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Christian Bähner, Monika Oboth u.a.: Konfliktklärung in Teams & Gruppen

Cover Christian Bähner, Monika Oboth, Jörg Schmidt: Konfliktklärung in Teams & Gruppen. Praktische Anleitung und Methoden zur Mediation in Gruppen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2008. 292 Seiten. ISBN 978-3-87387-679-8. 39,50 EUR.

Reihe: Coaching fürs Leben. ). Box mit 292 Seiten auf 146 Karteikarten. Box mit Karteikarten A5-Format.
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Thema

Kooperation in Gruppen und Teams stellt eine unverzichtbare Basiskompetenz im Bildungsbereich und im Berufsleben dar. Dazu gehören auch Kompetenzen der Verhandlungsführung, Entscheidungsfindung und Konfliktklärung. Konfliktbearbeitung kann in spezifischen personellen Konstellationen und fortgeschrittenen Phasen der Konfliktentwicklung auf externe Begleitung angewiesen sein. Professionelle Konfliktklärung in Gruppe stützt sich u.a. auf eine lange Tradition der Gruppendynamik, der Gruppenpädagogik und der Kommunikationspsychologie. Mediation stellt dabei eine etablierte Methode dar mit deren Hilfe systematisch an die Konfliktbearbeitung gegangen werden kann.

Professionelle Mediation ist auf Grundlagenwissen und ein breites Methodenrepertoire angewiesen. Dieses wird in Weiterbildungen zur Mediation vermittelt und im Selbststudium ergänzt. Langjährig in der Beratungspraxis Tätige verfügen in der Regel über ein aus verschiedenen Quellen stammendes Methodeninventar. Häufig wird dies jedoch wie ein Betriebsgeheimnis gehütet. Das eigene Methodenrepertoire anderen zugänglich zu machen und dadurch andere Mediatoren und Moderatoren in der Konfliktklärung praktisch zu unterstützen, stellt einen Beitrag zur Professionalisierung von Beratungsarbeit dar.

Entstehungshintergrund

Die Autoren sind langjährig in verschiedenen Bereichen der Beratung, Moderation von Konfliktklärungsprozessen und in der Weiterbildung tätig. Ihre Praxiserfahrungen bündeln Sie in der Methodenbox, indem sie bekannte und neue Verfahren zur Konfliktklärung in Gruppen und Teams zusammenstellen. Ausgangspunkt ist Basiswissen zu den Phasen der Mediation, denen dann hilfreiche Methoden zugeordnet, sowie Hintergrundinformationen, Checklisten und Übungen zur Arbeit mit Gruppen beigefügt werden.

Über die Methoden in der Arbeit mit Gruppen liegen aus verschiedenen Praxisfeldern bereits zahlreiche Publikationen vor. Diese weisen jedoch nur z.T. einen Rückbezug zu Konzepten und Beratungsansätzen auf. Im Unterschied dazu leiten die Autoren ihr methodisches Vorgehen aus den Grundsätzen der Mediation und dem von ihnen vorgestellten Phasenmodell ab. Die Autoren geben mit der Praxisbox einen Einblick in ihre Arbeitsweise, vermitteln in anwendungsorientierter Form Grundlagen der Gruppendynamik und bieten mit der Praxisbox ein Selbstlern- und Selbstevaluationsinstrument an.

Aufbau ...

Die Praxisbox setzt sich aus 5 thematischen Abschnitten zusammen.

  • Den Anfang machen zwei Abschnitte mit dem Basiswissen zur Mediation, Konfliktentstehung und -verlauf in Gruppen, Haltung des Mediators und den Phasen der Mediation.
  • Im umfangreichen dritten Abschnitt werden zu den Phasen der Mediation methodische Grundsätze, Verfahren und Übungen vorgestellt.
  • Der folgende Abschnitt liefert methodische Hinweise (Schlüsselsätze), Checklisten zum Überprüfen des eigenen Vorgehens und Modelle zum vertiefenden Verstehen von Kommunikations- und Gruppenprozessen.
  • Der Anhang beinhaltet ein Schlagwort- und Literaturverzeichnis, sowie abschliessend Informationen zu den Arbeitsschwerpunkten der Autoren.

