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Katrin Bauer: Friedenspädagogik in Schule und Politikunterricht

Katrin Bauer: Friedenspädagogik in Schule und Politikunterricht. Theorie und Praxis der Erziehung für eine "Kultur des Friedens". Logos Verlag (Berlin) 2007. 117 Seiten. ISBN 978-3-8325-1669-7. D: 13,80 EUR, A: 14,20 EUR, CH: 25,10 sFr.

Reihe: Berliner Arbeiten zur Erziehungs- und Kulturwissenschaft - Band 37.

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Thema

Katrin Bauer stellt in ihrer erfreulich inhaltsreichen und gleichzeitig knappen Untersuchung die pädagogisch wie politisch aktuelle Thematik der Friedenserziehung vor und trägt damit zur qualifi­zierten Diskussion Frieden fördernder Ge­danken, Haltungen und pädagogischer Methoden in Schule und Weiterbildung bei. Für mit der Thematik vertraute Leser bietet sie einen weitgespannten Überblick mit den relevanten Fachdiskursen, wenig vorinformierten Lesern ermöglicht sie mit der Erörterung aktueller Fragestellungen zu Friedenserziehung in und außerhalb von Schule einen kom­petenten Einstieg in eine interdisziplinäre Problematik.

Die Autorin verfolgt einige relevante, in Bildungs- und Politikdiskursen häufig geäußerte, Fragen zu Friedensschaffen und Friedenserziehung, indem sie gängige Ansichten zur Thematik als Aus­gangspunkt ihrer Darstellung nimmt. An diesen politisch wie kulturell vertieften Fragen, den Struk­turvorgaben der schulischen Rahmenpläne und den gesellschaftlichen Realitäten entwickelt sie ihre Darstellung und führt interessierte Leser durch eine Dif­ferenzierung der Begriffe und ein theore­tisch begründetes Verständnis der Zuordnungsprobleme, Wirksamkeitsaspekte und Umsetzbarkeit von Friedenserziehung in allen Stufen unseres Bildungs­systems.

Aufbau und Inhalt

In Anlehnung an die umfassende Darstellung von Werner Wintersteiner untersucht die Autorin die begriffli­chen Entwicklungen von Friedensforschern und Pädagogen, setzt etwa Johan Galtungs kulturelles Dreieck in Bezug zu den Forderungen einer nachhaltig wirkenden Friedenserziehung, die sie schlüssig in den erläuternden und forschenden Gedankengang des Buches integriert. Es entsteht ein differenziertes Bild des Feldes, der Begriffs- und Anwendungsdynamik der letzten Jahrzehnte und seiner Hauptakteure und der jeweils kontroversen oder konsensualen Schlußfolgerungen für Lehre und Praxis.

In der Effektivitätseinschätzung und zeit- wie räumlicher Wirksamkeit und Nachhaltigkeit bezieht die Autorin die strukturelle Verankerung friedenspädagogischer Elemente in den Schulalltag, die Lehrpläne und das gesellschaftliche Umfeld mit ein. Zu den Inhalten rechnet sie als essentielle Wirkungsga­rantien die methodische Berücksichtigung und Umsetzung einer Friedenshaltung, ohne die ein solcher Unterricht unglaubwürdig wäre.

Sehr klar dargestellt sind die Rahmenpläne mit den jeweils denkbaren friedenspädagogischen Bezügen und den Umsetzungsmöglichkeiten im normalen Unterricht. Die Autorin argumentiert dabei nachvollziehbar für einen doppelten Ansatz, nämlich der gesonderten Friedenserziehung einerseits und der in zahlreiche Schulfächer integrierten friedensbezogenen Elemente andererseits, was die allmähliche Durchdringung des Alltagswissens unterstützen und die daraus entstehenden konstruktiven Konflikte zwischen Wertepropagierung und Handeln der Erwachsenenwelt diskursförderund verschärfen könnte.

Diskussion

Erstaunlicherweise fehlt die Darstellung von Wirkungsweise und –bereichen von Mediation sowie die weiträumige Entwicklung von Media¬tionskompetenz in Schulen. Zu eng gefaßte Streitschlichtungsprogramme, die trotz ihres irreführenden Namens die streitenden Schüler darin unterstützen, ihre Lösung selbstständig zu finden, werden mit Recht kritisiert, da sie das pädagogische Modell der mediativ handelnden Lehrer weder benennen noch nutzen. Andere Mediationspro¬gramme und aussagekräftige bundesweite Evaluationen könnten jedoch hier beispielhaft benannt werden, auch die bereits seit 1991 in Berlin durchgeführten ganzheitlichen Konzepte, die grund¬sätzlich Lehrer und Schulleitung, oft auch Eltern, ausbilden und einbeziehen, strukturelle Veränderungen thematisieren und damit so¬wohl integrativ wie nachhaltig wirken.

Fazit

In ihren abschließenden Empfehlungen benennt die Autorin, wie umfangreich die bildungspoli­tischen Ebenen der Mikro-, Meso- und Makroebene und der Handlungsmöglichkeiten auf allen Ebenen verändert werden müßten, weist aber auf die langfristig wirkenden Erfahrungswerte friedenserzieherischer Aktivitäten hin, die auch eine geringe Umsetzung innerhalb eines eher gewaltfördernd strukturierten Systems sinnvoll erscheinen lassen. Damit werden zum einen die Dringlichkeit sich dieser Thematik zuzuwenden deutlich, wie auch die Möglichkeit, zuversichtlich auf die gewaltreiche Wirklichkeit zuzugehen und den eigenen Handlungsraum zu reflektieren, umfassend zu nutzen und kontinuierlich zu erweitern.


Rezensentin
Prof. Dr. Angela Mickley
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Zitiervorschlag
Angela Mickley. Rezension vom 17.10.2009 zu: Katrin Bauer: Friedenspädagogik in Schule und Politikunterricht. Logos Verlag (Berlin) 2007. 117 Seiten. ISBN 978-3-8325-1669-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6019.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.


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