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Monika Becker-Fischer, Gottfried Fischer u.a.: Sexuelle Übergriffe in der Psychotherapie

Cover Monika Becker-Fischer, Gottfried Fischer, Christiane Eichenberg: Sexuelle Übergriffe in der Psychotherapie. Orientierungshilfen für Therapeut und Klientin. Asanger Verlag (Kröning) 2008. 3., neu bearbeitete, erweiterte u. aktualisierte Auflage. 200 Seiten. ISBN 978-3-89334-460-4. 25,50 EUR.
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Einführung ins ThemaThema

Sexuelle Übergriffe zwischen Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten und Klientinnen oder Klienten sind ein kaum beachtetes Thema, obwohl die Folgen in der Regel schwerwiegend sind. Die Häufigkeit dieser Ereignisse wird zumeist unterschätzt. Ergebnisse aus aktuellen Studien belegen die Bedeutung dieses Themas.

Autoren und Entstehungshintergrund

Monika Becker Fischer ist doktorierte Psychologin, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin. Sie absolvierte ihre Studien in Marburg, München und Bremen. Sie ist als Lehrtherapeutin und Supervisorin tätig, arbeitet in eigener Praxis und verfügt über Praxiserfahrungen in der Psychosomatik.

Prof. Dr.Gottfried Fischer ist Psychotherapeut und Psychoanalytiker am Institut für Psychotraumatologie in Much, außerdem Direktor des Instituts für klinische Psychologie und psychologische Diagnostik an der Universität Köln.

Christiane Eichenberg ist doktorierte Psychologin und arbeitet am Institut für klinische Psychologie und psychologische Diagnostik an der Universität Köln. Sie befindet sich in Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin am Institut für psychotherapeutische Forschung, Methodenentwicklung und Weiterbildung, ebenfalls an der Universität Köln.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in acht Kapitel und nimmt in jedem Kapitel vielseitig Bezug auf aktuelle Literatur. Es werden datenbasierte Fakten und Befunde beschrieben und ein auf der Sachlage begründetes Vorgehen umschrieben.

  • Das erste Kapitel benennt die unklare Positionierung der Psychotherapie zum Thema sexuelle Übergriffe als Problem. Sexueller Missbrauch ist nicht ein Problemfeld einer spezifischen therapeutischen Schule, sondern kommt übergreifend in allen Therapierichtungen vor. Es werden die verschiedenen Verstrickungs- und Abwehrmechanismen beschrieben, derer sich therapeutische Fachpersonen bedienen. Eine Sammlung von Originalen und ihre Kommentierung dienen einerseits der Dokumentation, nämlich, wie sich einerseits Psychotherapeutische Richtungen zu diesem Thema positionieren, und andererseits werden durch die Kommentierung ethische und gesellschaftliche Aspekte zu diesem Thema hervorgehoben.
  • Das zweite Kapitel widmet sich den epidemiologischen Daten zum Bereich sexueller Übergriffe in der Psychotherapie. Die Autorinnen und der Autor beziehen sich dabei auf einen Ansatz von K.M. Bachmann zur Erhebung der Daten. In der Befragung wurde Psychotherapeuten die Frage gestellt, ob sie jemals sexuelle Kontakte zu Patienten hatten. Diese Frage beantworteten 12% der männlichen und 3% der weiblichen Therapeuten mit ja. Amerikanische Haftpflichtversicherungen schätzten, dass etwa 20% der therapeutischen Fachpersonen sexuelle Beziehungen mit Klientinnen oder Klienten aufnehmen. Auf dem Hintergrund dieser Annahmen leiten die Buchautorinnen und der Buchautor dringenden Handlungsbedarf ab.
  • Kapitel drei beinhaltet eine ausführliche Tätertypologie mit Beschreibungen verschiedener Persönlichkeitsmerkmalen der Tätertherapeuten.
  • Weiter werden dann unterschiedliche Strategien des Beziehungsaufbaus missbrauchender Therapeuten beschrieben. Das Prinzip sexueller Abstinenz zwischen Therapeuten und Klientel wird unterstrichen und anhand dieser Position werden Beziehungsmuster im Kontext sexueller Übergriffe beschrieben, um das Phänomen des sexuellen Übergriffs zu erläutern
  • Sexuelle Übergriffe in der Therapie bedeuten traumatische Erfahrungen für die Klientinnen und Klienten. Die Lesenden erhalten Einblick über Folgeschäden aus diesen Ereignissen. Des Weiteren wird auch ausgeführt, was der Tatbestand sexueller Übergriffe für Folgetherapien bedeutet.
  • Die Lesenden erhalten konkrete Hilfestellungen, wie und wo sie sich bei sexuellen Übergriffen in der Therapie Hilfe holen können.
  • Auch die rechtlichen Aspekte werden eingehend beschrieben.
  • Abschliessend erfolgt ein Ausblick auf die Rückfallprophylaxe für die Tätertherapeuten. Des Weiteren werden konkrete Hinweise gegeben, welche Möglichkeiten für Patientinnen oder Patienten bestehen, das Risiko des sexuellen Übergriffs frühzeitig zu erkennen.

Fazit

Wer in welcher Rolle auch immer, ob als Patientin oder Patient, Kollegin oder Partner mit dem Thema sexueller Übergriffe in der Psychotherapie in Berührung kommt, wird hier aktuell, umfassend und sachkundig informiert. Es werden juristische und psychologische Aspekte zu diesem Thema dargestellt. Dabei sind die Ideen und Vorschläge stets pragmatisch und anwendbar, ein Buch also, dass konkrete Hilfe bietet.


Rezensent
Prof. Dr. Günther Wüsten
Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, Diplom Sozialpädagoge FH Prof. am Institut für Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Nordwestschweiz. Tätigkeitsfelder: Methoden und Konzepte der Psychosozialen Beratung, ressourcenorientierte Beratung in psychosozialen Arbeitsfeldern, ressourcenorientierte und soziokulturelle Verfahren in der Psychosozialen Praxis, Selbstmanagement.
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Zitiervorschlag
Günther Wüsten. Rezension vom 25.09.2008 zu: Monika Becker-Fischer, Gottfried Fischer, Christiane Eichenberg: Sexuelle Übergriffe in der Psychotherapie. Orientierungshilfen für Therapeut und Klientin. Asanger Verlag (Kröning) 2008. 3., neu bearbeitete, erweiterte u. aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-89334-460-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/6264.php, Datum des Zugriffs 05.12.2016.


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