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Monika Köhnen, Heike Roth: So können wir uns besser verständigen. Gebärden als Hilfen zum Spracherwerb

Cover Monika Köhnen, Heike Roth: So können wir uns besser verständigen. Gebärden als Hilfen zum Spracherwerb und zur Förderung der Kommunikationsfähigkeit bei nichtsprechenden Kindern. verlag modernes lernen borgmann publishing (Dortmund) 2015. 3. Auflage. 152 Seiten. ISBN 978-3-8080-0617-7. D: 19,50 EUR, A: 31,60 EUR.
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Thema

„Das Buch führt prägnant in die unterschiedlichen Funktionen von Gebärden ein, zeigt die Bedeutung eines frühen Einsatzes für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern auf und gibt grundlegende Hinweise zur Gebärdenvermittlung sowie zur Verwendung von Gebärdenkarten“ (Klappentext).

Autorinnen

  • Monika Köhnen ist als Sonderschullehrerin seit 1980 an verschiedenen Schulen mit diversen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten tätig. Sie referiert und publiziert zu Selbstgesteuertem Lernen, Unterstütze Kommunikation, Autismus und Rett-Syndrom.
  • Heike Roth ist als Erzieherin mit Sonderpädagogischer Zusatzausbildung seit 1981 an unterschiedlichen Sonderschulen tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in Kunst und Musik, dem Erstellen von Zeichnungen für Bücher und seit 1999 dem Zeichnen von Gebärdenkarten.

Entstehungshintergrund

In Schulen, Kindergärten und in der Frühförderung hat die Unterstützte Kommunikation immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Wunsch von Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern zur Publikation der Gebärdenkarten motivierte die Erstautorin schließlich zum Verfassen dieses Buches.

Gebärden einsetzende Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindergärten soll die Arbeit erleichtert werden:

  • „durch die Zusammenstellung von Gebärdenkarten als Kopiervorlage für immer wiederkehrende Situationen im Alltag von Schule, Elternhaus und Kindergarten
  • verbunden mit vielfältigen Anregungen und Hinweisen zum Einsatz von Gebärden und Gebärdenkarten in den ausgewählten Alltagssituationen […]
  • (durch das Aufzeigen der – CR) Bedeutung eines frühen Gebärdeneinsatzes für die Persönlichkeitsentwicklung […] und
  • (um – CR) auf bisher noch zu wenig beachtete Möglichkeiten aufmerksam zu machen“ wie „mit Gebärden Halt und Orientierung geben“, „mit Gebärdenkarten Sätze bilden“ oder „mit Gebärden lesen“ (S. 10).

Aufbau

Das Buch umfasst zwei Teile:

  1. Theoretische Grundlagen
  2. Gebärden in der Praxis

Zu Teil 1

Bei der Diskussion der theoretischen Grundlagen befassen sich die Autorinnen mit der Bedeutung positiver Kommunikationserfahrungen für die Persönlichkeitsentwicklung. „Durch Kommunikation gestalten wir unsere sozialen Beziehungen. […] Die Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung hängen eng mit der Fähigkeit zusammen, sich auszudrücken“ (S. 11). Schwer verständliche Äußerungen behinderter Kinder zeigen Auswirkungen in:

  • der Identitätsentwicklung
  • den sozialen Kontakten
  • der kognitiven Entwicklung
  • der Selbstbestimmung.

Für Kinder, die Schwierigkeiten in der Lautsprache haben gilt es nach anderen Verständigungsmöglichkeiten zu suchen, als da wäre der Einsatz von Gebärden. Hier sind zu unterscheiden:

  • die sprachersetzende Funktion
  • die sprachanbahnende Funktion
  • die sprachunterstützende Funktion.

Mit Bezug auf die Unterstütze Kommunikation (FC) lassen sich drei Zielgruppen erkennen:

  • FC als Ausdrucksmittel
  • FC als Hilfe zum Spracherwerb
  • FC als Ersatzsprache.

Festzuhalten ist, dass der möglichst frühe Einsatz von Gebärden dazu beitragen kann, „dass kleine Kinder nicht jahrelang erfolglose, frustrierende und entmutigende kommunikative Erfahrungen mit ihren Bezugspersonen machen“ (S. 14).

Bei den Ausführungen zu den grundlegenden Hinweisen zur Vermittlung von Gebärden ist das Bezugssystem die Lautsprache. „Beim Einsatz von Gebärden bei Menschen, die zwar hören, aber nicht sprechen, ist die Lautsprache das Bezugssystem, zu dem begleitend gebärdet wird“ (S. 18). Zu unterscheiden ist hier das lautsprachbegleitende- vom lautsprachunterstützenden Gebärden. Daraus folgt, dass Gebärden nie ohne Lautsprache eingesetzt werden.

Der Übergang zum zweiten, zum praktischen Teil, der Publikation erfolgt über die Diskussion der Gebärdenkarten. „In der Praxis des Gebärdens ist es methodisch sehr hilfreich mit Gebärdenkarten zu arbeiten“ (S. 23).

Zur Verbreitung von Gebärden innerhalb einer Einrichtung eignet sich:

  • die Gebärdenwand
  • der Gebärdenordner
  • die Gebärdentafel.

Zu Teil 2

Der zweite Teil des Buches hat die praktische Handhabung von Gebärden im Blick. Es wird hier auf den Anhang verwiesen, der Gebärdenkarten als Kopiervorlagen enthält, denn „die Kenntnis eines kleinen Satzes an Grundvokabeln reicht aus“ (S. 27).

Es geht um immer wiederkehrende Alltagssituationen in der Kommunikationsförderung und den sinnvollen Umgang mit den Gebärdenkarten. Es geht hier um:

  • das Beten mit den Händen;
  • das Singen mit den Händen;
  • das Lesen mit den Händen;
  • das Theaterspielen, also das Übernehmen einer Rolle, mit den Händen;
  • das Gebärden von Halt und Orientierung;

Fazit

Das Buch ist eine gute Einführung in die unterschiedlichen Funktionen von Gebärden. Diese Form der Unterstützen Kommunikation bekommt in der Arbeit mit Kindern mit einem Förderschwerpunkt in der Sprache, im Hören o. ä. gegenwärtig immer mehr an Bedeutung. Aus diesem Grund ist es sehr schön von den beiden Autorinnen eine Einführung vorgelegt zu bekommen, die die Kommunikationsfähigkeit nichtsprechender Kinder fördert und gleichermaßen eine Hilfe zum Spracherwerb darstellt. „Mit 434 Gebärdenkarten als Kopiervorlagen bietet das Buch die Möglichkeit, die Anregungen zum Gebärden gleich umzusetzen“ (Klappentext).


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 20.01.2016 zu: Monika Köhnen, Heike Roth: So können wir uns besser verständigen. Gebärden als Hilfen zum Spracherwerb und zur Förderung der Kommunikationsfähigkeit bei nichtsprechenden Kindern. verlag modernes lernen borgmann publishing (Dortmund) 2015. 3. Auflage. ISBN 978-3-8080-0617-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5821.php, Datum des Zugriffs 30.09.2016.


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