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Antje Bostelmann (Hrsg.): Achtung Eltern! im Kindergarten

Cover Antje Bostelmann (Hrsg.): Achtung Eltern! im Kindergarten. Typische Konflikte mit Eltern und wie man damit umgeht. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2007. 128 Seiten. ISBN 978-3-8346-0344-9. 19,50 EUR.

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Thema<

Die Zusammenarbeit der Erzieher/innen im Kindergarten mit den Eltern soll partnerschaftlich erfolgen, so  verlangen es alle Erziehungs- und Bildungspläne. Das Idealbild von Partnerschaft suggeriert Vorstellungen der gegenseitigen Unterstützung, von Harmonie und Sympathie füreinander. Solche Überlegungen und Anforderungen finden sich in allen Erziehungs- und Bildungsplänen. Daher werden häufig überschwänglich die Vorzüge und Chancen hervorgehoben, die eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern erbringen, und vor allem wie diese Partnerschaft das Wohl des Kindes beflügeln kann. Kritiker sprechen geradezu bei solchen Ausführungen von einer Bildungsplanlyrik.

Weit ab von Euphorie und idealistischen Vorstellungen wirft die Veröffentlichung "Achtung Eltern! im Kindergarten" den Leser bzw. die Leserin auf den harten Boden der alltäglichen Realität zurück. Denn hier wird aufgezeigt, was bei einer Zusammenarbeit mit Eltern alles schief gehen kann, und welche Anstrengungen erforderlich sind, um wieder zu einem gedeihlichen Miteinander zu gelangen.

Entstehungshintergrund

Der Hauptautor der Veröffentlichung - Michael Fink - hat 27 wahre Geschichten von Missstimmungen und Elternbeschwerden aus den KLAX-Kindergärten zusammengetragen und ausgewertet. Weiterhin zeigt er, wie diese Problemfälle angegangen und gelöst wurden. KLAX ist ein gemeinnütziger Träger von pädagogischen Einrichtungen in Berlin mit dem Ziel, Bildung und Kreativität der Kinder zu fördern. Nach diesem Konzept arbeiten 20 Kindergärten; Kindertagesstätten und Krippen in Berlin und Brandenburg. Einleitend wird kurz das pädagogische Konzept dieser Kindergärten vorgestellt.

Aufbau und Inhalte

Die Veröffentlichung "Achtung Eltern! im Kindergarten" ist eine Sammlung von Elternbeschwerden, Missverständnissen und falschen Verhaltensweisen in der Zusammenarbeit mit Eltern. Jedoch werden die vorgefallenen Probleme und Krisen als Lernchancen zur Verbesserung der Kooperation mit Eltern gesehen. Der Impuls zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Elternarbeit in Kindertageseinrichtungen soll in der Bezeichnung "Baustelle" zum Ausdruck kommen. Die 27 geschilderten Baustellen sind in folgenden sechs Abschnitten geordnet:

  1. Gut ankommen: Wie man Eltern in den Kindergarten eingewöhnt.
  2. Zeigen, was geschieht: Über Dokumentation und Information.
  3. Starke Partner für das Kind: Über Vertrauen und Vereinbarungen.
  4. Zwischen Einbeziehung und Grenzziehung: Über Mitwirkung.
  5. Gemeinsam! Oder einsam? Der Kindergarten als Treffpunkt.
  6. Kindergarten im Wandel: Über große und kleine Veränderungen.

Aus der Fülle von Schwierigkeiten und Problemen sollen einige Beispiele die Tragweite der Konflikte und den Aufwand zur Lösung der Vorfälle veranschaulichen, beispielsweise:

  • Eltern haben andere Erwartungen an die Pädagogik der Einrichtung; Eltern kündigen wegen Unzufriedenheit;
  • Eltern beschweren sich wegen zu vieler Regeln und Verbote in der Einrichtung;
  • Eltern beklagen Differenzen über Bildungsvorstellungen;
  • Eltern sind unzufrieden, weil keine vorzeigbaren Produkte angefertigt werden;
  • Eltern haben Angst vor falschen Einfluss auf ihr Kind;
  • Kinder beschweren sich zu Hause über die Erzieherin;
  • Kritische Reaktionen auf einen verkorksten Elternabend;
  • Ärger wegen einer zerrissenen Hose;
  • Beschwerden wegen Musikausfall;
  • Eltern erwarten falsche Dankbarkeit.

