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Günther Opp, Jana Teichmann (Hrsg.): Positive Peerkultur

Cover Günther Opp, Jana Teichmann (Hrsg.): Positive Peerkultur. Best practices in Deutschland. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2008. 195 Seiten. ISBN 978-3-7815-1567-3. 16,90 EUR.
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Thema

Was kann die Jugendhilfe Kindern und Jugendlichen anbieten, damit sie sich zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit entwickeln können, so wie es im §1 SGB VIII festgeschrieben ist? Diese grundlegende Frage erfreut sich aktueller Bedeutung; denkt man beispielsweise an die so genannten "schwierigen" Jugendlichen, die die Akteure der Jugendhilfe immer wieder vor die Herausforderung stellen, angemessene Hilfs- und Unterstützungsangebote zu konzipieren und um zu setzen. Der vorliegende Beitrag beantwortet die oben gestellte Frage mit dem gruppenpädagogischen Konzept der Positiven Peerkultur (PPC).

Entstehungshintergrund

Positive Peerkultur ist nicht unbedingt ein neuer Ansatz (S. 12). Und doch weist der Klappentext des Buches auf den pädagogischen Arbeitsansatz der Positiven Peerkultur (PPC) als einen innovativen hin der, in den USA in den 1970er Jahren entwickelt, erst in den letzten Jahren hier in Deutschland besonders auf Beachtung stieß. Wie das pädagogische Konzept der PPC in Deutschland entwickelt und umgesetzt werden kann zeigen, so der Klappentext weiter, die Praxisbeispiele in diesem Buch. Günther Opp und Jana Teichmann (beide Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) beschäftigen sich seit vielen Jahren theoretisch wie auch praktisch mit dem Konzept der Positiven Peerkultur. Sie haben für diesen Sammelband Personen und Einrichtungen gewinnen können die ihre aktuellen Projekte, Arbeitsweisen und Praxisbeispiele unterschiedlicher Couleur unter dem Fokus PPC dar- und zur Diskussion stellen.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Beitrag präsentieren die Herausgeber Günther Opp und Jana Teichmann "Grundlegende Gedanken zum Thema Positive Peerkultur", indem Sie kurz und bündig in das Thema einführen und wesentliche theoretische Aspekte referieren, die den Leser gedanklich auf den PPC-Ansatz einstimmen.

Daran schließen sich fünf praktische Beispiele an, die in den unterschiedlichsten Handlungsfeldern ihre Erfahrungen mit dem gruppenpädagogischen Ansatz darstellen, sowie Herausforderungen und Chancen skizzieren. Gerhard Veith bezieht PPC auf das Feld der stationären Jugendhilfe. Unter dem Motto "Gemeinsam für morgen handeln - Positive Peerkultur im Rahmen von Heimerziehung und sonstigen betreuten Wohnformen" diskutiert der Autor in beeindruckender Weise an einem praktischen Beispiel, was PPC konkret in der beschriebenen Einrichtung (Haus Schwabenstraße in Denzlingen) bedeutet und wie die beteiligten Personen das Konzept in der Praxis leben und ausgestalten.

Nicola Unger verfolgt in Ihrem Beitrag die spannende Idee "Positive Peerkultur im schulischen Kontext". Überaus plausibel und kompetent erhält der interessierte Leser einen Einblick in die mögliche Integration des Ansatzes in die Ausbildung zukünftiger PädagogInnen im Rahmen eines Praxisprojektes, dass an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit den umliegenden Schulen realisiert werden konnte.

Welche (positiven) Wirkungen die PPC bei den so genannten "schwierigen" Jugendlichen erreichen kann, zeigt Beate Kreisle in Ihrem Beitrag "Positive Peerkultur in der Wohngruppe für sozial auffällige Jugendliche". Eindrücklich schildert die Autorin alltägliche Situationen und methodisches Handeln, welches den Stärkenansatz und die Idee der Partizipation der jungen Menschen spürbar aufleben lässt.

Kirsten Breuker, Ulrike Bächle-Hahn und Andreas Schrenk stellen in Ihrem Beitrag "Positive Peerkultur im Heimkontext" Ihre Einrichtung, das St. Augustinusheim in Ettlingen vor und skizzieren an dessen konzeptioneller Ausrichtung, die Grundlagen der Positiven Peerkultur und den gelebten pädagogischen Alltag. Die einzelnen methodischen Konzeptbausteine werden nicht nur explizit dargestellt, sondern verschmelzen mit Einblicken in die Praxis zu einer fundierten Reflexionsfolie. In diesem Kontext wird der Kommunikation in einer Positiven Peerkultur besondere Bedeutung beigemessen.

