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Berit Sandberg, Christoph Mecking: Vergütung [...] (Führungskräfte in Stiftungen)

Cover Berit Sandberg, Christoph Mecking: Vergütung haupt- und ehrenamtlicher Führungskräfte in Stiftungen. Die Ergebnisse der Vergütungsstudie 2007. Stiftung & Sponsoring Verlag (Berlin) 2008. 149 Seiten. ISBN 978-3-9812114-0-5.

Reihe: Personalmanagement in Stiftungen ; Bd. 1.
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Die Höhe der Vergütung als Ausdruck der Wertschätzung

Die aktuelle Finanzmarktkrise wirft nicht nur trübe und Angst einflössende Schlaglichter auf die Beherrschbarkeit komplexer und offensichtlich auch für Eingeweihte letztlich undurchschaubare Geldströme. Helmut Schmidt, unser weltweit respektierter und geachteter elder statesman, hatte augenscheinlich schon vor Jahren Recht, als er das derzeitige Marktgeschehen als "modernen Raubtierkapitalismus" bezeichnete. Das unbedingt notwendige Vertrauen in die Integrität, Professionalität und Souveränität der führenden Verantwortlichen ist aber wohl nachdrücklich erschüttert, so dass man fundiert und nachhaltig Zweifel an der Berechtigung der Vergütungshöhen von Spitzenmanagern hegen kann. Der Gipfel der Geschmacklosigkeit wird oft dann erreicht, wenn trotz eingestandener und eklatanter Managementfehler Führungskräfte mit einem sog. "golden parachute" in den vorzeitigen Ruhestand geschickt werden. Aber nicht nur in solchen Fällen kann die Höhe der Vergütung nicht mehr als angemessener Ausdruck der Wertschätzung, die der erbrachten Leistung entgegengebracht wird, angesehen werden. Nicht ohne Grund wird im Bundestag im Rahmen des Unterausschusses "Bürgerschaftliches Engagement" über mehr Transparenz und die Notwendigkeit von Änderung im Recht der Rechnungslegungspflicht im Bereich des sog. Dritten Sektors diskutiert. Im Rahmen der Antwort der Bundesregierung (BT-Drucks. 16/8325) auf die Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion (BT-Drucks. 16/8110) wurde nicht umsonst auf das Kriterium der sog. Vergütungstransparenz, also der Offenlegung der Gehälter von Beschäftigten ab einem gewissen Niveau, hingewiesen, welches das DZI-Institut als ein Parameter unter vielen für die Korrektheit der Mittelverwendung anwendet. Da sich aber auch Non-Profit-Organisationen – genauso wir renditeorientierte Unternehmen – im Kampf um die besten Köpfe befinden, ist die Vergütungspolitik ein entscheidender Punkt, um qualifiziert haupt- oder ehrenamtliche Mitarbeiter an sich zu binden. Die hier vorzustellende Untersuchung ist vor dieser antipodenhaften Problemstellung – hier die Notwendigkeit nach effektiver und gemeinwohlorientierter Mittelverwendung, dort die Konkurrenz um die "high potentials" im Dritten Sektor auch mittels attraktiver Vergütungsstrukturen – sehr zu begrüßen, da sie in beeindruckender Art und Weise erhellende empirische Daten präsentiert und somit die Diskussion versachlichen hilft.

Entstehungshintergrund

Die Schrift basiert auf einer schriftlichen Umfrage, die im Frühjahr 2007 an der FTHW Berlin in Kooperation mit dem Institut für Stiftungsberatung Berlin durchgeführt wurde. Dabei wurden mehrere tausend rechtsfähige Stiftungen mit Sitz in Deutschland um Angaben zur Vergütung von haupt- und ehrenamtlichen Stiftungsleitungen gebeten. Dieses Erkenntnisinteresse entstand vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sich im Non-Profit-Sektor aufgrund eines immer größeren werdenden Professionalisierungs- und Wettbewerbsdrucks grundlegende Modernisierungsprozesse anbahnen bzw. bereits eingeleitet wurden, die auch Auswirkungen auf die Vergütungspolitik in gemeinnützigen Körperschaften, hier insbesondere auf Stiftungen, haben müssen.

Struktur und Inhalt des Buchs

Das Buch gliedert sich insgesamt in sieben Teile.