Jede dieser Baustellen weist die gleiche Ausstattung auf: Am Beginn steht ein Fallbeispiel in Form einer Beschwerde. Es folgen psychologische und pädagogische Erklärungen, die das Beispiel in einen allgemeinen Zusammenhang stellen. Unter dem Stichwort "Praxis" werden Erfahrungen beschrieben, die zeigen, wie Lösungen und Verbesserungen erarbeitet wurden. Dazwischen finden sich "Tipps", die kurz und knapp Ideen und Anregungen vorlegen. Zu den meisten Baustellen gibt es einen "Musterbrief", der schriftliche Überzeugungsarbeit bei den Eltern leisten soll. Auf einzelnen Baustellen regen "Checklisten" zur sorgfältigen Planung der zukünftigen Zusammenarbeit mit den Eltern an. In den Baustellen liegen immer wieder "Stolpersteine" herum. Sie machen auf weitere Gefahren und Fußangeln aufmerksam - auch auf gut gemeinte Aktionen, die daneben gehen können. Abschließende Überlegungen zu einem gelungenen "Beschwerdemanagement" reflektieren in allgemeiner Form die Praxiserfahrungen aus den misslichen Vorfällen.

Diskussion

Die Leser/innen merken sofort durch die eindrucksvollen Beschreibungen, dass die Problemfälle und ihre Bearbeitung Mitten aus der alltäglichen Praxis gewonnen wurden. Die Veröffentlichung ist daher eine sehr nützliche Sammlung von praktischen Anregungen für alle Pädagogen/innen in Kindertageseinrichtungen. Viele Praktiker/innen dürften sehr erfreut über die vielen ausgearbeiteten Elternbriefe sein, weil sie ebenfalls bei derartigen oder ähnlichen Schwierigkeiten vorzügliche Formulierungshilfen vorfinden. Neben den taufrischen Fallbeschreibungen und praktischen Impulsen spricht auch ganz besonders die Gestaltung des Buches an: Jede Baustelle wird mit einer Karikatur begleitet. Stolpersteine, Tipps und Praxisanregungen sind mit auffallenden Einrahmungen herausgehoben, die Briefe an die Eltern sind als Musterbriefe gestaltet. Fotos aus der praktischen Arbeit runden die Gestaltung ab.

Eltern meldeten ihr Kind ab; Mutter beschimpfte die Erzieherin; Eltern klagten über einen Elternabend; Vater schrieb einen Beschwerdebrief - Probleme über Probleme! Schnell gewinnt man den Eindruck, die Praktiker/innen werden nur so überschüttet von Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit Eltern. Noch dazu zeigen Befragungen, dass viele Erzieher/innen große Scheu vor der Kooperation mit Eltern haben. Auch wenn eingangs versichert wird, dass die Problemfälle über Jahre hinweg gesammelt wurden, wäre ein Abschnitt mit positiven Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Eltern heilsam gewesen. Eindrucksvolle positive Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Eltern, die sicherlich in den KLAX-Kindergärten vorliegen, könnten Ängste zerstreuen und der Arbeit Schwung geben.

Fazit

Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Eltern in Kindertageseinrichtungen wird immer mit Missverständnissen, Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten belastet sein. Eine vorzügliche Hilfe und Anregung, wie solche Situationen zu meistern sind, gibt die beschriebene Veröffentlichung. Daher ist sie  für alle Pädagogen/innen, die sich in dieser Zusammenarbeit engagieren, unverzichtbar.


Rezensent
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München
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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 29.02.2008 zu: Antje Bostelmann (Hrsg.): Achtung Eltern! im Kindergarten. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2007. 128 Seiten. ISBN 978-3-8346-0344-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5640.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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