: Wenn der Job zur Hölle wird [...]

Cover Marie-France Hirigoyen: Wenn der Job zur Hölle wird - Psychische Gewalt am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehrt. C.H.Beck Verlag (München) 2002. 396 Seiten. ISBN 978-3-406-48653-1. 19,90 EUR.

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Das Thema

Marie France Hirigoyen beschäftigt sich in diesem Buch mit Schikanen und seelischer Gewalt am Arbeitsplatz und zeigt Ansätze zur Vorbeugung und Abhilfe.

Die Autorin / der Hintergrund

Marie-France Hirigoyen ist Psychoanalytikerin und Familientherapeutin, die neben ihrer medizinischen auch eine Ausbildung in Viktimologie hat.

Mit dem Thema "Seelische Gewalt" ist Marie-Francoise Hirigoyen bereits in den 90er Jahren bekannt geworden: Ihr Buch "Die Masken der Niedertracht. Seelische Gewalt im Alltag" beschäftigt sich mit seelischer Gewalt in Alltagsbeziehungen.

Inhalt

Zunächst definiert Marie-France Hirigoyen ihren Begriff "Seelische Gewalt am Arbeitsplatz" (S.94):

"Mobbing" steht für die Autorin für das kollektive Quälen einer Person oder für Gewalt, die durch eine Organisation bedingt ist.

"Bullying" ist weiter gefasst und umfasst für die Autorin auch Hänseleien, Ausschluss aus der Gruppe, sexuelle und physische Belästigungen.

Im Gegensatz dazu meint "seelische Gewalt" subtilere und schwer nachzuweisende Aggressionen.

In ihrem Buch, das mit zahlreichen Fallbeispielen versehen ist, beschreibt Marie-France Hirigoyen die zwei Quellen seelischer Gewalt am Arbeitsplatz:

Da sind zum einen narzisstisch gestörte Persönlichkeiten, die nach außen selbstsicher, erfolgsgewiss und egozentrisch erscheinen, innerlich aber sehr unsicher sind. Für ihr stabiles Selbstbewusstsein brauchen sie ständige Bestätigung und reagieren auf Kritik und vermeintliche Konkurrenz mit Neid und Boshaftigkeit, die sich bis zu dem steigern kann, was Marie-France Hirigoyen "narzisstische Perversion" nennt: Die so gestörten Täter beziehen Triumphgefühle und Selbstbewusstsein aus dem Niedermachen anderer Menschen.

Eine zweite Quelle der seelischen Gewalt sind die Strukturen der heutigen Arbeitswelt. Arbeitslosigkeit und Konkurrenz zwischen ArbeitnehmerInnen, ungesicherte und kurzfristige Arbeitsverhältnisse, Zerschlagung gewachsener Strukturen durch Fusionen und Übernahmen heizen eine Stimmung auf, die es "vernünftig" erscheinen lässt, "unpassende" ArbeitnehmerInnen und KollegInnen aus der Arbeit zu vertreiben.

Opfer seelischer Gewalt am Arbeitsplatz werden auf vielfache Weise offen oder subtil gequält. Sie werden isoliert, schlechter behandelt als ihre KollegInnen, bekommen fast nur negative Rückmeldungen und erhalten paradoxe und nicht erfüllbare Arbeitsaufträge.

Marie-France Hirigoyen präsentierte auch eine Umfrage unter ihren LeserInnen, wonach besonders Frauen und ältere ArbeitnehmerInnen Opfer seelischer Gewalt am Arbeitsplatz werden und diese Gewalt in der überwiegenden Zahl der Fälle von den Vorgesetzten ausgeht.

Eindringlich beschreibt die Autorin die spezifischen und unspezifischen Folgen seelischer Gewalt am Arbeitsplatz und beschreibt, welche Menschen besonders gefährdet sind.

Dann beschreibt Marie-France Hirigoyen konkrete Möglichkeiten zur Krisenhilfe von der Hilfe durch die Gewerkschaft, Gleichstellungsbeauftragte bis hin zur Geschäftsführung, nennt Möglichkeiten zur Vermittlung und zur langfristigen Prävention. Wie in Frankreich schon geschehen, hält die Autorin ein besonderes Gesetz für notwendig, um die Opfer seelischer Gewalt am Arbeitsplatz zu schützen.

Da Marie-France Hirigoyen viele Beispiele aus Frankreich nennt, ist es sehr hilfreich, dass die Rechtsanwältin Hanna Brunhöber in einem Anhang von 24 eng bedruckten Seiten ergänzend auf die entsprechenden deutschen Rechtsvorschriften hinweist und deutsche AnsprechpartnerInnen nennt.

Fazit und Zielgruppe

Marie-France Hirigoyens Buch ist interessant und packend geschrieben. Ihre zahlreichen Fallbeispiele prägen sich gut ein und erleichtern es der Leserin, Parallelen in den Arbeitsschicksalen zu finden, die wir alle in der Arbeitswelt miterleben. Es gelingt der Autorin, nicht direkt betroffene LeserInnen für das Thema zu sensibilisieren und betroffenen LeserInnen Mut zu machen und konkrete Hilfen aufzuzeigen. Das Buch stellt ein leidenschaftliches Plädoyer für Respekt am Arbeitsplatz dar.

Es ist besonders zu empfehlen für Führungskräfte, MitarbeiterInnen-Vertretungen und alle Betroffenen, ebenso für öffentliche und Hochschulbibliotheken.


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
FH University of Applied Sciences Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt "Beruf und Burnout-Prävention"
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 10.02.2003 zu: Marie-France Hirigoyen: Wenn der Job zur Hölle wird [...]. C.H.Beck Verlag (München) 2002. 396 Seiten. ISBN 978-3-406-48653-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/540.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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