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Dieter Henkel, Uwe Zemlin (Hrsg.): Arbeitslosigkeit und Sucht

Cover Dieter Henkel, Uwe Zemlin (Hrsg.): Arbeitslosigkeit und Sucht. Ein Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2008. 575 Seiten. ISBN 978-3-936065-87-9. 29,00 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Vor dem Hintergrund einer bereits lang anhaltenden Massenarbeitslosigkeit, den damit einhergehenden stark gestiegenen Zahlen erwerbsloser Klienten in den Einrichtungen der Drogen- und Suchtkrankenhilfe und angesichts der besonderen Komplikationen, die Langzeitarbeitslosigkeit  für eine erfolgreiche Behandlung und berufliche Reintegration problematischer Konsumenten von Alkohol und illegalisierten Drogen mit sich bringt, rücken die vielfältigen Fragestellungen, Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Arbeitslosigkeit und Sucht vermehrt in den Blick. Epidemiologische Forschung, die Entwicklung innovativer Therapieansätze, die sich abzeichnenden neuen Fragen und praktischen Erfahrungen bei der Wiedereingliederung Abhängiger in Arbeit und die vorliegenden Einblicke in Möglichkeiten und Grenzen einer Kooperation über verschiedene Hilfesysteme hinweg haben einen Wissensfundus entstehen lassen, der dringlich einer zusammenfassenden Darstellung, Diskussion und kritischen Wertung bedarf. Das vorliegende Handbuch stellt sich dieser Herausforderung. Es will nicht nur Forscher und Praktiker, sondern auch fach- und sozialpolitisch Verantwortlichen verschiedener Couleur einen systematischen Überblick über das Thema "Arbeitslosigkeit und Sucht" geben, damit Einschätzungen und Entscheidungen auf eine begründete Basis stellen helfen und durch präsentierte Praxisbeispiele Anregungen für eine Weiterentwicklung tragfähiger Konzepte für die berufliche Integration von Arbeitslosen mit Abhängigkeitsproblemen geben.  

Inhalt

Das Handbuch ist als ein Reader angelegt, an dem sich 27 Autoren aus Forschung, Praxis und Verwaltung mit ihren jeweils sehr verschiedenen Sichtweisen und Erfahrungshintergründen beteiligt haben. Mit den gesammelten Beiträgen werden im Wesentlichen folgende Themen eingehender beleuchtet:

Epidemiologische Forschungsansätze zur Verbreitung von Konsum und Abhängigkeit von legalen und illegalen Substanzen sowie von pathologischem Glücksspiel (Henkel, Sonntag, Hellwich)
  • Die Bedeutung der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsplatzunsicherheit für die Entwicklung problematischer Konsumformen (Puls, Mümken)
  • Erfahrungen mit Suchtprävention und Gesundheitsförderung für Arbeitslose außerhalb des traditionellen Suchthilfesystems (Henkel, Kuhnert, Deutschmann, Kastner)
  • Drogenpolitische Positionen und Ansätze zur beruflichen Integration Abhängiger vor und nach einer Behandlung (Henkel, Zemlin, Dornbusch, Vertheim, Farnbach, Weissinger, Bornhak, Nickl, Lindow, Zander, Klosterhuis, Bürkle)
  • Möglichkeiten und Grenzen bisheriger Praxisansätze , Projekte und Methoden der Rückfallprophylaxe und Arbeitsförderung für die angesprochene Personengruppe (Hollederer, Körkel, Zemlin, Gnam, Lesehr, Faath, Lindenmeyer, Verstege, Winkler)
  • Die rechtliche Situation von arbeitslosen Suchtkranken und deren Ansprüche auf Sicherung des Lebensunterhalts sowie auf Rehabilitationsleistungen (Winkler)
  • Alle Autoren untermauern ihre Argumentationen mit einem Verweis auf diverse nationale und internationale Diskussionen und Forschungsergebnisse, so dass das Buch allein schon wegen der vielfach dargestellten Rundumsicht und der weiterführenden Literaturquellen ein Feuerwerk an Anregungen und Information ist. 

