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Gabi Reinmann, Martin J. Eppler: Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement

Cover Gabi Reinmann, Martin J. Eppler: Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2008. 205 Seiten. ISBN 978-3-456-84348-3. 24,95 EUR, CH: 42,00 sFr.

Reihe: Praxis - Lernen mit neuen Medien.
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Thema

In diesem Buch geht es um den Einzelnen und seine persönlichen Wissensziele. Persönliches Wissensmanagement meint hier sowohl den effizienten Umgang mit dem eigenen Wissen und dem uns umgebenden Wissen als auch die Bewältigung der vielfältigen Anforderungen an unser Handeln und Erkennen.

Autoren

Gabi Reinmann, Jahrgang 1965; Diplom-Psychologin, Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität München in den Fächern Psychologie, Pädagogik und Psycholinguistik. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, später Assistentin am Institut für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie (Lehrstuhl Prof. Mandl). Habilitation zum Thema Wissensmanagement im Jahr 2000. Nebenberufliche Beratertätigkeit beim Unternehmensreferat Wissensmanagement der Siemens AG in den Jahren 2000/2001. Seit 2001 Professorin für Medienpädagogik (C 3) an der Universität Augsburg mit dem Schwerpunkt Wissen, Lernen, Medien (E-Learning/Blended Learning und Wissensmanagement).

Martin J. Eppler, Professor für Media- und Communication-Management an der Universität St. Gallen und Direktor des Instituts für Media- und Communication-Management. Forschung im Bereich Wissensmanagement, Knowledge Visualization und Knowledge Communication. Gastprofessor an verschiedenen Universitäten in Asien und Eurpa und Berater von grossen Organisationen und Unternehmen. Er studierte Communications, Business Administration und Social Sciences an der Boston University, der Paris Graduate School of Management und den Universitäten Genf und St. Gallen und ist Verfasser zahlreicher akademischer Publikationen und Bücher.

Entstehungshintergrund

Die Autoren befassen sich seit langem mit der Frage, wie man Menschen im Umgang mit der Informationsflut und steigenden Anforderungen einer Wissensgesellschaft besser unterstützen kann. Dabei begleiten sie zwei Anliegen: Der Versuch wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis nutzbar zu machen und die Integration von technischen, psychologischen, pädagogischen und betriebswirtschaftlichen Sichtweisen. Das Buch verknüpft diese beiden Anliegen.

Aufbau und Inhalt

Das erste Kapitel, Hintergrund – Die vielen Gesichter des Wissensmanagements, definiert persönliches Wissensmanagement und macht deutlich, dass das etwas anderes ist als organisationales Wissensmanagement, aber natürlich in Zusammenhang mit diesem steht. Das Kapitel bietet Hintergrundwissen zur Entwicklung von Wissensmanagement und gibt einen (sehr) knappen Überblick über verschiedene Wissensmanagement-Modelle. Es wird festgestellt, dass diese meistens technisch, ökonomisch oder soziologisch begründet sind und bei praktisch allen der Mensch und sein persönlicher Umgang mit Wissen zu kurz kommt.

Im zweiten Kapitel, Theorie – Entwicklung eines theoretischen Rahmens für die Praxis, werden einige wesentliche theoretische Modelle erläutert. Die Autoren entwickeln ein Anforderungsraster für das persönliche Wissensmanagement, eine Art Diagnosehilfe, die zwischen operativen und strategischen Wissensmanagementzielen und Effizienz- und Innovationszielen unterscheidet.

Kapitel 3, der eigentliche Kern des Buchs, bietet Praxis – Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Das Kapitel beschreibt in zwei Teilen insgesamt 21 Methoden des persönlichen Wissensmanagements. Die 15 Methoden des ersten Teils liefern konkrete Vorschläge für das akute Problemlösen und verfolgen operative Ziele. Effektiver lesen (SQ3R-Methode), gute Fragen stellen (Ethnografisches Interview), den eigenen Wissensstand in Bezug auf ein Thema verstehen (Perspektivendiagramm), eingehende Informationen rascher selegieren und effizient bearbeiten (Eisenhower-Matrix), schnell etwas notieren oder Ideen strukturieren (Mindmapping), Anweisungen effizient und systematisch erfassen (Information Mapping), durch Gruppierung aus Informationen Wissen machen (Kategorisierung und Klassifikation), Konzepte besser verstehen (Konzeptkarte), Erfahrungen attraktiv dokumentieren (Mikroartikel), konstruktiv Rückmeldungen geben und empfangen (Feedback), Wissen in Form einer spannenden Geschichte formulieren (Story Templates), neues Wissen grafisch rekonstruieren (Concept Mapping), Argumente und deren Grundannahmen explizit darstellen (Toulminkarte), effektiv Informationen suchen und strukturieren (Minto-Pyramide), Inhalte kognitiv und kommunikativ überzeugend aufbereiten (Fokusmetapher).
Die sechs im zweiten Teil beschriebenen Methoden liefern konkrete Vorschläge für die langfristige Kompetenzentwicklung: Die eigenen Wissensquellen erweitern (Kontaktnetz), Lernen und Arbeiten besser integrieren (Kompetenz-Agenda), das eigene Wissensprofil besser erkennen und weiter entwickeln (Kompetenz-Portfolio), die eigene Entwicklung besser verstehen (Lifeline-Methode), neue Möglichkeiten und Optionen entdecken (Synergy Map), die Koordination und Abstimmung von Zielen verbessern (Morphologischer Kasten).
Abgeschlossen wird das Kapitel durch Hinweise zu emotional-motivationalen Barrieren, kognitiven Fixierungen und sozialen Hindernissen, welche uns immer wieder daran hindern, persönliches Wissensmanagement rein rational kognitiv und sachlich-konstruktiv umzusetzen.

