Monika Habermann, Heidrun Biedermann: Pflegevisite [...] Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege
Monika Habermann, Heidrun Biedermann: Die Pflegevisite als Instrument der Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2007. 296 Seiten. ISBN 978-3-938304-69-3. 24,90 EUR.
Autorinnen
Frau Prof. Dr. phil. Monika Habermann ist Krankenschwester, Pflegewissenschaftlerin und Ethnologin und seit 1998 Professorin im Internationalen Studiengang für Pflege- und Gesundheitsmanagement an der Hochschule Bremen. Seit 2002 hat sie die Leitung des Zentrums für Pflegeforschung und Beratung (ZePB) inne. Ihre derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind:
- Qualitätssicherung in der ambulanten und stationären Altenpflege
- Migration, Pflege Gesundheit und Kultur
- Ethik und Pflege.
Frau Heidrun Biedermann ist Diplom-Soziologien und war von 2004 – 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Pflegeforschung und Beratung (ZePB) in Bremen. Seit 2006 ist sie als Referentin für Altenhilfe beim Deutschen Caritasverband e.V. in Freiburg im Breisgau tätig. Ihre Schwerpunkte liegen in der stationären Altenhilfe und der offenen soziale Altenarbeit.
Thema
Im vorliegenden Buch veröffentlichen die beiden Autorinnen den Bericht des Forschungsprojekts "Pflegevisite als Instrument der Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege", das sie im Zentrum für Pflegeforschung und Beratung (ZePB) von 2004 – 2006 im Rahmen des Norddeutschen Verbundes für Pflegeforschung und mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt haben.
Aufbau
Das Buch gliedert sich in vier Kapitel.
1. Einleitung
Im ersten einleitenden Teil führen die Autorinnen in das Thema und in die gesetzlichen Rahmenbedingungen der ambulanten Pflege in Deutschland ein und stellen die Fragestellung und Methodik der durchgeführten Studie vor. Zur Umsetzung des Pflege-Qualitätssicherungsgesetz von 2002 und zur Qualitätsprüfungsrichtlinie des MDS von 2006 wenden viele ambulante Pflegedienste die Pflegevisite als ein Instrument der Qualitätssicherung ein, um managementbezogene, pflegequalitätsbezogene und betriebswirtschaftliche Ziele zu erreichen.
Die zentrale Fragestellung des dargestellten Projekts war, mit welchen Formen, Zielsetzungen und Inhalten die Pflegevisite in ambulanten Pflegediensten eingesetzt wird. Im Detail wurde folgenden Fragestellungen nachgegangen:
- Beschreibung der Ablaufstruktur und der Inhalte von Pflegevisiten sowie die Einbettung in den Organisationskontext
- Deskription und Analyse der Erfahrungen von Verantwortlichen für Qualitätssicherung und Mitarbeiterinnen
- Identifikation von Zielsetzungen, Inhalten und Ablaufgestaltung
- Analyse von unausgefüllten Formblättern nach Struktur und Inhalten
- Analyse der verzeichneten Defizite in den Pflegevisitenprotokollen
- Bewertung der erarbeiteten Vorschläge durch potenzielle Anwender
Die Stichprobe wurde nach festgelegten Kriterien aus dem Raum Bremen und dem angrenzenden Niedersachsen gesteuert. Dabei wurden Experteninterviews und Gruppendiskussionen durchgeführt, Pflegevisitenprotokolle ausgewertet und eine Transfer-Tagung veranstaltet.
2. Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege
Im zweiten Teil werden zunächst die Rahmenbedingungen der Qualitätssicherung, die Situation der ambulanten Pflegedienste unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Population der Pflegebedürftigen in der Bundesrepublik sowie ihre Lebenssituation und die ihrer Angehörigen vorgestellt.