    In Zusammenhang mit der Darstellung der bisher erarbeiteten epidemiologischen Zusammenhänge wird das wohltuende Bemühen der Autoren (Henkel, Puls u. Mümken, Sonntag und Hellwich) deutlich, die verfügbaren empirischen Befunde nicht schlechthin zusammenzutragen, sondern immer auch eine kritische Betrachtung der Methoden und Verfahren vorzunehmen, mit deren Hilfe die vorliegenden Aussagen entstanden sind. Dabei muss der mit dem Thema weniger vertraute Leser voller Erstaunen zur Kenntnis nehmen, wie fragil die Beweisführungen in den nationalen als auch internationalen Forschungen zu den Zusammenhängen von Arbeitslosigkeit bzw. Arbeitsplatzunsicherheit und problematischem Konsum psychoaktiver Substanzen sind und welche Vielzahl methodischer Probleme und Schwächen bis heute auf eine Lösung warten. Die kritischen Auseinandersetzungen mit den Anforderungen an eine solide epidemiologische Klärung der Zusammenhänge ist eine wirkliche Fundgrube für Forscher. Insofern haben die Herausgeber mit Recht dem Reader den Untertitel "Ein Handbuch für Wissenschaft und Praxis" gegeben.  

    Unter dem Stichwort "Erfahrungen mit Suchtprävention und Gesundheitsförderung für Arbeitslose" (Henkel) werden im Wesentlichen Möglichkeiten und Maßnahmen der Früherkennung und Frühintervention vorgestellt, die in Krankenhäusern und Arztpraxen, durch Krankenkassen und Arbeitsverwaltungen, durch Betriebe und Behörden sowie durch Schulen und Suchtberatungsstellen umgesetzt werden können. Möglichkeiten und Grenzen massenmedialer Kampagnen und fiskalischer Anreize zur Konsumreduktion werden am Beispiel der Tabaksteuer und der Rauchverbote angerissen (Kuhnert, Deutschmann und Kastner). Hier hat die Darstellung aber eher Überblickscharakter und ermuntert, sich mit den einzelnen Themen dezidierter auseinanderzusetzen. Größeren Raum nehmen Beiträge einzelner Autoren ein, die sich mit dem Thema Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen mit Suchtproblemen in den Zusammenhängen von Suchtbehandlung (Henkel), Beschäftigungsförderung (Henkel, Zemlin und Dornbusch), Begutachtung der Arbeitsfähigkeit (Hollerer) und Arbeitsvermittlung (Kuhnert, Deutschmann und Kastner, Henkel) beschäftigen. Ausgehend von den Schwierigkeiten, Zugang zu dieser Gruppe zu bekommen und diese nachhaltig zu aktivieren, werden verschiedene Praxisbeispiele vorgestellt, wie innerhalb der Institutionen der Arbeitsvermittlung die so bekannt gewordenen Betroffenen zu einer Veränderung problematischer Lebensmuster angehalten werden können. Hier erstaunt, dass die durchaus problematischen Seiten einer Herangehensweise, in der Agenturen für Arbeit mit Befugnissen ausgestattet werden, die auch als grenzüberschreitende Verletzung der Intimsphäre gesehen werden können und die dem Würdegrundsatz des Grundgesetzes widersprechen (u. a. Arztgeheimnis, Zwang zur Diagnosestellung, Therapie und Nachsorge) sehr verhalten angesprochen werden (S. 147).  Bei allen Autoren überwiegt eher der Tenor, dass eine solche Praxis weiter auszubauen sei, obwohl hier exemplarisch eine Umgangsweise mit einer Erkrankung gesellschaftlich etabliert wird, die eine geradezu dammbruchartige symbolische Wirkung hat. Es muss gefragt werden, ob ein solches Stimmungsbild bei Adipositas, Herzkreislauferkrankungen, Hauterkrankungen, Hepatitis, HIV usw. auch hingenommen werden würde.