Im darauffolgenden Kapitel "Positive Peerkultur mit Jugendlichen im offenen Strafvollzug" werden dem Leser, neben der Konzeption des Projekts Chance (CJD Crelingen), Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung des PPC - Ansatzes in das alltägliche Leben von männlichen Jugendlichen in einer Jugendhilfeeinrichtung präsentiert. Besonderen Wert legen die Autoren dabei auf den Aspekt der Positiven Jugendkultur als ein Lernort der Ermutigung. Auch hier wird explizit auf die Peer-Gesprächskultur eingegangen, die im Sinne eines ernst gemeinten Partizipationsanspruchs, als unbedingte Voraussetzung gesehen wird.

Pädagogische Konzepte müssen nicht nur plausibel begründet und theoretisch fundiert sein. Sie müssen sich darüber hinaus der Frage der Wirksamkeit stellen. Christoph Steinebach und Ursula Steinebach beziehen sich auf diese Fragestellung unter der Überschrift "Best Practices prüfen. Zur Evaluation von PPC-Projekten". Begrifflich versiert und immer im praktischen Bezug verbinden die beiden Autoren Theorie und Praxis auf der Ebene der Evaluation. Neben Grundannahmen und Perspektiven, stellen Sie gängige Konzepte und Verfahren vor, die gegen Ende des Beitrags zu Schlussfolgerungen für die Evaluation des PPC-Ansatzes zusammenfließen.

In dem abschließenden Beitrag "Positive Peerkultur - ein universelles pädagogisches Handlungskonzept" bündeln die beiden Herausgeber (Jana Teichmann und Günther Opp), die gesammelten Eindrücke und Gedankenanstöße, die der Leser während der Lektüre des Buches zur Positiven Peerkultur erhält und beziehen diese auf die folgenden grundlegenden Aspekte:

  • Klärung der Begriffe
  • Theoretische Grundlagen sozialer Gruppenbildung
  • Aktuelle Bildungsdiskussion
  • PPC - flexibel und universell
  • PPC - gruppen- und altersübergreifend
  • Professionalisierungsaspekte.

Im Anschluss daran werden Perspektiven entwickelt, die die PPC als qualifizierte und wertschätzende Haltung der beteiligten Personen am Erziehungsprozess betont und für dessen Implementierung in vielfältigen Handlungsfeldern wirbt.

Zielgruppen

Das Buch ist sowohl empfehlenswert für pädagogische Fachkräfte in der Praxis, StudentInnen in der Ausbildung als auch interessierte WissenschaftlerInnen.

Diskussion

Obwohl die Ausführungen zu den konzeptionellen Überlegungen sich an einigen Stellen doppeln, kann die Veröffentlichung sowohl in der Ausbildung von StudentInnen an (Fach-)Hochschulen als auch in der alltäglichen Praxis als Informationsquelle, Nachschlagewerk und Gedankenanregung dienen.

So grundsätzliche pädagogische Fragen, wie sie hier thematisiert und gedanklich durchgespielt werden, so plausibel begründet und theoretisch fundiert stellt sich das Buch dem interessierten Leser vor. Sicherlich bleibt die Frage offen, wie die Jugendlichen die erzielten Lerneffekte außerhalb des pädagogischen Settings anwenden und für sich nutzen können. Dies ist zum Einen jedoch nicht Ziel dieser Veröffentlichung. Zum Anderen muss dies perspektivisch als nächster Schritt empirisch bearbeitet werden.

Fazit

Das Buch überzeugt durch seine klare Struktur und die anschaulich präsentierten Einzelbeiträge. Überaus aufschlussreich wird der Leser auf eine Reise zu unterschiedlichen Projekten und Initiativen begleitet, die nach dem PPC-Ansatz arbeiten. Er erhält einen fundierten Einblick in Chancen, aber auch Grenzen des Konzeptes und wird, besonders im Schlussteil, immer wieder angehalten, sich reflexiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.


Rezensentin
Dr.phil. Vanessa Schnorr
Dipl.-Pädagogin
Lehrbeauftragte an der Universität Koblenz-Landau, Institut für Pädagogik
Homepage www.uni-koblenz-landau.de/koblenz/fb1/sempaed
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Zitiervorschlag
Vanessa Schnorr. Rezension vom 25.09.2008 zu: Günther Opp, Jana Teichmann (Hrsg.): Positive Peerkultur. Best practices in Deutschland. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2008. ISBN 978-3-7815-1567-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6062.php, Datum des Zugriffs 26.07.2016.


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