Im vierten Kapitel, Reflexion – Synergien und Perspektiven, stellen die Autoren Überlegungen an, inwieweit informelles Lernen, aber auch das Internet Wissen und persönliches Wissensmanagement beeinflussen und allenfalls verändern. Sie betonen den Wert der Reflexion und erläutern, inwiefern Bildungsprozesse Teil des persönlichen Wissensmanagements sind und das Konstrukt der Weisheit (als Ideal und Ziel) wertvolle Impulse liefert für das Erkennen resp. Überwindung von Grenzen.

Diskussion

Positiv hervorzuheben an diesem Buch sind mehrere Aspekte: Es zeichnet sich aus durch eine klare, übersichtliche Gliederung und einen einheitlichen Aufbau der einzelnen Kapitel in Einleitung, gut verständliche Erläuterungen zu den einzelnen Themen mit knappen Hinweisen auf theoretische Grundlagen und einer abschliessenden Zusammenfassung jedes Kapitels. Dieser Aufbau unterstützt den individuellen „Wissensweg“ der Leserinnen und Leser, d.h. er erlaubt ihnen, gemäss ihren eigenen Voraussetzungen und Bedürfnissen genau diejenigen Teile zu lesen, die sie persönlich interessieren und damit ihre eigene Kompetenz im Umgang mit Wissen zu verbessern. Und darauf zielt auch der Titel des Buchs ab: es gibt ganz unterschiedliche Wege für persönliches Wissensmanagement. Menschen, die ihr persönliches Wissensmanagement optimiert haben, sind in der Lage, situationsgerecht die jeweils passenden Methoden anwenden zu können.

Unbestritten ist das Thema für viele aktuell: der Umgang des einzelnen Menschen mit der Informationsflut, mitten in einer Welt des lebenslangen Lernens, in welcher (viel) Wissen eine immer kürzere Haltwertszeit hat. Die kurz und gut verständlich erläuterten und in ihrer Wirksamkeit jeweils auch bewerteten 21 Methoden in Kapitel 3 sind gut zusammen gestellt, interessant und insbesondere hilfreich für gebildete Wissensarbeiter/innen. Studierende, Lehrkräfte, Akademiker/innen werden viele der beschriebenen Methoden hilfreich finden – einige davon wohl auch bereits kennen und seit längerem anwenden. Die Autoren betonen denn auch, dass die meisten der hier beschriebenen Methoden nicht neu sind, hier aber unter dem Aspekt des persönlichen Wissensmanagements neu zusammengestellt sind. In diesem Sinn bietet das Buch denjenigen, die sich bereits mit Themen wie Lernen und Wissensmanagement beschäftigt haben, nicht unbedingt viel Neues. Neu ist hauptsächlich die Zusammenstellung und Zusammenführung verschiedener Methoden und Werkzeuge und deren Einordnung in eine Modellvorstellung von persönlichem Wissensmanagement. Inwieweit Mitarbeitende in Betrieben und Unternehmen diese z.T. recht zeitaufwändigen und intellektuell eher anspruchsvollen Methoden in ihrem hektischen Alltag tatsächlich anwenden können, scheint mir jedoch fraglich.

Persönliches Wissensmanagement wird in diesem Buch weitgehend mit Lernen gleichgesetzt. Das mag für viele stimmen, insbesondere natürlich für Studierende und Lehrkräfte und lässt sich vielleicht daraus erklären, dass beide Autoren aus dem Hochschulbereich kommen. Ob sich die in der Einleitung angesprochenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in kleinen und grossen Organisationen von diesem Konzept ebenfalls angesprochen fühlen, ist jedoch ungewiss. Für sie geht es in ihrem stressigen Berufsalltag häufig viel mehr darum, die weiter zunehmende Daten- und Informationsflut einigermassen zu bewältigen, den Überblick zu bewahren und ihre knapp bemessene Zeit möglichst wirkungsvoll einzusetzen.

Fazit

Ein hilfreiches, praxisnahes Buch insbesondere für Studierende, Lehrkräfte, Wissensarbeiter/innen und alle, die sich als Lernende verstehen und über genügend Zeit für Reflexion verfügen.


Rezensentin
lic.phil.I, EMBA Maja Graf
mg-lernprojekte gmbh
Homepage www.majagraf.ch


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Zitiervorschlag
Maja Graf. Rezension vom 31.12.2009 zu: Gabi Reinmann, Martin J. Eppler: Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2008. ISBN 978-3-456-84348-3. Reihe: Praxis - Lernen mit neuen Medien. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5886.php, Datum des Zugriffs 29.08.2016.


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