    Breiten Raum nimmt die Darstellung der Bedeutung von (Erwerbs-)Arbeit  und Beschäftigung für eine erfolgreiche und nachhaltige Bewältigung problematischen Drogenkonsums während und nach einer Therapie und in Zusammenhang mit Rückfällen ein (Henkel, Zemlin und Dornbusch. Körkel, Vertheim und Farnbacher). Mit empirischen Belegen wird auf die längst bekannte und nach wie vor vorhandene Leerstelle im Bemühen um Stabilisierung und Integration von Menschen mit problematischem Konsum von Alkohol und Heroin (Vertheim und Farnbacher) verwiesen, die auf dem Arbeitsmarkt keine wirkliche Perspektive haben und dennoch von strukturierender, sinngebender, soziale Kontakte vermittelnder und das Selbstwertgefühl stärkender Beschäftigung auf ganz besondere Weise profitieren würden. Es ist bedrückend, dass auf diese Zusammenhänge immer noch verwiesen werden muss. Nach dem Lesen dieser Beiträge kann sich auch der letzte politisch Verantwortliche nur aufgefordert fühlen, in diesem Bereich mehr ermöglichen zu helfen. Insofern wäre dieses Handbuch durchaus um den Zusatz "für die Politik" zu ergänzen.

    Mit Blick auf die sehr verschiedenen Institutionen, werden in einem weiteren Abschnitt die verschiedenen Herausforderungen und neuen Möglichkeiten vorgestellt, mit denen an der Besserung der Lebenssituation von Menschen mit Konsumproblemen mitgewirkt werden kann. Körkel wirbt für mehr Engagement des Behandlungssystems in Sachen Rückfallprävention bei arbeitslosen Alkoholabhängigen und stellt dazu ein speziell für diese Zwecke entwickeltes modulares Programm vor. Auf die Probleme der Förderung einer beruflichen Integration durch das medizinische Behandlungssystem verweist Weissinger, der vor allem problematische Schnittstellen zu anderen Institutionen benennt, aber nur sehr verhalten darauf verweist, dass im Zuge der Medizinalisierung ein medizinisches Behandlungssystem in die Pflicht genommen wird, das dafür nur ansatzweise verantwortlich gemacht werden kann. Auf strukturelle und konzeptionelle Modernisierungserfordernisse in Bezug auf Behandlungskonzepte für Abhängigkeit  aus Sicht der Deutschen Rentenversicherung macht Kulick aufmerksam. Deren Interesse besteht darin, sowohl ambulante als auch stationäre Rehabilitationskonzepte in ganz neuer Weise um Maßnahmen zur Integration in Arbeit und Beschäftigung zu erweitern. Mit derartigen Erwartungen konfrontiert stellen Zemlin, Bornhak und Nickl praxiserprobte Angebote und Leistungsmodule vor, mit denen eine stationäre Einrichtung im Rahmen ihrer spezifischen Möglichkeiten auf die berufliche Reintegration der Klienten durchaus Einfluss nehmen kann. Vor dem Hintergrund dieser bereits existierenden Praxis, die sich zudem im Rahmen des Qualitätsmanagements schon jetzt relativ gut abbilden lässt, irritiert aber besonders, wie wenig konzeptionelle Ansprüche der einzelnen Einrichtungen einerseits und die tatsächliche Versorgung der Klienten andererseits übereinstimmen. Lindow, Zander und Klosterhuis verweisen dazu auf die Klassifikation Therapeutischer Leistungen (KTL) und deren Codierung, mit deren Hilfe sie empirisch die klaffende Lücke zwischen Ideal und Wirklichkeit in einer Vielzahl von Einrichtungen der stationären Suchtkrankenhilfe aufzeigen und zudem mit Blick auf die verschiedenen Klientengruppen eine stärkere Differenzierung in der Versorgung mit therapeutischen Leistungen zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben anmahnen. Lindenmeyer geht in seinem Beitrag noch einen Schritt weiter und bietet mit "Teilhabebezogener und ressourcenorientierter Rehabilitation/Therapie" einen Begriff an, der auf besondere Weise die Erfordernisse der Modernisierung und konzeptionellen Neuorientierung im Behandlungssystem deutlich macht. Er verbleibt dabei nicht bei einem Plädoyer für eine neue Schwerpunktsetzung: weg von einer rückwärtsgewandten psychotherapiedominierten Auseinandersetzung mit dem Suchtgeschehen hin zu aktuellen Interaktionsprozessen mit soziotherapeutischem und arbeitstherapeutischem Schwerpunkt. Am Beispiel einer stationären Einrichtung in Brandenburg, die mit eng gesetzten strukturellen Grenzen an Arbeitsplatzangeboten konfrontiert ist, zeigt er auf, dass selbst unter derart erschwerten Bedingungen Erfolge zum Wohle der Klienten möglich werden. Vor erhebliche Modernisierungserfordernissen sind jedoch nicht allein die stationären Einrichtungen der Rehabilitation gestellt. Auch die Adaptionseinrichtungen, vielfach als Phase II der medizinischen Rehabilitation etabliert, sind mit der Notwendigkeit konfrontiert, sich im nunmehr gegebenen Geflecht unterschiedlicher Institutionen neu zu verorten (Verstege). Die Tatsache, dass sie sich mit ihren bisherigen soziotherapeutischen Schwerpunkten und Bemühungen um ein gelingendes Ankommen der Patienten im Alltag schon immer "teilhabebezogen" verstanden hat, macht es überraschender Weise nicht einfacher, sondern eher komplizierter, mit einem besonderen Profil auch die passenden Abgrenzungen zu anderen Institutionen zu formulieren.

