Susanne Mariyam Hüser-Granzow: Kunst statt Strafe
Susanne Mariyam Hüser-Granzow: Kunst statt Strafe. Eine dialogische Betrachtung der ästhetischen Arbeit in der sozialen Arbeit am Beispiel einer Bildhauerwerkstatt für straffällig gewordene Jugendliche. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2007. 133 Seiten. ISBN 978-3-89821-747-7. 24,90 EUR.
Reihe: Dialogisches Lernen - Band 7.
Thema
Susanne Mariyam Hüser-Granzow beschreibt ein besonderes Praxisfeld als Ort dialogischen Lernens. In diesem Praxisfeld beleuchtet sie die Bildhauerwerkstätten für straffällig gewordene Jugendliche. Besonders interessiert sie das professionelle Beziehungsgefüge zwischen Sozialpädagogin und jugendlicher Klientel.
Aufbau und Inhalt
Ziel der Studie ist, wie die Verfasserin selbst aussagt, „die Darlegung einer philosophischen Grundlage eines Handlungskonzeptes für die ästhetische Praxis, im Besonderen mit straffällig gewordenen Jugendlichen“.
Susanne Mariyam Hüser-Granzow stellt in ihrer Studie das pädagogisch-künstlerische Konzept der Bildhauerwerkstätten vor und gewährt einen Einblick in die dortige ästhetische Praxis. Im Mittelpunkt ihrer Darstellungen stehen dabei Martin Bubers Fragen zu Schuld und Verantwortung aus seinem Buch ‚Reden über Erziehung’. Die Autorin entwickelt dessen Überlegungen aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts weiter und verbindet sie mit dem ästhetischen Denken von Wolfgang Welsch und dem mimetischen Denken Günther Gebauers und Christoph Wulfs.
Diskussion
Die fachpolitische Diskussion um die Sinnhaftigkeit eines auf den Erziehungsbegriff gestützten Jugendstrafrechts verläuft in den letzten Jahren kontrovers. Sie findet vor dem Hintergrund lauter werdender Forderungen nach härteren Strafen statt. Ist aus staatlicher Sicht Erziehung anlässlich der Straftat eines Jugendlichen oder Heranwachsenden angezeigt, hat das Jugendgericht die Möglichkeit, unter Einbeziehung der Gesamtpersönlichkeit des Jugendlichen besondere und geeignete Maßnahmen anzuordnen. Ein solches Angebot stellen die Bildhauerwerkstätten für straffällig gewordene Jugendliche dar.
Der Autorin gelingt es in anschaulicher Weise Bezüge zwischen der Dialogphilosophie Martin Bubers und den zeitgenössischen Theorien zur Ästhetik und ästhetischer Praxis als nachvollziehbares Konzept vorzustellen. Mit diesem Konzept fordert sie für die Soziale Arbeit pädagogische Kompetenzen. Diese sind grundlegend notwendig für eine dialogisch verstandene Haltung in der ästhetischen Praxis mit straffällig geworden Jugendlichen.
Fazit
Das Buch ist sowohl für den oben genannten Theorie- und Praxisbereich der Arbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen, als auch für viele weitere Bereiche der sozialen Kulturarbeit zu empfehlen.
Rezensentin
Katharina Schultz
Dozentin für für den Bereich bildende Kunst und Kunsttherapie
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Zitiervorschlag
Katharina Schultz. Rezension vom 05.10.2009 zu: Susanne Mariyam Hüser-Granzow: Kunst statt Strafe. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2007. 133 Seiten. ISBN 978-3-89821-747-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5754.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.
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