  • Im ersten Teil werden einführend die Grundlagen der Studie dargestellt.
  • Sodann werden die Merkmale der befragten Stiftungen herausgearbeitet.
  • Im dritten und vierten Teil, quasi dem Herzstück des Bandes, werden die Vergütungsysteme der ehren- und hauptamtlichen Führungskräfte dargestellt.
  • Den Aspekten der Vergütungszufriedenheit und Vergütungstransparenz wird im fünften Teil der Arbeit nachgespürt.
  • Der sechste Teil ist der Analyse der Vergütungspolitik gewidmet,
  • um im siebten und letzten Teil eine retrospektive Zusammenfassung der gefundenen Ergebnisse und einen prospektiven Ausblick auf die zukünftige Entwicklung zu geben. Besonders vorteilhaft ist, dass der Fragebogen, der als Grundlage für die erhobenen Daten diente, ebenfalls abgedruckt wurde. Zahlreiche Tabellen und graphische Abbildungen runden die Studie mit Zahlenmaterial und Strukturdarstellungen ab.

Wesentliche Erkenntnisse

Vor dem Hintergrund der oben bereits angesprochenen Aktivitäten des Deutschen Bundestags um ein höheres Maß an Transparenz im Dritten Sektor sind die Ergebnisse der Studie zur Frage der Bereitschaft der Offenlegung der gezahlten Vergütungen von besonderem Interesse. Von den befragten Führungskräften stimmen danach der Aussage, "Die individuellen Vergütungen von Stiftungsvorständen und Geschäftsführern sollten veröffentlicht werden" nur zu einem Prozentsatz von 35,9% voll zu. 20,9% neigen dieser Aussage lediglich zu. Weitere 16,8% sind mit einer solchen Publizität der Saläre eher nicht einverstanden. 26,4% der Befragten lehnten eine Veröffentlichung klar ab (S. 105). Obzwar also mehr als die Hälfte (56,8%) sich eher für eine Veröffentlichung aussprechen, ist die Bereitschaft zu einer Offenlegung der Vergütungen doch als sehr gespalten und heterogen auszustufen. Dies mag auch damit zu tun, dass gerade in Deutschland die Bereitschaft über die Höhe seines Gehaltes zu sprechen im Vergleich zu anderen Ländern, vor allem zu den USA, sehr gering ausgeprägt ist.

Als weitere wertvolle Erkenntnis der Arbeit ist festzuhalten, dass als Gradmesser für die Professionalisierung der haupt- und ehrenamtlichen Stiftungsarbeit der hohe und immer weiter steigende Akademisierungsgrad der Verantwortlichen zu nennen ist. Die Mehrzahl der Führungskräfte verfügt demnach über eine Hochschulausbildung.

Trotz der mit der Akademisierung einhergehende Steigerung der Vergütungen konstatieren die Autoren, dass die Führungskräfte in Non-Profit-Unternehmen insgesamt stärker intrinsisch motiviert sind und sich trotz ihrer hohen formalen Qualifikation mit geringeren Salären zufrieden geben, als sie in der Privatwirtschaft mit ihrer Ausbildung erzielen könnten.

Fazit

Als Fazit kann festgehalten werden, dass die Vergütung – trotz der sicherlich leicht unterschiedlichen Motivation der Führungskräfte – auch in Non-Profit-Unternehmen eine immer größere Rolle spielt, dies aber zu Konflikten mit den Spendern, Stiftern und der Öffentlichkeit führen kann, da durch höhere Saläre der Organisation finanzielle Ressourcen entzogen werden, die eigentlich den gemeinwohlorientierten Zwecken zufließen sollten. Die Studie ist für Stiftungen und für andere gemeinnützige Körperschaften eine wertvolle Hilfe, da sie die Bedeutung der Vergütung für die Führungskräfte sowie die Kriterien für die Höhe der Vergütung herausarbeitet und damit wertvolle Hilfestellung bei einschlägigen Personalmaßnahmen leistet. Aber auch der Gesetzgeber kann aus der Arbeit wertvolle Anregungen im Hinblick auf die Einführung von Transparenzregelungen erhalten. 


Rezensent
Dr. iur. Marcus Kreutz
LL.M., Rechtsanwalt. Justiziar des Bundesverbandes Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. in Köln
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Zitiervorschlag
Marcus Kreutz. Rezension vom 17.11.2008 zu: Berit Sandberg, Christoph Mecking: Vergütung haupt- und ehrenamtlicher Führungskräfte in Stiftungen. Die Ergebnisse der Vergütungsstudie 2007. Stiftung & Sponsoring Verlag (Berlin) 2008. ISBN 978-3-9812114-0-5. Reihe: Personalmanagement in Stiftungen ; Bd. 1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6148.php, Datum des Zugriffs 01.07.2016.


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