    Ein nächster Block an Beiträgen befasst sich mit der neuen gesetzlichen Situation, die mit dem SGB II geschaffen wurde, und mit der zwei bisher sehr weit voneinander agierende Hilfesysteme (Arbeitsverwaltung und Suchthilfe) zu aufeinander bezogenen und notwendiger Weise sogar miteinander kooperierenden Partnern definiert wurden. Diesen gesetzlichen Auftrag in die Realität umzusetzen, schafft bis heute zahlreiche Verstörungen und Turbulenzen, die sich nicht allein aus den Regelungen zur Auskunftspflicht, der Mitwirkung an Sanktionen und datenschutzrechtlichen  Regelungen ergeben, sondern auch aus jeweils unterschiedlichen Grundhaltungen und Zielen, die innerhalb dieser beiden Systeme vertreten werden, die kaum ausgeräumt werden können und für die es passende Formen des Umganges geben muss. Bürkle skizziert aus Sicht der Suchthilfe mögliche Schritte und Aushandlungsbereiche, mit denen sich Träger der Suchthilfe und Institutionen der Grundsicherung für Arbeitssuchende aufeinander zu bewegen und eine effektive Kooperation entwickeln sollten. Dem gegenüber stellen Zemlin und Gnamm mit einem konsiliarischen Dienst der Suchthilfe ein Modell vor, mit dem die Schnittstellenproblematik zwischen den beiden Hilfesystemen auch geregelt werden kann und das den Vorzug hat, wesentliche Grundhaltungen des Systems "Drogen-/Suchthilfe" zu erhalten. Lesehr betrachtet die Schwierigkeiten und Herausforderungen dieser beiden sozialen Institutionen mit Blick auf die Zusammenarbeit von Jobcenter und Suchtberatung. Seine wiederholte Forderung nach einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe unterstreicht, wie eingreifend die im SGB II vorgegebene einseitige Verpflichtung zur Kooperation auch das Selbstverständnis der ambulanten Suchthilfe tangiert. An vier unterschiedlichen Fallkonstellationen arbeitet er heraus, wo nach wie vor strukturelle Ursachen für Unklarheiten, Verantwortlichkeiten und Missverständnisse liegen und in welcher Weise diese ausgeräumt werden sollten. Eine Möglichkeit, im Rahmen der bisher noch sehr zerklüfteten Hilfesysteme einen nahtlosen Hilfeprozess zu formen, könnten z. B. Fallmanager sein, die modellhaft von den Deutschen Rentenversicherungen Rheinland-Pfalz initiiert wurden. Wer sich damit vertraut machen möchte, findet Anregungen bei Faath, der die Prinzipien, Varianten, Perspektiven und Problemstellungen eines begleitenden Fallmanagements darstellt.  Überhaupt finden in diesem Abschnitt des Buches Praktiker Einsichten, Ideen, aber vor allem auch Motivation, die Hintergründe dieser schwierigen Aushandlungs- und Abstimmungsprozesse zwischen Arbeitsverwaltung und Suchthilfe als strukturbedingt und nicht durch persönliches Unvermögen hervorgebracht zu erkennen und weiter an Lösungen zu arbeiten.