... und Inhalt

  • Der Abschnitt A zur Konfliktklärung in Gruppen führt in Wissenswertes über Mediation, Fragen der Konfliktentstehung, die Rolle des Konfliktklärers, die Kompetenzen und die Haltung in der Moderation und die Gruppendynamik im Konfliktfall ein. Dieser Teil beinhaltet unverzichtbares Basiswissen, ohne das eine professionelle Mediation nicht möglich ist. Insofern profitiert dieser Teil wenig vom Karteikartenformat der Publikation.
  • Der Abschnitt B zu Phasen der Mediation liefert einen gut strukturierten Überblick über den Ablauf einer Mediation. Die Information über die Herkunft dieses Modells und mögliche Modifikationen würden zur breiteren Orientierung des Lesers beitragen. Als Phasen der Mediation werden vorgestellt: die Vorbereitung, Phase 1: einen sicheren Raum schaffen, Phase 2: Themen erheben und Rangfolge zu ihrer Behandlung erzeugen, Phase 3: Sichtweisen darstellen und vermitteln, Phase 4: Lösungen entwickeln, Phase 5: Vereinbarungen treffen und Abschluss der Mediation. Zu den Phasen benennen die Autoren Ziele, zentrale Inhalte, Regeln für die Vorgehensweise und Hinweise auf zu erwartende Probleme. Auch bei diesem Teil der Praxisbox empfiehlt sich ein chronologisches Durcharbeiten, um ein Verständnis für den Gesamtprozess zu bekommen.
  • Abschnitt C liefert den Kern der Praxisbox mit den Methoden der Team-Mediation. Auf der Basis der in Abschnitt B beschriebenen Phasen der Mediation werden diese jeweils mit einzelnen Methodenelementen angereichert. Dabei gilt es für die Gefühle, Gedanken, die eigene Motivation und das Interesse im Konflikt einen Ausdruck zu finden, diesen anderen in der Gruppe zu vermitteln und am Ausgleich der Interessen sowie an Lösungen zu arbeiten. Die Übungen zeichnen sich durch eine Vielzahl von Ideen, eine Vielfalt verwendeter Materialien und Ausdrucksformen (z.B. für Gefühle und Gedanken) aus. Hier liegt das kreative Potential der Praxisbox. In der Vielzahl der Methoden-Tools hat der Anwender jeweils die Wahl welcher methodische Zugang angemessen ist. Insofern bleibt zur Nutzung der Methoden ein grundlegendes Verständnis für gruppendynamische Prozesse unabdingbare Voraussetzung, um hier nicht nur wie nach einem „Kochrezept“ vorzugehen.
  • Der Abschnitt D mit der Überschrift „Spickzettel“ setzt sich aus Erklärungen zu Arbeitsgrundsätzen (Schlüsselsätzen), Checklisten und Modellen zusammen. Hier findet sich eine differenzierte Beschreibung zum kommunikativen Verhalten. Die Vorschläge zum Fragen nach Gefühlen, zum Formulieren von Bitten und zur gewaltfreien Kommunikation sind basalkommunikative Kompetenzen, deren es sich lohnt (auch als berufserfahrener Berater) zu vergewissern. Diese Arbeitskarten weisen jedoch eine große Schnittmenge mit allgemeinen Grundlagen von Kommunikation in Beratung und Gruppenarbeit auf.
    Bei den Checklisten lässt sich eine wichtige handlungssteuernde Funktion ausmachen. Besonders in hochstrittigen und konfliktgeladenen Gruppensituationen können die Checklisten eine Rückversicherung auf Handlungsprinzipien und –abläufe bieten. Mit den folgenden Modellen wird teilweise auf kommunikatives Basiswissen (die vier Seiten einer Nachricht, Schulz von Thun, 1981) Bezug genommen, andererseits werden Einzelaspekte (z.B. Eskalationsstufen im Konflikt, Zyklus der Teamentwicklung) vertieft. Auch hierbei empfiehlt es sich jedoch die Orginalquellen begleitend nachzulesen. Dies sind beispielsweise bei der unter D32 angesprochenen „Teamuhr“ Francis & Young (1996).
  • Im Abschnitt E werden Übungen vorgestellt, die einerseits Handwerkszeug zur vertiefenden Aneignung und andererseits Trainingseinheiten (insbesondere in Form von Rollenspielen) zum Lernen im Gestalten von Konfliktklärungsprozessen darstellen. Hier wird der Ausbildungscharakter der Praxisbox gestärkt. Die Autoren betonen die Notwendigkeit eines intensiven Trainings in der Mediation von Konfliktlösungsprozessen.
    Die Rollenspiele enthalten Personenskripte, Angaben zur Konfliktstruktur und Hinweise zum Auftrag. Sinnvoll umzusetzen sind diese in Lerngruppen, die das Rollenspiel inszenieren und in dem ein Berater bzw. Beraterteam sich in der Anwendung von Mediationsmethoden übt bzw. üben.
  • Abschließend werden in Abschnitt F - dem Anhang - ein Schlagwort- und Literaturverzeichnis, Angaben zu den Autoren und zu Fort- und Weiterbildungsangeboten der Autoren geliefert.