Anschließend werden der Qualitätsbegriff in der Pflege und der Organisationsentwicklung, Methoden der Qualitätsmessung und –sicherung und in Pflegeorganisationen eingesetzte Qualitätsmanagementsysteme vorgestellt. Zum Thema "Qualitätsentwicklung als Organisationsentwicklung" z.B. mit der Einführung der Pflegevisite, wird die hohe Bedeutung des Wandels durch Innovationen für die Mitarbeiter betont, konkrete Anregungen werden gegeben. Sechs Qualitätsdimensionen für die ambulante Pflege werden formuliert und vorgestellt:
- Beziehung – Kommunikation – Interaktion
- Pflege- und Arbeitsablaufgestaltung sowie Arbeitstechniken
- Rehabilitative/Aktivierende Pflege – Prävention – Gesundheitsförderung
- Beratung und Anleitung, Einbezug von Patienten, Angehörigen und relevanten Anderen
- Versorgungssituation des Patienten
- Ergebnisse der Pflege.
3. Die Pflegevisite als Instrument der Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege
Zunächst werden verschiedene Pflegevisitenmodelle in der Fachliteratur vorgestellt und gemeinsame Erwartungen der Qualitätssteigerung herausgearbeitet.
Nachfolgend wird die Stichprobe des Forschungsprojekts ausführlich beschrieben und analysiert.
Im Bericht über die im Projekt erhobenen Daten gliedern die Autorinnen die Pflegevisite in der Praxis in folgende Bausteine:
- Konzeptentwicklung
- Einführung
- Durchführung
- Evaluation,
wobei sich die Durchführung der Pflegevisite in die Schritte aufteilt:
- Vorbereitung
- Patientenbesuch
- Nachbereitung
- Dokumentation.
Der Aufbau der folgenden Abschnitte folgt diesen Bausteinen. Zu jedem Baustein werden die empirisch erhobenen Befunde vorgestellt und anschließend diskutiert. Jeder Absatz schließt mit einem Modul Pflegevisitenmodell zu dem jeweiligen Baustein ab, in dem Vorschläge für die Praxis zusammengefasst sind.
4. Ergebnisse und Bewertungen
Abschließend werden Ziele, Hintergrund und Anlass der vorliegenden Studie zusammengefasst, sowie die Analyse eines Qualitätssicherungsinstruments im ambulanten Sektor erläutert. Erhobene Daten zu den einzelnen Bausteinen der Pflegevisite werden zusammengefasst und interpretiert. Das Buch schließt mit Empfehlungen, die einerseits die praktische Umsetzung, aber auch ihre Rahmenbedingungen, z.B. im gesetzlichen Hintergrund beleuchten.
Zielgruppen
Die Autorinnen benennen als Zielgruppe Anwender in der Praxis sowie Lernende und Lehrende in Aus-, Fort- und Weiterbildung der Pflegeberufe. Das Buch erfüllt als Forschungsbericht einen hohen wissenschaftlichen Standard und bietet zugleich zahlreiche praktische Hinweise zur Umsetzung der Pflegevisite für die Praxis.
Diskussion
Das vorliegende Buch gibt einen sehr guten theoretischen und praktischen Überblick über die Pflegevisite als Instrument der Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege. Vorhandene Fachliteratur sowie gesetzliche Vorgaben zum Thema wurden analysiert, Anwendungsbeispiele erforscht und interpretiert. Vorschläge für die Praxis werden herausgearbeitet, Vorschläge in Form von Konzepten, Checklisten oder konkreten Beispielen für die Dokumentation sind jedoch nicht vorhanden.
Fazit
Das Buch ist verständlich geschrieben, gut lesbar und übersichtlich gegliedert. Aufgrund der umfassenden Analysen eignet sich das Buch als gute Vorbereitung vor Einführung oder Überarbeitung von Pflegevisiten in der ambulanten Pflege.
Rezensentin
Diplom-Pflegewirtin (FH) Barbara Scharfenberg
Pflegedirektorin, Kreisklinik Ebersberg
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Zitiervorschlag
Barbara Scharfenberg. Rezension vom 11.08.2008 zu: Monika Habermann, Heidrun Biedermann: Pflegevisite [...] Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2007. 296 Seiten. ISBN 978-3-938304-69-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5773.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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