    Wie in jedem Dreiecksverhältnis ist jedoch die Rolle des anderen Beteiligten – des Klienten und Hilfesuchenden, der sich nunmehr von mehreren fordernden Helfern umstellte sieht – kaum beleuchtet. Wenngleich viel mit den Begriffen "Selbstbestimmung", "Teilhabe" und "ressourcenorientierte Entwicklung" hantiert wird, berichten viele Autoren relativ unkritisch über höchst fragwürdige Verfahrensweisen, mit denen zudem sehr weitgehend in das Recht der problematisch Konsumierenden auf Selbstbestimmung und dabei nicht allein in das der informellen Selbstbestimmung eingegriffen wird (z. B. wenn in den Mitwirkungspflichten die regelmäßige Vorlage der aktuellen Leberwerte (Gamma-GT) festgeschrieben wird). In keinem der Buchbeiträge wird die Perspektive der Betroffenen systematisch beleuchtet; obwohl es immer um sie und um geeignete Hilfen mit dem Ziel der Selbstbemächtigung, Integration, Entstigmatisierung und Normalisierung geht. In dem Buch erscheinen problematische Konsumenten eher als eine formbare Masse ohne Eigensinn und eigene Ansprüche, die strikt und mit aller Konsequenz einem paternalistischen System zu unterstellen seien. Vermisst wird auch ein kritischer Bezug zu der Praxis, durch die die gesetzlich vorgeschriebene sanktionsbewehrte "Mitwirkungspflicht" Menschen mit Konsumproblemen nunmehr wieder unter systematischen Leidensdruck setzt – eine im Drogenhilfesystem schon überwunden geglaubte therapeutische Strategie, um Änderungen in der Motivation und im Verhalten zu erzwingen.

    Das Buch endet mit einer umfangreichen Darstellung der rechtliche Situation von arbeitslosen Suchtkranken und deren Ansprüche auf Sicherung des Lebensunterhalts sowie auf Rehabilitationsleistungen (Winkler), die durch eine systematische und aufeinander aufbauende Darstellung der gesetzlichen Regelungen auch bei einem nicht juristisch versierten Leser die Hoffnung nährt, diese schwierigen Regelwerke zu durchschauen und zu verstehen.

     Fazit

    Das Buch "Arbeitslosigkeit und Sucht" verdient mit Recht den Untertitel "Handbuch". Wie kaum ein anderes Werk blendet es sehr unterschiedliche Fragestellungen zu einem Thema auf, dessen Facettenreichtum oft unterschätzt wird. Couragiert wird auch der Bedeutungswandel für Hilfeleistungen an problematisch Konsumierende aufgegriffen, der sich in einer Veränderung der Schwerpunktsetzung hin zu Unterstützungsleistungen für eine Integration in Arbeit und sinnstiftende Beschäftigung abzeichnet. Hieraus ergeben sich Herausforderungen, die an alle Bereiche der Drogen- und Suchtkrankenhilfe gestellt sind, die sich bis heute in ihrer ganzen Tragweite erst Stück für Stück abzeichnen, für die noch lange nicht ausreichend passende Formen der Bewältigung gefunden wurden und für die durch die neue Sozialgesetzgebung zudem nochmals enormer Modernisierungsdruck erzeugt wird. Das Handbuch unterstützt diese komplizierten Positionierungs- und Findungsprozesse jedoch in einer hoch zu schätzenden Weise, indem es bis dahin vorliegende Erfahrungen und Modelle so zusammenträgt, dass Kollegen aller Couleur für ihre Suche und die Entwicklung eigener Überlegungen eine Fülle konzeptioneller Anregungen und handfeste Tipps erhalten. Die Tatsache, dass jeder Buchbeitrag für sich steht, also auch aus sich heraus verstanden werden kann, erlaubt zudem, sich das Werk auch selektiv zu erschließen. Dass damit der Einstieg in die Fragestellung der jeweiligen Einzelbeträge leider redundant ausfällt, kann mit Verweis auf die konzeptionelle Anlage "Handbuch" akzeptabel relativiert werden.


    Rezensentin
    Prof. Dr. Gundula Barsch
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    Zitiervorschlag
    Gundula Barsch. Rezension vom 30.06.2008 zu: Dieter Henkel, Uwe Zemlin (Hrsg.): Arbeitslosigkeit und Sucht. Ein Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2008. ISBN 978-3-936065-87-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/5915.php, Datum des Zugriffs 23.03.2017.


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