Zielgruppen

Die Praxisbox stellt eine Selbstlernanleitung für die Durchführung der Mediation zur Konfliktklärung in Gruppen dar. Es kann Personen, die mit Gruppen- und Teammediation betraut sind, dazu dienen ihre Arbeit unter Gesichtspunkten der Systematik zu reflektieren und durch weitere Methoden anzureichern. In einigen Teilen würde man dies eher Beginnern empfehlen (z.B. Abschnitt D „Schlüsselsätze“), von anderen Teilen, insbesondere dem vielfältigen und facettenreichen Methodenteil C, den Checklisten und Übungen, können auch langjährig in der Gruppen- und Teamarbeit Tätige nachhaltig profitieren.

Diskussion

Mit den Autoren haben sich Personen mit langjähriger Erfahrung in der Organisationsentwicklung, Beratung, Mediation, dem Training und der Ausbildung von Mediatoren zusammengefunden und ihr Praxis- und Methodenwissen eingebracht. Sie sind Mitglieder des Bundesverbandes Mediation e.V. und als selbständige Berater dem Profit-Bereich zuzuordnen. Genauere Angaben zu ihrer beruflichen/akademischen Qualifikation und differenziertere Angaben zu den bisherigen Projekten bzw. Beauftragungen wären wünschenswert.

Mit der Praxisbox ist ein schneller Zugriff zu Modellen und Methoden möglich, jenachdem welche Frage sich in der Mediation stellt. Wichtige Hintergründe, grundlegende methodische Prinzipien und Modelle finden sich insbesondere in Abschnitt D (Spickzettel), der entgegen seiner Anordnung in der Praxisbox (und seiner Benennung) einen besonderen Informationswert hat. Hier kann neben dem Beginner auch der erfahrene Mediator einen Reflexionsraum finden, sich der Grundlagen der Mediationsarbeit vergewissern und Ideen für eine Erweiterung seines Methodenrepertoire finden.

Es wäre ein Missverständnis in der Praxisbox einen Selbstlernkurs zu sehen, um nach dessen Studium mit der Arbeit als Mediator zu beginnen. Hier sind unabdingbar Trainingskurse und die professionelle Anleitung in der Praxis der Mediation notwendig. In welchem Umfang dabei externe Hilfe durch Trainer notwendig ist und wie sich die Praxisbox in die Weiterbildung in Mediation einbinden lässt, bleibt eine wichtige Frage.

Hilfreich wären bei den Übungen weiterführende Angaben zum Schwierigkeitsgrad und zur Unterscheidung zwischen übernommenen und von den Autoren selbst entwickelten neuen Methoden.

Für das akademische Studium kann die Praxisbox nicht empfohlen werden, da hier die Quellennachweise unvollständig sind oder ganz fehlen und die Karteikarten sich auf die Darstellung handlungsnahen Wissens konzentrieren. Sicher bieten einige Teile, insbesondere die Übungen und der Methodenteil C sehr interessante Elemente von Training, für die gruppendynamische, kommunikationstheoretische und sozialpsychologischen Grundlagen empfiehlt es sich auf andere Literatur zurückzugreifen. Auch für Praxistrainingselemente in angewandten BA-Studiengängen wären Basistexte unabdingbar, um die Übungen im Kontext theoretischer Grundlagen zu verstehen und zu erproben.

Fazit

Der besondere Beitrag der Praxisbox ist die systematisch strukturierte Anleitung zur methodischen Umsetzung der Prozessschritte in der Mediation. Die Verbindung eines Grundkonzepts der Mediation mit einem breiten und vielfältig gestalteten Methodenteil, interessanten Wissenselementen zur Vertiefung, den Checklisten zur Selbstkontrolle, den Praxisanleitungen und Rollenspielen zum Training der eigenen Mediatorenkompetenz tragen zum Nutzen der Praxisbox bei.

Insgesamt kann der Rezensent – auf dem Hintergrund der gemachten Verwendungsvorschläge – die Praxisbox „Konfliktklärung in Teams und Gruppen. Praktische Anleitung und Methoden zur Mediation in Gruppen“ für den genannten Leserkreis empfehlen.


Rezensent
Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz
Dozent für Psychologie (Schwerpunkte Diagnostik und Beratung) an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum
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Zitiervorschlag
Hans-Jürgen Balz. Rezension vom 03.09.2008 zu: Christian Bähner, Monika Oboth, Jörg Schmidt: Konfliktklärung in Teams & Gruppen. Praktische Anleitung und Methoden zur Mediation in Gruppen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2008. ISBN 978-3-87387-679-8. Reihe: Coaching fürs Leben. ). Box mit 292 Seiten auf 146 Karteikarten. Box mit Karteikarten A5-Format. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6012.php, Datum des Zugriffs 25.08.2016.


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