Margarete Edelmann: Gesundheitsressourcen im Beruf
Margarete Edelmann: Gesundheitsressourcen im Beruf. Selbstwirksamkeit und Kontrolle als Faktoren der multiplen Stresspufferung. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2002. 225 Seiten. ISBN 978-3-621-27526-2. 44,90 EUR.
Das Thema
Welche Faktoren führen dazu, dass Menschen trotz geringer Arbeitsbelastung unter ihrer Arbeit leiden und andere Menschen mit hoher Arbeitsbelastung zufrieden und ohne psychosomatische Schäden ihren Alltag meistern? Auf der Grundlage der bisherigen Forschungsergebnisse präsentiert Margarete Edelmann mit diesem Buch dazu den Beitrag ihrer eigenen Forschungsstudie.
Die Autorin / der Hintergrund
Margarete Edelmann legt hier ihre Dissertation vor, die unter dem Titel "Selbstwirksamkeit und Kontrolle als Faktoren der multiplen Stresspufferung im Arbeitskontext" bei der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Ruprechts-Karl-Universität Heidelberg eingereicht wurde. Zugrunde liegt ein Forschungsprojekt bei einem süddeutschen Automobilkonzern, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde.
Der Beltz-Verlag hat die Reihe "Psychologie-Forschung aktuell" so konzipiert, dass auch speziellere Forschungsergebnisse aus der Psychologie der Leserschaft zugänglich gemacht werden können .
Der Inhalt
Seit Ende der 70er Jahre bildet das Job Demand-Controll-Modell von Karasek ein wichtiges Modell der Arbeitspsychologie. Nach diesem Modell wird Kontrolle allgemein eine stressmoderierende Wirkung im Arbeitsleben zugesprochen. Empirische Forschungen haben jedoch ergeben, dass dieses Modell erweiterungsbedürftig ist und Margarete Edelmann untersucht als zusätzliche Variable die Selbstwirksamkeitserwartung der Befragten.
Dazu stellt sie zunächst das klassische Modell von Karasek in Einzelheiten vor. Danach erläutert sie ihre eigenen Hypothesen. In der Hauptsache erwartet sie, dass Kontroll- und Entscheidungs-Spielraum nur dann günstige Auswirkungen hat, wenn entweder wenig arbeitsorganisatorische Probleme auftreten oder die Betroffenen eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung haben.
So nimmt sie an, dass eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung der Betroffenen bei geringer Unsicherheit am Arbeitsplatz sowie hohem Kontrollspielraum zu optimaler Arbeitszufriedenheit beitragen.
Bei geringer Selbstwirksamkeitserwartung und hoher Unsicherheit erwartet sie dagegen, dass ein hoher Kontrollspielraum eher belastend wirkt.
Bei hoher Selbstwirksamkeitserwartung und ansteigenden Arbeitsproblemen erwartet sie bei wenig Zeitspielraum negative Folgen, die bei hohem Zeitspielraum abgepuffert werden können.
Bei niedriger Selbstwirksamkeitserwartung und ansteigenden Arbeitsproblemen nimmt Margarete Edelmann umgekehrt an, dass bei hohem Zeitspielraum negative Folgen eintreten, die bei geringem Zeitspielraum eher abgepuffert werden.
Margarete Edelmann befragte zu diesen Themen anonym und durch gründlich erläuterte Fragebogen 227 Instandhalter eines grossen süddeutschen Automobilherstellers. Als Kriterien für Arbeitszufriedenheit wurden psychosomatische Beschwerden, Gereiztheit/Belastetheit und Wohlbefinden operationalisiert.
Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit waren z.T. überraschend:
Während für die Faktoren Wohlbefinden und psychosomatische Beschwerden Edelmanns Hypothesen bestätigt werden konnten, ergab sich ein anderes Bild bei der Gereiztheit / Belastetheit:
Arbeitende mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung waren bei zunehmenden Stressoren am Arbeitsplatz viel eher gereizt und belastet als ihre Kollegen mit einer niedrigen Selbstwirksamkeitserwartung.
Edelmann diskutiert diese Ergebnisse und regt weitere Forschungen an.
Insgesamt ist die Untersuchung sorgfältig aufgearbeitet und gut nachvollziehbar dargestellt. Die Grundlagen sind belesen dargestellt und mit aktuellen Literaturverweisen versehen. Neben der eigentlichen Studie wird das Job Demand-Control-Modell ausführlich dargestellt und diskutiert.
Zielgruppen und Fazit
Zu speziell für allgemein am Thema "Arbeitszufriedenheit" Interessierte, dagegen nützlich und spannend für wissenschaftlich orientierte LeserInnen, die speziell im Bereich des Job Demand-Control-Modells der Arbeitspsychologie interessiert sind.
Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
FH University of Applied Sciences Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt "Beruf und Burnout-Prävention"
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 28.01.2003 zu: Margarete Edelmann: Gesundheitsressourcen im Beruf. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2002. 225 Seiten. ISBN 978-3-621-27526-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/615.php, Datum des Zugriffs 22.05.2012.
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