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Lars-Eric Petersen, Bernd Six (Hrsg.): Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung

Cover Lars-Eric Petersen, Bernd Six (Hrsg.): Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung. Theorien, Befunde und Interventionen. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2008. 368 Seiten. ISBN 978-3-621-27645-0. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 49,90 sFr.

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Thema

Das vorliegende Buch gibt Antworten auf die Fragen: „Wie entstehen Vorurteile, wie kommt es zu Sexismus, Rassismus oder Altersstereotypen? Welche Folgen haben bestehende Vorurteile und Stereotype auf Wahrnehmung, Denken und Handeln von Menschen? Wie kann ihnen begegnet werden?“ Bei der Publikation handelt es sich um ein systematisch gegliedertes Grundlagenbuch der Sozialpsychologie, das sich für speziell für Studierende der Bereiche Psychologie, Soziologie, Pädagogik und Soziale Arbeit eignet sowie für Fachleute und Praktiker/innen aus dem Sozialbereich, die sich gut verständlich auf den neusten Forschungsstand bringen wollen.

Herausgeber

Dr. Lars-Eric Petersen ist Privatdozent an der Universität Halle-Wittenberg im Institut Sozial- und Organisationspsychologie und beschäftigt sich seit Jahren mit sozialpsychologischen Themen im Bereich Gruppen, Selbstkonzept und Informationsverarbeitung, Selbstwahrnehmung, Einstellungen, Vorurteile sowie Soziale Diskriminierung, zum letzteren schrieb er 2000 seine Habilitation.
Dr. Bernd Six ist Professor und Prorektor für strategische Entwicklung an der Universität Halle-Wittenberg, im Institut für Sozial- und Organisationspsychologie und forscht seit Jahren im Fachgebiet Sozial- und Persönlichkeitspsychologie sowie Arbeits- und Organisationspsychologie. Interpersonale Prozesse, Intra-Gruppenprozesse, Soziale Kognition und Einstellungen sind einige seiner Spezialgebiete.

Aufbau

Das Buch ist in vier grosse Abschnitte unterteilt:

  1. Stereotype,
  2. Vorurteile,
  3. Soziale Diskriminierung und
  4. Prävention und Intervention.

Jeder Abschnitt beginnt mit einer kurzen Einführung durch die Herausgeber. Danach folgen kurze, gut lesbare Beiträgen von ausgewiesenen Forschern und Forscherinnen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, England, Italien, Niederlande, Kanada, Portugal über aktuelle Theorien, Befunde und Interventionen. Es werden sowohl klassische Studien aber auch neuere Erkenntnisse dargestellt. Die einzelnen Beiträge weisen immer einem ähnlichen Aufbau auf: nach einem theoretischen Überblick über das jeweilige Thema wird exemplarisch eine Beispielstudie dargestellt.

1. Stereotype

In den Sozialwissenschaften werden Stereotype seit 1933 erforscht und sind immer noch ein grosses Aufgabenfeld. Stereotype sind starre Eindrücke, welche nur in geringem Mass mit der Realität übereinstimmen und dadurch zustande kommen, dass wir zuerst urteilen und dann hinschauen. Ein zentraler Mechanismus bei der Entstehung von Stereotypen besteht in der Bereitschaft von Personen zur sozialen Kategorisierung. Menschen werden in Eigen- und Fremdgruppen aufgeteilt, welchen Merkmalskategorien zugeordnet werden. Dabei wird in der Regel die Eigengruppe positiver und die Fremdgruppe negativer beurteilt. Haben sich Stereotype einmal gebildet, dann beeinflussen sie die Informationsverarbeitung. Diese automatische und oft unbemerkte Aktivierung ist eine zentrale Frage in der neueren Forschung. Solchen Aspekten gehen die folgenden Beiträge nach:

  • Soziale Kategorisierung und Stereotypisierung von Karl Christoph Klauer
  • Stereotype und Informationsverarbeitung von Marianne Schmid Mast und Franciska Krings
  • Substerotypisierung von Maya Machnusky
  • Illusorische Korrelation von Thorsten Meiser
  • Sprachverzerrungen im Intergruppenkontext von Christiane Schöl, Dagmar Stahlberg und Anne Maass
  • Implizite Persönlichkeitstheorien von Uwe Wolfrath
  • Sich selbst erfüllende Prophezeiungen von Tobias Greitemeyer
  • Stereotype als Bedrohung von Johannes Keller
  • Messungen von Stereotypen von Thomas Eckes

2. Vorurteile

Die klassische sozialwissenschaftliche Definition von Allport (1954) bezeichnet Vorurteile als ablehnende Haltung gegenüber einer Person, die zu einer Gruppe gehört und deswegen dieselben zu beanstandenden Eigenschaften haben soll, die man der Gruppe zuschreibt. Die meisten Vorurteilsdefinitionen fassen Vorurteile als spezielle Variante von Einstellungen auf. Die neuere Forschung untersucht die sogenannten subtilen oder impliziten Vorurteile z.B. im Bereich Rassismus, Sexismus oder Alter, welche den Vorurteiltragenden nicht bekannt sind. Neue Verfahren aus der Einstellungsforschung kommen zur Anwendung, welche Reaktionszeiten erheben. Folgende fünf Kapitel widmen sich diesen Fragestellungen:

  • Rassismus von Andreas Zick und Beate Küpper
  • Sexismus von Iris Six-Materna
  • Altersvorurteile von Franciska Krings und Annette Kluge
  • Stigma von Heinrich Tröster
  • Messung von Vorurteilen von Juliane Degner und Dirk Wentura

3. Soziale Diskriminierung

Soziale Diskriminierung widerspiegelt eine Bevorzugung oder Ablehnung gegenüber anderen Personen oder Gruppen, einzig aufgrund deren Zugehörigkeit zu anderen Gruppen oder Kategorien. In manchen Definitionen wird betont, dass aufgrund einer Ethik der Gleichbehandlung die soziale Diskriminierung immer moralisch unangemessen ist. Die Forschung beschäftigt sich vor allem mit den Ursachen der sozialen Diskriminierung und sucht Determinanten in der Persönlichkeit und in den Einstellungen. Neuere Forschungen erlauben auch eine Vorhersage durch welches Verhalten Diskriminierung ausgedrückt wird und welche sozialen und gesundheitlichen Folgen die Erfahrung von sozialer Diskriminierung für Mitglieder der stigmatisierten Gruppe hat.

  • Autoritarismus und Diskriminierung von Lars-Eric Petersen
  • Soziale Dominanz und Diskriminierung von Bernd Six
  • Selbstregulation und soziale Diskriminierung von Kai Sassenberg und Jennifer Fehr
  • Vorurteile und Diskriminierung von Lars-Eric Petersen
  • Das Paradigma der minimalen Gruppe von Lars-Eric Petersen und Hartmut Blank
  • Die Theorie des realen Gruppenkonfliktes von Immo Fritsche und Thomas Kessler
  • Die Theorie der sozialen Identität von Lars-Eric Petersen
  • Die Theorie der Selbstkategorisierung von Michael Wenzel und Sven Waldzus
  • Das Modelle der Eigengruppenprojektion von Sven Waldzus und Michael Wenzel
  • Die Theorie der relativen Deprivation von Thomas Kessler und Nicole Syringa Harth
  • Reaktionen auf soziale Diskriminierung von Nina Hansen und Kai Sassenberg

4. Prävention und Intervention

Die Sozialpsychologie hat in jahrelanger Forschung generelle Prinzipien entwickelt (vgl. Kontakt zwischen Gruppen, Dekategorisierung, Rekategorisierung) und auch umfangreiche Interventions- und Änderungsprogramme getestet (vgl. Programme zur Prävention und Diversity Mangement). In den Konzepten geht es dabei um direkte Einflussnahme auf die Persönlichkeitsbildung aber auch um individuelle und strukturelle Frühwarnsysteme, die immer dann Alarm schlagen, wenn feindselige Äusserungen gegenüber anderen allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zunehmen. Klar wird auch, dass die Änderungsstrategien Wirkungen zeigen, aber keine Wunderwaffen sind.

  • Programme zur Prävention und Veränderung von Vorurteilen gegenüber Minderheiten von Ulrich Wagner und Tina Farhan
  • Die Kontakthypothese von Stefan Stürmer
  • Dekategorisierung, Rekategorisierung und das Modell wechselseitiger Differenzierung von Sabine Otten und Christine Matschke
  • Sozialisation von Hans-Werner Bierhoff und Elke Rohmann
  • Diversity Management von Lars-Eric Petersen und Jörg Dietz
  • Interventionen zum Abbau von Vorurteilen gegenüber Menschen mit körperlicher Behinderung von Barbara Krahé
  • Zivilcourage: Theorie, Messung und Training von Andreas Kastenmüller, Peter Fischer, Dieter Frey und Ann Frey-Gaska
  • Solidarität gegenüber Fremdgruppenmitgliedern von Hans-Werner Bierhoff

Diskussion und Fazit

Das Buch gibt einen guten Überblick über vielfältige Aspekte von Stereotypen, Vorurteilen und sozialer Diskriminierung. Die theoretischen Ausführungen werden durch Beispielsstudien untermauert. Dabei bleibt die Bearbeitung der Themen nicht in der Analyse stehen, sondern fokussiert im letzten Teil auch auf Veränderungsmöglichkeiten und die Prävention.

Das Buch hält, was der Titel verspricht. Es ist gut lesbar bzw. leicht Kapitelweise einsehbar, da alle Kapitel den gleichen Aufbau haben. Mit der Kürze der Beiträge geht die Tiefe in den einzelnen Themen etwas verloren, was jedoch der Form des Readers angemessen ist. Für Studium und Praxis als Einstieg und Nachschlagwerk ist das Buch sehr gut geeignet. Die ausführlichen Literaturhinweise können für die Vertiefung der Themen genutzt werden.


Rezensentin
Prof. Pia Gabriel-Schärer
Homepage www.hslu.ch
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Zitiervorschlag
Pia Gabriel-Schärer. Rezension vom 25.08.2009 zu: Lars-Eric Petersen, Bernd Six (Hrsg.): Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung. Beltz Psychologie Verlags Union (PVU) (Weinheim) 2008. 368 Seiten. ISBN 978-3-621-27645-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6157.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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